Offenbach / Herxheim
„Es ist eine Schande“: Ärger über massive Baumfällungen im Offenbacher Wald
Die beiden Hochstadterinnen Ingeborg Rühling und Eva Scheuermann gehen mit ihren Hunden gerne im Offenbacher Wald spazieren. Bevorzugt tun sie das auf einem Waldweg, der sich in unmittelbarer Nähe zur Golfanlage Dreihof befindet. Er ist idyllisch und wird von Bäumen gesäumt, die „im Sommer schön Schatten spenden“. Nun ist alles anders: „Es war immer schön hier, aber jetzt bricht mir der Anblick das Herz“, sagt Ingeborg Rühling.
Der Grund für ihren Missmut ist offensichtlich: Während andernorts um jeden Baum gerungen wird, waren im Offenbacher Wald in den vergangenen zwei bis drei Wochen entlang eines Waldwegs die Motorsägen auf einer Länge von rund zwei Kilometern im großen Stil im Einsatz. „Viele Bäume wurden hier ohne Sinn und Verstand einfach abgesäbelt“, meint Ingeborg Rühling. „Das ist zu massiv und wäre nicht nötig gewesen“, sagt auch ihre Freundin Eva Scheuermann.
„Es ist eine Schande“
Die beiden Frauen schauen auf einen frischen Baumstumpf. Auf der anderen Seite liegen die gefällten Bäume. „Da kann mir keiner erzählen, dass alle diese Bäume nicht mehr gesund oder morsch waren, so sehen die nicht aus“, ist sie sich sicher. „Das kann ich einfach nicht verstehen. Da hätte man viel sensibler vorgehen müssen. Es ist einfach eine Schande.“
Offenbachs Orts- und Verbandsbürgermeister Axel Wassyl teilt auf RHEINPFALZ-Anfrage mit, dass es nach Prüfung des Revierförsters unvermeidlich war, die rund 500 Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit zu entnehmen. Auf der Südseite verlaufe ein viel genutzter Rad- und Spazierweg, auf der Nordseite grenze der intensiv bespielte Golfplatz direkt an, sodass sämtliche schadhaften Bäume aus Sicherheitsgründen leider entfernt werden mussten. „Es wurde allerdings nichts abgesäbelt, sondern durch einen Fachbetrieb entnommen.“ Er sei kürzlich selbst mit dem Fahrrad den Weg entlang gefahren und müsse sich mit der neuen Situation auch erst noch anfreunden, ergänzt der Verwaltungschef. Aber Sicherheit gehe nun mal vor.
Klimawandel fordert Tribut
„Uns gefallen diese Bilder auch nicht, aber es wird künftig leider noch öfter vorkommen“, erklärt der kommissarische Leiter des Forstamts Haardt, Jakob Franz. Viele dieser Bäume seien vitalitätsgeschädigt gewesen oder „mussten präventiv entfernt werden“, da sie spätestens im Sommer abtrocknen und umkippen könnten. Der Klimawandel fordere seinen Tribut – gerade auch im Offenbacher Wald. „Wir haben nicht mehr Bäume gefällt als wir unbedingt mussten.“ Und der Forstamtsleiter stellt klar: „Wir wollen den Menschen den Waldbesuch nicht vermiesen, sondern ihn sicherer gestalten.“
Eine ähnliche Kritik, die den Verantwortlichen eine Verschandelung der Natur vorwirft, wird an anderer Stelle laut. „Was für den kleinen Mann gilt, ist unseren Behörden offenbar völlig egal, oder warum sonst wurden am 12. März sämtliche Hecken entlang der Landesstraße (L543) zwischen Herxheim und Insheim abrasiert?“, fragt Sandra Jäger aus Rülzheim, die sich bei den Grünen im Landkreis Germersheim engagiert, einen sensiblen Blick auf die Natur hat und auch die rechtliche Seite kennt.Die Maßnahme sei ihr zufällig aufgefallen, als sie auf dem Weg zum Tierarzt nach Ilbesheim war.
Hecken dürfen nicht stark geschnitten werden
Laut Bundesnaturschutzgesetz dürfen in Deutschland Hecken, Sträucher, Gehölze sowie Gebüsche und „lebende Zäune“ zwischen dem 1. März und 30. September nicht stark geschnitten oder gar entfernt werden. Dies soll zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar erfolgen – also außerhalb der Vegetationsperiode. Durch die Regelung sollen Vögel und Insekten geschützt werden.
„Die Büsche standen teilweise schon in voller Blüte, hätten zahlreiche Insekten mit Nahrung versorgt, die Brutsaison hat ebenfalls schon begonnen, sodass dem Kahlschlag wohl auch das eine oder andere Nest zum Opfer gefallen ist“, sagt die Südpfälzerin. Wenn der Landesbetrieb Mobilität (LBM) sich schon nicht an die vorgegebenen Zeiten halte, hätte man zumindest einen schonenden Rückschnitt vornehmen können, statt mit schwerem Gerät alles bis auf wenige Zentimeter wegzuschreddern, meint sie. So müsse man sich nicht wundern, „wenn immer mehr Insekten und Vögel verschwinden, die Artenvielfalt immer mehr abnimmt.“
„Lichtraumprofil freihalten“
Und was meint die zuständige Verkehrsbehörde? Bei den Maßnahmen handele es sich um Pflegeschnitte entlang der Straße, teilt Martin Schafft, Dienststellenleiter des LBM Speyer, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Diese Pflegeschnitte seien notwendig geworden, „um das Lichtraumprofil der Straße freizuhalten“ – sie dienten damit der Verkehrssicherheit, damit freie Sicht herrscht. Diese Arbeiten seien auch außerhalb der Winterzeit zulässig. Von einem „Kahlschlag“ könne man nicht sprechen, es seien nur die Äste, die in den Lichtraum der Fahrbahn und des angrenzenden Weges hineinragten, entfernt worden.
Grundsätzlich sei der LBM bestrebt, Gehölzpflegearbeiten in der Winterzeit durchzuführen. Dies sei aber nicht immer möglich, so Schafft. Dieses Jahr sei ein Fahrzeug ausgefallen. Dies habe man nicht kompensieren können. Dadurch hätten sich die Arbeiten verzögert.