Neustadt
Fragen und Antworten: Was wird aus den Geothermieplänen von Vulcan?
Was hat sich vergangene Woche getan?
Die BASF in Ludwigshafen und die Firma Vulcan Energie Ressourcen GmbH prüfen eine Zusammenarbeit. Vorgesehen ist eine Erdwärmeversorgung für die BASF sowie für Frankenthal und Ludwigshafen. Außerdem wird der Bau einer Lithiumextraktionsanlage auf dem Gelände des Chemiekonzerns geprüft. Vulcan betreibt bereits zwei Geothermieanlagen in Landau und Insheim. In Bad Dürkheim war ebenfalls ein Vulcan-Projekt geplant. Doch dort scheint die Gewinnung von Lithium und Wärme aus großer Tiefe vorerst vom Tisch. Vulcan räumt dem Projekt in Ludwigshafen Vorrang ein.
Was bedeuten die Entwicklungen für Neustadt?
Extrem kurz zusammengefasst: „Es gibt keine Neuigkeiten von Vulcan“, sagt Oberbürgermeister Marc Weigel. Er habe vor wenigen Wochen bei Vulcan den Stand erfragt. Auf die Entscheidungen der Vorwoche habe er mit Blick auf Neustadt vom Unternehmen nichts gehört.
Wie ist die Ausgangslage in Neustadt?
Zur Energiewende gehört laut den Zielen der Stadt auch, dass bis 2045 CO2-frei geheizt werden kann. Im kommenden Jahr soll die Wärmeplanung vorliegen. Neustadt hatte sich sehr früh auf den Weg gemacht und erhofft sich von dem Konzept genaue Informationen darüber, wie im Stadtgebiet künftig verstärkt mit erneuerbaren Energien geheizt werden kann. In ihren Konzepten haben die Stadtwerke wiederholt darauf hingewiesen, dass die Ziele beim Thema klimaneutrales Heizen ohne Tiefe Geothermie kaum zu erreichen sind.
Und wann kommt Vulcan ins Spiel?
Genau bei diesem Thema. Denn das Karlsruher Unternehmen besitzt die sogenannten Aufsuchungsrechte für Bodenschätze auf der gesamten Neustadter Gemarkung. Zu den Bodenschätzen im Oberrheingraben zählt Lithium, das Vulcan gewinnen möchte. Man kann es aus dem Thermalwasser, das mit Bohrungen im Erdinneren gewonnen wird, extrahieren – und es dann für Akkus verwenden. Die beim Förderprozess anfallende Wärme könnten die Kommunen nutzen. Mit speziellen Verfahren (3D-Seismik) will Vulcan das gesamte Gebiet in der Vorderpfalz erkunden und so Bohrplätze festlegen. In Neustadt kam anhand der vor 20 Jahren gewonnenen Daten eine Fläche bei Geinsheim als Bohrplatz ins Spiel. Was genau Vulcan dort machen möchte, ist offen. Zunächst war auch von einem Geothermiekraftwerk und einer Lithium-Extraktionsanlage die Rede. Diese Pläne waren im Sommer 2023 vom Tisch, als das für Bad Dürkheim entwickelte Konzept bekannt wurde. Danach hieß es von Vulcan im Stadtrat, dass in Geinsheim nur noch gebohrt werden soll. Die Wärme könnte trotzdem genutzt werden, so das Unternehmen.
Wie ist der aktuelle Stand?
Der Stadtrat hat die Verwaltung im Juni 2023 ermächtigt, ins Thema einzusteigen, ohne damit etwas konkret festzulegen. Das ist unverändert der Stand der Dinge. Oberbürgermeister Weigel betont, dass die Gesamtlage ziemlich komplex ist. Aufgrund des bestehenden Monopols von Vulcan Energy werde sich in Sachen Erdwärme für die Stadt nach aktuellem Stand wohl nur etwas tun, wenn Vulcan entsprechende Projekte entwickelt.
