Südpfalz
Landtag: SPD wählt Alexander Schweitzer zum Direktkandidaten
Es war ein kurzer Besuch am Samstag in Bad Bergzabern – zu Hause und bei der Nominierungskonferenz im Wahlkreis 49 zur Landtagswahl am 26. März 2026. Noch am Freitag hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer in einer Rede vor dem Bundesrat des Kriegsendes vor 80 Jahren gedacht. Tage zuvor war er im Fernsehen bei den Talkern Caren Miosga und Markus Lanz aufgetreten, nachdem er an den Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin teilgenommen hatte. Der 51-Jährige ist ein gefragter Gesprächspartner.
Der Termin am Samstag im Haus des Gastes in der Kurstadt ist ein wichtiger. Seinem Wahlkreis fühlt sich Schweitzer eng verbunden. Die Nominierung ist für ihn mehr als reine Formsache. In der Heimat tankt er Energie, wenn ihm die Genossen und Freunde auf die Schulter klopfen. Hier stellt er sich der eigenen Basis, versichert sich ihres Vertrauens. „Ihr tut mir gut“, sagt der Politiker. Kurz darauf ist er schon wieder auf Tour. Bei Terminen bis tief in die Nacht, erzählt Ehefrau Barbara. Sie ist es gewohnt, auf ihren Mann zu verzichten. Am Ende der Konferenz wird er sagen: „Ich kann Dir nicht versprechen, dass es besser wird.“
SPD stolz auf Geschlossenheit
Seit 2006 ist Schweitzer Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags, Neben Parteiämtern hatte er in verschiedenen Positionen Regierungsverantwortung und ist seit 10. Juli 2024 als Nachfolger von Malu Dreyer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Nun ziehen die Sozialdemokraten mit ihm wieder in den Wahlkampf. „Das Beste für das beste Land“ steht in großen Lettern auf den Transparenten im Saal. 100 Prozent, so lautet das Ergebnis der Abstimmung nach fast zwei Stunden. Die 72 Delegierten jubeln Schweitzer zu.
Es ist diese Geschlossenheit, die die Partei auszeichne und auf die sie stolz sein könne, hat zuvor Sabine Bätzing-Lichtenthäler unterstrichen. Die SPD-Landesvorsitzende aus dem Westerwald, die selbst am Abend zuvor im Wahlkreis 1 Betzdorf/Kirchen 100 Prozent der Stimmen eingefahren hat, beschreibt Schweitzer als heimatverbunden und ein bisschen ein Dorfkind im Herzen, als konsequent, zugewandt, zupackend. Er führe die Ampel in Mainz, wie es sich gehöre, geräuschlos, respektvoll und sachorientiert. „Sein Engagement kommt allen zugute, der Partei und dem Land“, sagt die Parteivorsitzende in einer kämpferischen Rede. Er sei der Grund für die Perspektivlosigkeit der CDU.
AfD-Wähler zurückgewinnen
Das Erfolgsgeheimnis der SPD im Land seit über drei Jahrzehnten ist laut Alexander Schweitzer die Nähe zu den Menschen. „Unterwegs zu sein, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ihnen die Hand zu geben – so hat’s uns Kurt Beck beigebracht. So hat es Malu Dreyer gemacht, so mache ich es.“ Und das sei mehr als rheinland-pfälzische Folklore, wie mancher der SPD vorwerfe, betont Schweitzer.
Doch er sei in tiefer Sorge, dass sich zu viele Menschen von der demokratischen Mitte abkehrten. Die Bundestagswahl sei nichts anderes gewesen als ein Debakel, das sähen Christdemokraten ebenso, und das gelte auch für Grüne und FDP. „Das muss uns doch umtreiben“, ruft der 51-Jährige. Die, die AfD wählten, seien nicht weg aus dem demokratischen Spektrum. „Wir werden um jede Stimme kämpfen, um sie wieder zu gewinnen. Dieses Land können wir doch nicht Extremen überlassen.“
Mehr Wachstum, weniger Bürokratie
Er wünsche der künftigen Regierung im Bund aus CDU und SPD vollen Erfolg. Als Lobbyist seines Landes habe er sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin eingebracht, unter anderem für Industriestrompreise. „Wir brauchen einen Kurs für Wirtschaftswachstum und Bürokratieabbau“, konstatiert der Landespolitiker, der beispielsweise die Wertschöpfung und gute Jobs bei Daimler in Wörth im Blick hat. Als Abgeordneter und Landeschef habe er für viele Einzelprojekte Geld in die Region gebracht, ohne das vieles nicht möglich wäre. Allein 200 Millionen Euro kämen den Kommunen für Investitionen zugute, 3 Milliarden Euro steuere das Land zur Entschuldung der Kommunen bei. „Ich bin nicht nur von Herzen Südpfälzer, sondern auch mit jeder Faser meines politischen Handelns“, unterstreicht der Landesvater.
Das gilt auch für einen, dessen Arbeit Alexander Schweitzer am Samstag besonders erwähnt. Thomas Hitschler, bis vor Kurzem SPD-Bundestagsabgeordneter und derzeit noch Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), habe viel geleistet, was nicht alle sähen. Vor wenigen Tagen für die scheidende Bundesregierung noch im Libanon und in Afrika unterwegs, wird es in Berlin nun ruhiger für ihn. Anfang Mai, wenn die Nachfolger im Amt sind, zieht sich der Hainfelder aus persönlichen Grünen ins Privatleben zurück.
65.000 Kilometer gefahren
Ein anderer ist bereit für die große politische Bühne. Die Delegierten wählen mit 94,5 Prozent der Stimmen den 26-jährigen Florian Funk aus Annweiler zu Schweitzers B-Kandidaten. Der Vorsitzende der SPD Südliche Weinstraße verspricht: „Ich gebe mindestens 100 Prozent, dass der Wahlkreis in guten Händen ist.“
Es ist ganz nach dem Geschmack des großen Vorbilds. Schweitzer, der seit seiner Wahl zum Landeschef 65.000 Kilometer im Land unterwegs war, darf, wie gewünscht „in der Kombination wenig Schlaf, viel Arbeit und keine Wochenenden weiter arbeiten“. Die Genossen wissen, um welche Entbehrungen es da geht, bekennt Mario Daum, mit Jennifer Braun an der Spitze des SPD-Unterbezirks Südpfalz.
Der Wahlkreis 49 umfasst die Verbandsgemeinden Bad Bergzabern, Landau-Land, Annweiler, Herxheim und Kandel. Vor vier Wochen ist der Landtagsabgeordnete Florian Maier aus Dammheim als Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Landau gewählt worden. Zum Wahlkreis 50 zählen neben der Stadt Landau die Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer.