Maikammer
Haus der Geschenke: Wie sich das Traditionsgeschäft seit fast 100 Jahren hält
Wer das Haus der Geschenke betritt, ist erst einmal überwältigt von der Vielfalt der Waren, die in Regalen und auf Tischen stehen. „Manche Kunden verbringen bei uns einige Stunden“, verrät Dieter Leibfried, der Ehemann von Susanne Ullrich-Leibfried, der zwar kein Mitarbeiter ist, aber seine Frau unterstützt. Auf drei Etagen bietet das Geschäft unter anderem Haushaltswaren, Wohndekoration und -accessoires, Porzellan, Spielsachen, Taschen, Tücher und Geschenkideen an.
„Wir legen großen Wert auf Beratung und bieten die jedem Kunden an. Doch wer möchte, kann sich umschauen, solange er Lust dazu hat“, sagt Ullrich-Leibfried, die das Haus der Geschenke 1992 von ihren Eltern übernommen hat. Gegründet haben das Geschäft ihre Großeltern, ursprünglich als Elektroinstallationsbetrieb. Doch es wurden auch Nähmaschinen und Fahrräder repariert sowie Haushaltswaren und Porzellan verkauft.
Traditionelles und Trends
Schon ihre Großeltern erweiterten das Sortiment immer wieder, wie Ullrich-Leibfried berichtet. Ihre Eltern hätten das fortgesetzt, neue Warengruppen und neue Produkte dazu genommen. 1978 wurde die Verkaufsfläche im Erdgeschoß des Gebäudes vergrößert und das Untergeschoß und ein Gewölbekeller, einst ein Weinkeller, wurden dazu genommen. Seitdem hat das Haus der Geschenke eine Verkaufsfläche von etwa 250 Quadratmetern.
„Ich bin immer auf der Suche nach Neuheiten und Trends“, sagt Susanne Ullrich-Leibfried. Sie nennt zahlreiche bekannte und weniger bekannte Marken, von denen sie Produkte anbietet. Verweist auf zwei Tische, auf denen große Schalen mit Dekoration auf der Innenseite sowie buntes Geschirr in teils witzigen Formen stehen. „Das ist beides im Trend“, sagt Ullrich-Leibfried. Doch sind im Haus der Geschenke ebenso Produkte im klassischen Design, Traditionelles wie Weckglas, Kochlöffel und Zitronenpresse erhältlich.
70-Stunden-Woche keine Seltenheit
„Bei uns gibt es so ein Geschäft nicht mehr“, diesen Satz hören Susanne Ullrich-Leibfried und ihre fünf Mitarbeiterinnen, die in Teilzeit arbeiten, fast jeden Tag – sowohl von Touristen als auch von Kunden, die aus der weiteren Region kommen. Früher war in fast jedem Ort ein Haushaltswarengeschäft zu finden, heute sind sie selbst in großen Städten eine Rarität. „Wir sind ein klassisches Fachgeschäft der alten Schule“, sagt Ullrich-Leibfried.
„Man muss bereit sein, sehr viel zu arbeiten“, nennt die Inhaberin als einen Grund, warum sich ihr Geschäft gehalten hat. Eine 70-Stunden-Woche sei für sie keine Seltenheit, auch weil sie sich um alles kümmere, beispielsweise selbst dekoriere. Sie führe das Geschäft „mit Herzblut“, sagt Susanne Ullrich-Leibfried.
Ebenso sei es wichtig, offen zu sein für Neues, Waren anzubieten, die im Trend liegen und das Geschäft immer weiter zu entwickeln. Ullrich-Leibfried geht regelmäßig auf Messen, bereitet sich für die Messebesuche „akribisch“ vor. Bei der Bestellung von Waren achtet sie sehr darauf, was für ihr Geschäft geeignet ist. Etwas weniger als die Hälfte der Waren bestellt Susanne Ullrich-Leibfried über einen Einkaufsverbund, ansonsten direkt bei den Firmen. Was nicht immer ganz einfach sei, denn viele Unternehmen verlangen eine Mindestabnahme. Manchmal müsse sie da passen, sagt Ullrich-Leibfried, denn sie habe in Maikammer nicht die Kundenfrequenz wie ein Geschäft in der Haupteinkaufsstraße einer Großstadt.
Starke Konkurrenz durch Online-Handel
Jeweils etwa 30 Prozent des Sortiments seien Haushaltswaren und Geschenkartikel, Spielwaren kommen an dritter Stelle. Verkauft würden an erster Stelle Geschenkartikel, der Anteil von Haushaltswaren sei nur leicht niedriger. Die Kunden kommen aus der weiteren Region, viele Stammkunden seien dabei. „Wir haben Kunden, die kommen extra nach Maikammer, um bei uns einzukaufen“, erzählt Ullrich-Leibfried. Auch Touristen würden gerne einen Abstecher in das Haus der Geschenke machen. Von Vorteil sei, dass sich direkt am Geschäft Parkplätze befinden. Die Inhaberin bedauert, dass in den vergangenen Jahren mehrere Maikammerer Geschäfte geschlossen haben. Denn mehr Geschäfte würden mehr Kunden anziehen.
Geburtstagstische gehören ebenso zum Angebot des Hauses der Geschenke wie eine Vielzahl von Ersatzteilen. Wenn es möglich sei, erfülle sie individuelle Wünsche von Kunden und vermittele Reparaturen, sagt Ullrich-Leibfried. Dass der Online-Handel immer mehr zunimmt, sei beim Umsatz durchaus spürbar. Ärgerlich sei es, wenn Kunden sich im Geschäft ausführlich beraten lassen und dann beim Online-Handel bestellen.