Wissen Binnenmeere heizen sich auf

Viele Binnenmeere erwärmen sich rasant – mit Folgen für Ökosysteme und Arten.
Viele Binnenmeere erwärmen sich rasant – mit Folgen für Ökosysteme und Arten.

Der Verlust des kühlenden Aerosoleffekts beschleunigt die Erwärmung sensibler Meere.

Binnenmeere sind wichtige Orte beispielsweise für die Fischerei und den Tourismus. Doch durch ihren geringen Wasseraustausch mit umgebenden Meeren sind sie stark durch Verschmutzung, Nährstoffe und besonders schnell ansteigende Wassertemperaturen bedroht. Diese Wassererwärmung wurde nun durch eine Studie des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erstmals weltweit ausgewertet.

Die Forscher untersuchten wie schnell sich Binnenmeere erwärmen, da Meeresorganismen langsame Temperaturänderungen viel besser verkraften als plötzliche starke Hitze. Außerdem analysierten die Wissenschaftler das Vorkommen mariner Hitzewellen, also Phasen hoher Wassertemperaturen. Diese Hitzewellen können plötzliche und verheerende Auswirkungen wie Fischsterben nach sich ziehen.

Höhepunkt im Jahr 2000

Für die Analysen wurden umfangreiche Klimamodellsimulationen genutzt, die es ermöglichten, langfristige durch den Klimawandel bedingte Trends von natürlicher Variabilität zu unterscheiden. Dies ist sehr wichtig bei der Analyse von Extremereignissen.

Die Studie deckte auf, dass die Rate der Erwärmung der untersuchten Binnenmeere im Jahr 2000 ihren Höhepunkt erreichte. Der Grund ist, dass während des 20. Jahrhunderts industrielle Emissionen für die Anreicherung von Aerosolen, also feinen Luftpartikeln, in der Atmosphäre sorgten. „Diese Aerosole reflektierten das Sonnenlicht und hatten somit einen kühlenden Effekt. Durch die Verminderung der Luftverschmutzung nahmen diese Aerosole anschließend ab, und der kühlende Effekt ging verloren“, erklärt der IOW-Forscher und Erstautor der Studie Matthias Gröger.

Wärmer und mehr Hitzewellen

Bei anhaltenden hohen Emissionen sollen sich laut Studie viele Binnenmeere bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um einige Grad Celsius erwärmen. 13 von 19 Binnenmeeren sogar um mehr als 1 Grad Celsius. Mancherorts steigt die Temperatur womöglich drei- oder viermal so stark wie in der Vergangenheit. In vielen Meeren könnte es zudem zu langanhaltenden Hitzewellen kommen.

Eine Kernaussage der Studie ist außerdem, dass die stärksten Effekte des Klimawandels auf die Binnenmeere verhindert werden können, wenn die globale Erwärmung, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, unter 1,5 Grad Celsius bleibt. Besonders die Gefahr von langanhaltenden marinen Hitzewellen würde dadurch deutlich reduziert. Aber auch bei Einhaltung dieser Grenze wird es zur Wassererwärmung und zum Auftreten mariner Hitzewellen kommen, lediglich ihre Intensität wird reduziert.

Die Erkenntnisse aus der Studie sind wichtig für Gremien, die Nutzungsszenarien für die Binnenmeere erarbeiten. So müssen die zukünftigen Temperaturentwicklungen sowohl im Hinblick auf die Anpflanzung von Seegraswiesen zur Wiederherstellung natürlicher Lebensräume als auch bezüglich der Bewertung der Einwanderung gebietsfremder Arten sowie das Verschwinden geeigneter Lebensräume für einheimische Arten berücksichtigt werden.

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