Beim bisher letzten Kontakt zum Unternehmen habe es aber geheißen, „dass sie erst einmal die Datenbasis mit der 3D-Seismik verbessern und Erfahrungen mit dem Projekt in Landau sammeln wollen“, sagt Weigel. Dort besteht bereits seit 2007 ein Geothermiekraftwerk, sodass die Voraussetzungen für eine neue Anlage zur Lithium-Förderung besser erschienen. „Mehrere Projekte gleichzeitig kann Vulcan schon deshalb nicht stemmen, weil die Technologie der Lithiumextraktion immense Investitionen erfordert und deren Erfolg gleichzeitig in der Praxis noch nicht erwiesen ist“, so Weigel. Daher müsse sich in Landau zeigen, wie es mit der Lithium-Förderung tatsächlich klappe. Wenn Vulcan dort Klarheit habe und anhand der neu gewonnenen Daten Bohrplätze festlege, komme das Unternehmen wieder auf die Stadt zu.
Da Vulcan das Thema Erdwärme immer mit der Lithiumgewinnung verknüpfe, stelle sich nach dem Aus für die Dürkheimer Anlage unter anderem die Frage, ob nun doch wieder eine entsprechende Anlage in Neustadt benötigt werde oder das Lithium zur Anlage nach Landau gebracht werden könne. Das seien aus seiner Sicht alles offene Fragen, „die uns Vulcan irgendwann beantworten muss“, betont Weigel.
Wie geht es weiter?
„Erst einmal müsste eine Vulcan-Projektidee mit konkretem Standort für Neustadt vorliegen. Diese ist uns für 2026/27 avisiert. Je nach von Vulcan vorgeschlagenem Standort erfolgt von uns eine Kosten-Nutzen-Risiken-Betrachtung“, so Weigel. Massive Investitionen für Stadt und Stadtwerke wären dabei erforderlich. „Und ohne immense Bundesförderungen nicht zu stemmen“, sagt Weigel. Mit Blick auf die Berliner Politik seien Förderzusagen jedoch aktuell alles andere als verlässlich. Beim Bundeswirtschaftsministerium und gegenüber dem Bundestag hatte sich Weigel bereits für eine Privilegierung von Kommunen hinsichtlich der Vergabe von Aufsuchungsrechten für Erdwärme eingesetzt. „Bislang ohne Erfolg“, sagt der Oberbürgermeister. Dennoch bemühe sich die Stadt auch ohne Gesetzesänderung hinsichtlich der Wärme um eigene Rechte – unabhängig vom Lithium, an dem die Stadt selbst kein Interesse habe. Weigel: „Aktuell sind uns auf dem Weg zur Wärmewende rechtlich Handschellen angelegt und wirtschaftlich enge Grenzen gesetzt. Daher muss jedem klar sein, dass das eine Herkulesaufgabe ist – Ausgang ungewiss.“
Was sagt Vulcan dazu?
Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass ab Anfang 2025 seismische Messungen zur Untersuchung der geothermischen Gegebenheiten vorgesehen seien. „Grundsätzlich bestimmen die Geologie und tektonische Strukturen mögliche Standorte für ein Geothermie-Projekt, worüber eine sogenannte 3D-Seismik Aufschluss gibt“, so Vulcan. Für die Gemeinde Haßloch liegen dem Unternehmen zufolge schon seismische Messungen vor. Es gebe dort „ein besonders hohes geothermisches Potenzial, welches in die kommunale Wärmeplanung integriert werden könnte“. Man strebe daher Gespräche mit dem Haßlocher Gemeinderat an. Weiter heißt es von Vulcan: „Auch in Neustadt ist das geothermische Potenzial hoch.“ Auf Basis der städtischen Wärmeplanung könnten eine „mögliche Kooperation zwischen Vulcan und den Stadtwerken und auch geeignete Maßnahmen für die weitere Projektentwicklung rund um Neustadt geprüft“ werden.