Ausland RHEINPFALZ Plus Artikel Türkei greift bei Hotels durch

 Alanya mit seinem Roten Turm ist auch für viele Deutsche ein beliebtes Urlaubsziel an der türkischen Mittelmeerküste.
Alanya mit seinem Roten Turm ist auch für viele Deutsche ein beliebtes Urlaubsziel an der türkischen Mittelmeerküste.

Türkische Behörden haben Tausende Beherbergungsbetriebe geschlossen, weil ihnen die Betriebsgenehmigung fehlt. Ein Hotel-Brand zeigt, wie drängend das Problem ist.

Nie wieder: Das versprachen türkische Hoteliers und Behörden im Januar nach dem Großbrand in einem Skihotel, bei dem 78 Menschen starben. Doch jetzt passierte es wieder: In einem Strandhotel voller Touristen brach nachts Feuer aus. Mit einem Großeinsatz konnte die Feuerwehr diesmal alle Gäste und Angestellten retten; einige Menschen kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Nun stellt sich heraus, dass das Vier-Sterne-Hotel keine gültige Betriebsgenehmigung besaß und sich über einen städtischen Schließungsbefehl hinweggesetzt hatte.

Der Brand ereignete sich im „Asrin Beach Hotel“ in Alanya, das östlich von Antalya an der türkischen Mittelmeerküste liegt und von Urlaubern aus Deutschland, Russland und Polen sowie anderen europäischen Ländern frequentiert wird. Zum Zeitpunkt des Brandes in der Nacht auf Donnerstag waren 622 Gäste im Haus, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Das Feuer brach in einem Wäscheraum im Untergeschoss des Hotels aus und entwickelte starken Rauch, der durch das Hotel aufstieg und die Gäste in den oberen Stockwerken einschloss. Dort sei Panik ausgebrochen, berichtete die Agentur IHA.

Die Feuerwehr der Provinz Antalya zog Löschzüge und Rettungskräfte aus mehreren Bezirken zusammen, um die eingeschlossenen Touristen zu retten und den Brand zu bekämpfen. Während eine Einsatzgruppe am Brandherd löschte, kontrollierten Feuerwehrleute der zweiten Gruppe alle Zimmer. Die evakuierten Touristen lagerten während der mehrstündigen Löscharbeiten am Swimmingpool und wurden später mit Bussen auf umliegende Hotels verteilt. Mehrere Menschen wurden vor Ort wegen Rauchvergiftung behandelt, drei kamen ins Krankenhaus. Das Hotel wurde versiegelt.

Das habe die Stadt Alanya schon länger versucht, erklärte Bürgermeister Osman Tarik Özcelik am nächsten Tag. Demnach hatte die Stadtverwaltung am 22. April die Schließung des „Asrin Beach Hotel“ angeordnet, weil es keine Betriebsgenehmigung hatte. Die Eigentümer erwirkten aber einen Verwaltungsgerichtsbeschluss, mit dem der Vollzug der Schließung ausgesetzt wurde. Die Stadt legte Einspruch ein und setzte sich schließlich durch: Mit Gerichtsbeschluss vom 10. Juni wurde der Schließungsbefehl wieder in Kraft gesetzt. Am 11. Juni wies die Stadt die Eigentümer schriftlich an, das Hotel zu räumen, weil es am nächsten Tag versiegelt werde. Doch in der Nacht zum 12. Juni brach das Feuer aus.

Debatte über Vorschriften

„Schockierend“ sei es, dass das Hotel auf Gerichtsbeschluss offen bleiben und Gäste beherbergen konnte, obwohl ihm die Betriebsgenehmigung fehlte, kommentierte das Fachblatt „Turizm Ekonomi“ am Freitag; die Betriebsgenehmigung setzt eine vollständige Überprüfung der Brandschutzmaßnahmen durch die Feuerwehr voraus. Bis zu der Brandkatastrophe in dem Skihotel in Kartalkaya vor fünf Monaten, bei der 36 Kinder und 42 Erwachsene starben, konnten ältere Hotels in der Türkei die Brandschutzvorschriften umgehen, wenn sie vor Inkrafttreten moderner Vorschriften im Jahr 2009 gebaut wurden – so wie das „Asrin“, das im Jahr 1997 eröffnet wurde.

Auch das „Grand Kartal Hotel“ in Kartalkaya, in dem sich die Brandkatastrophe vom Januar ereignete, war vor 2009 gebaut und erfüllte die Brandschutzvorschriften nicht. Laut einem Expertenbericht für die Staatsanwaltschaft gab es in dem Hotel keine Sprinkler, zu wenige und defekte Feuermelder sowie Mängel an Treppen, Aufzugschächten und Gasventilen; obendrein habe das Hotelpersonal keinerlei Brandschutz-Ausbildung gehabt.

Seit der Katastrophe von Kartalkaya müssen nun auch ältere Hotels die aktuellen Anforderungen erfüllen, sagt der Brandschutzexperte Haci Latif Iscen, der Industrie und Behörden in Sicherheitsfragen berät. Zudem kontrolliere jetzt die Feuerwehr landesweit alle Hotels; örtliche Behörden könnten Einrichtungen schließen, die nicht alle Brandschutzvorschriften erfüllen. Das Eingreifen des Verwaltungsgerichts in Alanya dürfte jetzt eine neue Debatte darüber anfachen, ob diese Vorschriften tatsächlich ausreichen.

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