1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 1:5-Demütigung in Darmstadt: Schwarzer Tag für die Roten Teufel

Niedergeschlagen: FCK-Torschütze Daniel Hanslik weiß die Niederlage einzuordnen und freute sich über eine Tatsache.
Niedergeschlagen: FCK-Torschütze Daniel Hanslik weiß die Niederlage einzuordnen und freute sich über eine Tatsache.

Der SV Darmstadt 98 demütigt den 1. FC Kaiserslautern beim 5:1. Es ist die bisher schlechteste Saisonleistung sowie die höchste Niederlage in der aktuellen Runde für den FCK. Eine stolze Serie endet jäh. Doch der FCK muss sich dafür nicht schämen, denn dem kommenden Gegner erging es auch so.

Von Marek Nepomucký

Darmstadt. Solche denkwürdigen Abende haben auch eine gute Seite. Der 1. FC Kaiserslautern ist am Samstag bei der 1:5 (0:2)-Klatsche beim SV Darmstadt 98 in der Zweiten Fußball-Bundesliga gedemütigt worden. Für die Roten Teufel war diese Vorführung vor 17.810 Zuschauern im ausverkauften Böllenfalltor-Stadion ein Höllenritt. Einziger Lichtblick war das zwischenzeitliche 1:4 durch Daniel Hanslik (83.). Denn mit den fünf Darmstädter Treffern durch Fraser Hornby (45+3, 73.), Kilian Corredor (33., 89.) und Luca Marseiler (62.) war der FCK noch gut bedient an diesem Abend.

Für Kaiserslautern endet damit eine erfreuliche Serie jäh, vielmehr brutal. Sieben Spiele war der FCK ohne Niederlage, hatte 17 Punkte in dieser Phase geholt. Darmstadt ist nun seit neun Partien ungeschlagen (19 Zähler). Die Art und Weise, wie sich der FCK hat auseinandernehmen lassen, überrascht. Denn die Mannschaft strotzte nur so vor Selbstvertrauen. Die vergangenen Wochen hat sich der FCK aus dem Tabellenmittelfeld bis auf den zweiten Platz gespielt. Das steigerte das Selbstbewusstsein, und es erhöhte die Erwartungshaltung.

Allerdings waren die Erfolge nicht immer so überzeugend, wie es das Ergebnis ausdrückte. Das Team hatte durchaus das notwendige Spielglück auf seiner Seite. Auf der anderen Seite ließ der FCK in manchen Partien Punkte liegen, in denen mehr drin gewesen war. Am Ende gleichen sich solche Dinge oft aus. Die Niederlage in Darmstadt holte die Mannschaft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie hielt ihr den Spiegel vor mit all den Defiziten, die offensichtlich wurden. Sie liefert Trainer Markus Anfang somit genügend Punkte, an denen es zu arbeiten gilt.

Deutliche Kritik von Jannis Heuer

Am Samstag enttäuschte der FCK auf der ganzen Linie. Nichts war von dem zu sehen, was die Mannschaft gegen Karlsruhe, in Düsseldorf, gegen Paderborn so stark gemacht hatte. „Das war nicht der FCK aus den vergangenen Wochen, das war keine Betze-Mentalität“, schimpfte Abwehrspieler Jannis Heuer: „In allen Bereichen hat uns heute eine Menge gefehlt. Das war ein peinlicher Auftritt, so ein Gesicht wollen wir nicht zeigen. Es war in der Verteidigung zu billig von uns. Das müssen wir besser machen, da nehme ich mich in die Kritik auch mit rein. Es nervt sehr, heute so aufgetreten zu sein.“

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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Das Gute an diesem Abend war, dass kein Spieler, auch nicht Geschäftsführer Thomas Hengen oder Trainer Markus Anfang auch nur annähernd etwas schönreden wollte. Alle haben sie sich geläutert gegeben, weil sie wussten, dass diese Leistung nicht der Anspruch des FCK sein darf. „So dürfen wir nicht auftreten, egal, gegen welchen Gegner“, sagte Kapitän Marlon Ritter und sprach gar davon, dass die Mannschaft hatte aufpassen müssen, sich nach dem 3:0 für Darmstadt nicht abschlachten zu lassen. Markus Anfang grantelte: „Heute hätten wir gegen jede Mannschaft verloren, nicht nur in der Zweiten Bundesliga, auch in tieferen Ligen.“

Lauterns Jannis Heuer (rechts), hier gegen den zweifachen Torschützen Fraser Hornby, fand am Samstagdeutliche Worte.
Lauterns Jannis Heuer (rechts), hier gegen den zweifachen Torschützen Fraser Hornby, fand am Samstagdeutliche Worte.

Der demütigende Dämpfer kam für den 1. FC Kaiserslautern vielleicht sogar zum richtigen Zeitpunkt. Denn so wie das FCK-Umfeld nach der 0:1-Niederlage schon wieder alles verteufelte, so waren manche Anhänger nach dem 3:1-Derbysieg gegen den Karlsruher SC mit ihren Gedanken schon in der Münchner Allianz-Arena oder bei Borussia Dortmund. Thomas Hengen sagte daher: „Ist vielleicht auch ganz gut, dass ein paar Leute mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen.“

Es war ein kollektiver Aussetzer des FCK. Solche Tage kommen vor. Niemand im Leistungssport lässt sich freiwillig so vorführen vor einem Millionenpublikum. „Es war ein gebrauchter Tag. Du hast schon nach ein paar Minuten gespürt, dass bei unseren Jungs nichts geht“, sagte Hengen: „Wenn jeder ein paar Prozent weniger gibt, kommt es zu so einer Klatsche. Aber wir verlieren und gewinnen zusammen. Die Jungs haben auch das Recht, mal einen gebrauchten Tag zu erwischen – und das haben sie heute richtig gut hinbekommen. Ich verliere lieber einmal richtig wie heute als drei Mal 0:1.“

FCK ist mit dem 1:5 nicht alleine

Der 1. FC Kaiserslautern ist aber gefestigt genug, um diese Niederlage zu verarbeiten und daraus zu lernen. Die etwa 2000 mitgereisten FCK-Fans bewiesen Fingerspitzengefühl und bauten die Mannschaft nach der Niederlage auf. „Das zeigt, was wir für eine Einheit bilden und gemeinsam durch gute und schlechte Zeiten gehen. Das sollte uns deshalb nicht zurückwerfen“, sagte Daniel Hanslik.

Das ist die gute Seite an diesem denkwürdigen Abend. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Rückschlag aussieht, der FCK ist immer noch auf einem guten Weg, eine sorgenfreie Saison zu spielen. Außerdem ist der FCK mit dem 1:5 in Darmstadt nicht alleine. Auch der 1. FC Köln verlor Mitte Oktober mit 1:5 bei Darmstadt 98. Am Sonntag (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) treffen nun die „Geschmähten“ auf dem Betzenberg aufeinander. „Da wollen wir es wieder besser machen“, sagte Ritter.

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