Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Smartphone-Hochwasseralarm so spät kam

Land unter hieß es am 17. Mai in Mittelbach.
Land unter hieß es am 17. Mai in Mittelbach.

Ein Hochwassergeschädigter aus Mittelbach berichtet, dass er erst samstags eine Warnung auf seinem Handy erhalten habe – einen Tag nach Beginn des großen Regens.

„Die Handywarnung kam für uns zu spät“, beklagt Walter Krönig aus Mittelbach. Als am 17. Mai das Hochwasser über Zweibrücken hereinbrach, wurde die Bevölkerung zwar mehrfach über die Smartphone-Apps Katwarn und Nina sowie die städtische Zweibrücker Starkregen-App über die drohende Gefahr informiert. „Ich habe diese Apps aber nicht auf dem Handy installiert“, hatte sich Krönig wie einige seiner Nachbarn und Bekannte stattdessen auf das bundesweite Warnsystem Cell Broadcast verlassen. Dieses schlägt im Katastrophenfall automatisch auf dem Smartphone an; eine App muss hierfür nicht eigens installiert werden. Ob die Übertragung von Cell Broadcast funktioniert, wird einmal im Jahr bei einem bundesweiten Warntag mit einem laut schrillenden Alarmton geprobt – zuletzt war dies am 14. März 2024 der Fall.

Am Freitag, 17. Mai, haben Krönig und seine Nachbarn in der Altheimer Straße „nach 13 Uhr begonnen, alles, was möglich war, in Sicherheit zu bringen“. Mit eigenen Pumpen habe er Wasser aus dem Keller befördert. „Feuerwehrleute kamen vorbei und boten uns ihre Hilfe an. Die war zu dem Zeitpunkt aber noch nicht nötig; man warnte uns jedoch vor einem weiteren Anstieg des Pegels“, berichtet der Mittelbacher. „Die Feuerwehr hat uns Sandsäcke per Funk bestellt, doch leider kamen die bei mir nie an. Auch ein Anruf gegen 19 Uhr auf der Nummer 112 hat hier nichts geholfen.“ Ein Nachbar habe hingegen eine Lieferung von Sandsäcken erhalten.

Mit fast einem Tag Verspätung?

Am Ende löste der Cell Broadcast auf Walter Krönigs Handy dann aber doch noch aus – allerdings erst am Samstag, 18. Mai, kurz nach 12 Uhr mittags. Also mit einem knappen Tag Verspätung? Der Mittelbacher fragte bei der deutschen Behörde nach, die den app-unabhängigen Smartphone-Alarm betreut. Vom Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erhielt er die Antwort, dass bestimmte Warnungsthemen wie etwa der Brandschutz Sache der Kommunen seien. Die regionalen und lokalen Behörden warnten auch bei Überschwemmungs- und Hochwassergefahr. Das BBK: „Für welche Warnmittel sich diese entscheiden und zu welchem Zeitpunkt diese eingesetzt werden, liegt in deren Ermessen.“ Wie und für welche Gefahrenarten die Länder und Kommunen die Nina-App oder Cell Broadcast einsetzen, sei „deren eigene Entscheidung. Auch für den Inhalt des Textes sind diese selbst verantwortlich.“ In „eilbedürftigen Fällen löst der Bund die Warnungen unmittelbar aus“, erklärt das Bundesamt weiter.

Die Stadt Zweibrücken, so ihr Sprecher Jens John auf Anfrage, habe beim Hochwasser drei Alarme aktiv ausgelöst. Diese seien über Nina und Katwarn prompt auf den Mobilgeräten aufgeploppt. In der Tat sei „lediglich der dritte Alarm erst am 18. Mai um kurz nach 12 Uhr auch per Cell Broadcast ausgelöst“ worden. Denn diese Katastrophenwarnung komme erst dann zum Einsatz, wenn im konkreten Fall „eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben“ vorliege. Und diese direkte Lebensgefahr habe sich tatsächlich erst am Samstagmittag abgezeichnet: „Zu diesem Zeitpunkt drohte nämlich der Schwarzbach über die Ufer zu treten.“ So komme es, dass die vorher ausgelösten Alarme nicht via Cell Broadcast weitergegeben worden sind. Den Bürgern rät die Stadtverwaltung ausdrücklich, sich auch Warn-Apps wie Katwarn oder Nina aufs Handy zu laden. „Damit man auch bei den Gefahrenkategorien unterhalb von Cell Broadcast stets informiert ist“, so der Rathaussprecher. Auf Nachfrage ergänzt Jens John, dass die kommunale Zweibrücker Starkregen-App nicht etwa von der Stadtverwaltung mit Daten gefüttert werde, sondern von der Leitstelle in Landau, bei der die entsprechenden Wetter- und Regenmessungen ständig einlaufen.

„Meldungen nicht inflationär einsetzen“

Vor dem Stadtrat erinnerte Stadtfeuerwehrinspekteur Frank Theisinger, der Leiter der Zweibrücker Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz, am Mittwochabend daran, dass die Feuerwehr die Bevölkerung am 17. Mai auch mit Durchsagen aus Lautsprecherwagen vor der Hochwassergefahr gewarnt hat. Auch Theisinger erklärte, dass Cell Broadcast wirklich nur bei akuter, unmittelbar drohender Lebensgefahr ausgelöst werde – wie eben am 18. Mai, als sich am Schwarzbach eine besonders kritische Lage abzeichnete. „Man darf solche Meldungen nicht inflationär einsetzen“, sagte der Feuerwehrchef: „Da stumpfen die Leute ab und nehmen die Warnung womöglich nicht mehr richtig ernst.“

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