1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Acht bittere Minuten: Der FCK rutscht auf den Relegationsrang

Rückstand: Shinta Appelkamp (links) überwindet den Kaiserslauterer Schlussmann Robin Himmelmann zum 1:2.
Rückstand: Shinta Appelkamp (links) überwindet den Kaiserslauterer Schlussmann Robin Himmelmann zum 1:2.

Die Roten Teufel haben Fortuna Düsseldorf lange im Griff, führen, unterliegen aber mit 1:3. „Die Gründe liegen im Detail“, sagt Torwart Himmelmann.

Seit 30 Jahren ist Horst Schömbs Stadionsprecher des 1. FC Kaiserslautern. Dafür wurde der Mann mit dem wallenden grauen Haar an diesem Samstag vor der Zweitliga-Partie gegen Fortuna Düsseldorf geehrt. Im Anschluss erlebte der Ingelheimer zumindest in den ersten 45 Minuten des Duells einen geruhsamen Nachmittag. Hier und da musste er die Anhängerschaft des Gastes darauf hinweisen, das Zündeln mit pyrotechnischer Gerätschaft doch bitte zu unterlassen (was freilich keinen Erfolg zeitigte), und dann, ja dann durfte er sogar einen Treffer der Roten Teufel verkünden.

Einen glänzend herausgespielten überdies. Daniel Hanslik legte einen Pass aus dem Mittelfeld mit dem Rücken zum Tor stehend nach links auf Tymoteusz Puchacz ab. Dessen Flanke rutschte Kenny Redondo zwar über den Scheitel, Marlon Ritter aber stand am rechten Fleck und vollstreckte zum 1:0.

Urplötzlich ist die Ordnung dahin

26 Minuten waren in diesem Augenblick gespielt, das Tor bildete das Geschehen zutreffend ab. Die Führung der Roten Teufel war höchst verdient. Sie schafften es, die Räume eng zu halten und den Gast nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Keine einzige Chance erspielte die Fortuna sich im ersten Abschnitt, der FCK im Unterschied dazu derer vier. Cheftrainer Friedhelm Funkel stellte nach der Partie fest, die besten 74 Minuten unter seiner Ägide gesehen zu haben, aber – die Zahl sagt es – eben nur 74.

Führung: Marlon Ritter freut sich über seinen Treffer zum 1:0 für die Roten Teufel.
Führung: Marlon Ritter freut sich über seinen Treffer zum 1:0 für die Roten Teufel.

Die restlichen 21 inklusive Nachspielzeit gerieten zu einer Katastrophe aus Sicht des Gastgebers, der binnen acht Minuten durch Christos Tzolis (74.), Shinta Appelkamp (76.) und abermals Tzolis (82.) drei Gegentreffer schluckte, 1:3 unterlag und den Spieltag auf dem Relegationsrang beenden wird. Urplötzlich war die Ordnung dahin, Schlampigkeiten mehrten sich, die Fortuna durfte ihre Klasse ausspielen.

Unmittelbar vor dem Ausgleich hatte Jean Zimmer vor 46.210 Zuschauern noch eine große Gelegenheit zum 2:0 ausgelassen. „Wäre dieser Ball im Tor gewesen, hätte ich jetzt erklären müssen, warum wir das Spiel verloren haben“, sann der Düsseldorfer Trainer Daniel Thioune später, „es war ein schmaler Grat heute.“ Mit den Einwechslungen von Vincent Vermeij und Jona Niemiec läutete Thioune die Wende ein. Die Fortuna verteidigte nun wesentlich höher, provozierte Fehler des Gastgebers und nutzte diese mit Eiseskälte. „Es war ein sehr reifer Vortrag von uns“, sagte Thioune, „ich würde aber nicht von einem maximal verdienten Sieg sprechen, sondern von einem Arbeitssieg.“

Funkel bleibt Optimist

Tymoteusz Puchacz hinterließ bei den ersten beiden Düsseldorfer Treffern keinen guten Eindruck. Vor dem 1:1 legte er gegen Vorlagengeber Niemiec ein ungenügendes Verteidigungsverhalten an den Tag und ließ sich von seinem Widerpart übertölpeln, beim 1:2 versäumte er es, die Flanke von Matthias Zimmermann zu unterbinden. Vor dem 1:3 unterlief Julian Niehues im Mittelfeld ein Ballverlust.

Bis dahin hatte der FCK kaum einen Fehler begangen, sich in jeden Schuss und jede Flanke geworfen, seinen Kontrahenten zur Verzweiflung getrieben. Doppeltorschütze Tzolis hatte vor allem mit Jean Zimmer so überhaupt keinen Spaß, immer wieder blieb er hängen und schüttelte den Kopf. „Ich kann meiner Mannschaft wenig, wenig Vorwürfe machen“, rekapitulierte Friedhelm Funkel, „wir können auch aus diesem Spiel viel mitnehmen.“ Der 70-jährige Fußball-Lehrer bleibt Optimist: „Ob über die Relegation oder direkt, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir in der Liga bleiben.“

Blickt trotz des Resultates zuversichtlich nach vorne: Friedhelm Funkel.
Blickt trotz des Resultates zuversichtlich nach vorne: Friedhelm Funkel.

Auf den ersten direkten Abstiegsrang, belegt von Hansa Rostock, beträgt der Kaiserslauterer Vorsprung einen Punkt. Und nun stehen die schweren Auswärtsaufgaben beim Hamburger SV und der SpVgg Greuther Fürth auf dem Programm. Vorgelagert allerdings ist die Pokalaufgabe in Saarbrücken am Dienstag.

Himmelmanns undankbares Debüt

Auf Mittelstürmer Ragnar Ache und Torhüter Julian Krahl werden die Roten Teufel vermutlich auch dann verzichten müssen. Krahl wurde gegen die Fortuna durch Robin Himmelmann ersetzt. Der 35-jährige feierte sein Debüt im Tor des FCK. Er wurde kaum geprüft – und dreimal überwunden. Eine für ihn undankbare Partie.

„Die Gründe liegen im Detail“, sagte Himmelmann, „wir waren in drei Aktionen minimal unaufmerksam. Das geht halt in dieser Liga nicht.“ Geschäftsführer Thomas Hengen schloss sich an: „60 gute Minuten reichen gegen Fortuna Düsseldorf nicht. Du musst das Spiel komplett durchbringen.“ Dies misslang. So blieb Horst Schömbs an seinem „Jubeltag“ zu schlechter Letzt nichts anderes übrig, als ein für ihn unpassendes Ergebnis zu verkünden.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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