1. FC Kaiserslautern
Aaron Opoku: Der modebewusste Spaßvogel mit Herz
Es mag der Moment gekommen sein, dass Aaron Opoku ohne mahnende Worte auskommt. Der Offensivspieler des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern ist ein Kicker, der mit viel Talenten gesegnet ist. Opoku ist sehr schnell, ist sehr trickreich und in seinen Aktionen ab und an unberechenbar. Doch es gibt auch die andere Seite. Die zu sehen, liegt noch gar nicht so lange zurück. Unter Trainer Dirk Schuster wurde der 25 Jahre alte Offensivspieler mal aus dem Kader für das Pokalspiel bei Rot-Weiß Koblenz gestrichen. Opoku hatte Schuster verärgert, und der verpasste ihm daraufhin einen Denkzettel.
Diese Zeiten scheinen der Vergangenheit anzugehören. Aaron Opoku blüht seit dieser Saison regelrecht auf. Für ihn ist es der beste Saisonstart seit er am 31. August 2022 vom Hamburger SV zum 1. FC Kaiserslautern kam. Das sieht auch er so. „Ich denke, für mich persönlich war es ein sehr guter Saisonstart, vielleicht sogar bisher der Beste. In den letzten beiden Jahren ist es etwas holpriger gelaufen, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich besser zu meinem Spiel finde und besser meine Qualitäten einsetzen kann. Viel habe ich auch meinen Mitspielern zu verdanken, die mich gut in Szene setzen“, sagt Opoku.
Einer der schnellsten Zweitliga-Spieler
Ein Grund für diese Wandlung mag der neue Trainer Markus Anfang sein. Er baut auf Opoku. In den bisherigen vier Saisonspielen – gegen Preußen Münster fiel er verletzt aus – erzielte Opoku zwei Tore und gab zwei Vorlagen. Das sind jetzt schon genauso viele Treffer wie in den 20 Partien in der Spielzeit 2022/23. Vergangene Runde traf Opoku dreimal in 23 Spielen. „Ich selbst gehe selbstbewusster in die Spiele, weil ich ein gewisses Vertrauen von der Mannschaft und den Trainern spüre“, sagt Opoku vor dem Klassiker am Samstagabend gegen den Hamburger SV (20.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Dann komme ihm auch die Art und Weise, wie Anfang Fußball spielen lasse, entgegen. Opoku kann seine Schnelligkeit und seine Technik ausspielen. Er gehört nämlich zu den schnellsten Spielern in der Liga. Vergangene Saison wurde bei Opoku eine Spitzengeschwindigkeit von 36,02 Stundenkilometern gemessen. Schneller war nur sein Kumpel Christian Conteh (36,22 km/h).
Die neue Zeitrechnung unter Anfang auf dem Betzenberg hat offenbar auch bei Opoku einen gewissen Sinneswandel hervorgerufen. „Mein Eigenantrieb pusht mich und bringt mich voran. Es geht ja auch immer um eine Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. In der Vergangenheit war der Grat schmal bei Opoku. Er schwankte immer mal wieder zwischen Spaßvogel und Seriosität. Das Pendel schlug da zu sehr aus.
Markus Anfang weiß die Vorzüge Opokus zu schätzen, doch auch er hat erkannt, dass der Hamburger Junge sein Potenzial nicht komplett ausschöpft. „Aaron steht sinnbildlich für die Mannschaft. Es gibt viele Spieler, die noch Luft nach oben haben. Wir müssen ihnen dabei helfen“, sagt Anfang: „Aaron profitiert davon, dass es einen neuen Trainer gibt und eine neue Art, Fußball zu spielen. Da kann er seine Stärken einbringen. Er hat aber noch viel Luft nach oben. Ich weiß, dass er aus Hamburg kommt, dass er eine gewisse Motivation in sich trägt, aber das sollte unabhängig vom Gegner sein, dass man sich weiterentwickeln möchte.“
Betzenberg ist kein gutes Pflaster für HSV
Aaron Opoku ist in Hamburg zur Welt gekommen. Von 2011 an wurde der siebenmalige Juniorennationalspieler im Nachwuchsleistungszentrum des HSV ausgebildet, später dann zu den Profis hochgezogen, für die er aber nur viermal zum Einsatz kam. Nach Leihstationen in Rostock, Regensburg und Osnabrück verpflichtete der FCK den Linksaußen im Sommer 2022. Das Duell der beiden Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga am Samstag „wird immer etwas Besonderes für mich sein. Es ist immer etwas Tolles gegen Hamburg zu spielen. Ich habe mein ganzes Leben dort verbracht“, sagt Opoku.
Bislang ist die Heimbilanz des FCK gegen den HSV in der Zweiten Bundesliga sehr ansehnlich. 2:0 siegte der FCK am 15. April 2023. Opoku traf zum 2:0. Die andere Partie endete 3:3. „Der HSV ist natürlich ein Spitzenteam in dieser Zweiten Liga“, sagt Opoku: „Aber wir sehen jedes Wochenende, dass jeder jeden schlagen kann, unabhängig von der Favoritenrolle. Ein gutes Beispiel dafür ist das Spiel des 1. FC Köln gegen Magdeburg am vergangenen Spieltag. Köln bestimmt die Partie, und am Ende gewinnt trotzdem Magdeburg.“ Der FCK müsse an seine Leistungsgrenze gehen, dann könnte es ein positives Ergebnis geben, sei es ein Punkt oder gar ein Sieg. „Wenn wir alle unsere Aufgaben erfüllen und wir alle an einem Strang ziehen, dann ist das für das Teamgefüge am besten“, sagt Opoku. Die Statik im Team steht und ist nach den beiden Niederlagen in Folge nicht verrutscht. Die Stimmung, betont Opoku, sei gut.
Auch bei ihm. Bei jemandem, der die Mode und die Musik schätzt. Opoku, Kenny Prince Redondo, Tobias Raschl, Richmond Tachie und Jannis Heuer sind so etwas die Mode-Models beim FCK. Sie legen Wert auf Kleidung und tauschen sich untereinander aus, was die neuesten Trends sind. Opoku – der Trendsetter, der Spaßvogel, aber auch ein selbstreflektierender Mensch mit Herz. Er ist zusammen mit Daniel Hanslik der DJ im Team. Da werden dann auch mal Songs der „Broskeez“ aufgelegt. Die Gruppe besteht aus den Profifußballern Derrick Köhn (Werder Bremen), Aaron Opoku und Christian Conteh (Eintracht Braunschweig). Der Vierte im Bunde ist Football-Profi Hiswill Awuah (24, Munich Ravens). Die Band hat schon mehrere Singles und ein Album herausgebracht. Gegründet haben sie sich vor Jahren, als Opoku noch beim HSV spielte. „Ich bekomme für meine Musik gute Rezensionen, deswegen läuft das auch ab und zu mal in der Kabine. Es laufen auch viele andere Musikrichtungen“, sagt Opoku. Wann es ein neues Album gibt, weiß er nicht. Am Samstag gegen den HSV kann Opoku dazu beitragen, den richtigen Takt vorzugeben.
