Landau
Missbrauchsfall Edenkoben: Prozess geht in Zwangspause
Um die Gesundheit des 62-Jährigen, der seit Anfang des Monats auf der Anklagebank des Landgerichts Landau sitzt, ist es nicht gut bestellt. Er habe Krebs an Prostata und Blase, sagt der Mann aus Neustadt bereits am ersten Verhandlungstag. Bei einem späteren Termin berichtet er, dass der Krebs gestreut habe und auch seine Lunge befallen sei. Und dass er am 18. März operiert werde und dann auch direkt eine Chemotherapie bekomme. Während im Verlauf des Prozesses immer wieder gehörige Zweifel am Wahrheitsgehalt von Aussagen des Angeklagten aufkommen, sind die Angaben zu seinem Gesundheitszustand korrekt. Das bestätigt die Verteidigerin des 62-Jährigen, Rechtsanwältin Gabriele Haas.
„Ich gehe davon aus, dass der Termin eher nicht stattfinden wird“, sagt die Vorsitzende Richterin Claudia Kurtze zum Abschluss des vierten Verhandlungstages am Freitag mit Blick auf den 22. März. Bereits seit mehreren Tagen ist klar, dass die Termine am 19. und 20. März wegen der Krankheit des Angeklagten aufgehoben sind. Wie geht es also weiter mit der juristischen Aufarbeitung des Missbrauchsfalls Edenkoben? Platzt der Prozess etwa komplett?
Drei Wochen Sitzungspause möglich
„Eine Sitzungspause ist grundsätzlich für drei Wochen möglich“, erklärt Robert Schelp, Sprecher des Landgerichts Landau, auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Theoretisch gebe es auch die Möglichkeit, außerhalb des Sitzungssaales zu verhandeln. „Wenn die Sitzungspause zu lange wird, platzt der Prozess.“ Das heißt: Alles würde wieder auf Anfang gesetzt, der Prozess müsste komplett von vorne beginnen.
Daran sei hier niemand interessiert, betont Haas am Freitag im Anschluss an die Verhandlung. Die von Kurtze geäußerten Zweifel daran, dass es in der kommenden Woche überhaupt weitergehen kann, teilt die Verteidigerin allerdings. Sie erklärt, dass man zur Not auch einen sogenannten Sprungtermin machen könne, bei dem zum Beispiel nur etwas verlesen werde. Der Angeklagte müsste dann nur kurz vor Gericht erscheinen und die maximal möglichen drei Wochen Sitzungspause würden wieder von vorne beginnen. Ein Platzen des Prozesses steht also nicht unmittelbar bevor.
Opfer schildert Tathergang sehr genau
Unabhängig davon ist die Hauptverhandlung am Freitag wie geplant fortgesetzt worden. Und zwar mit den Aussagen der Kripo-Beamten, die das Opfer verhört haben. Das Mädchen habe das, was am 11. September passiert ist, sehr plastisch schildern können, erklären sie im Zeugenstand. Sie habe erzählt, dass sie den Mann, der mit seinem Auto an einem Weinberg auf ihrem gewohnten Schulweg gestanden habe, sogar noch gegrüßt habe. Dann habe er sie aber direkt gepackt. Sie hat sich laut ihrer Aussage aktiv dagegen gewehrt, ins Auto des Entführers gedrückt zu werden. Mit den Beinen habe sie sich gegen den Wagen gestemmt und dabei sehr laut um Hilfe geschrien – vergeblich.
Die Fahrt von Edenkoben nach Lindenberg habe sie als sehr laut beschrieben. „Wo bringst du mich hin? Was soll das? Lass mich wieder raus“, habe sie zu ihrem Entführer gesagt, wie die Beamten schildern. „Sie hat unheimlich gute Angaben gemacht“, antwortet einer der beiden Beamten auf die Nachfrage von Richterin Kurtze, wie man so schnell auf die ehemalige Papierfabrik als Tatort gekommen sei. Trotz der Tatsache, dass sie die Augen geschlossen halten musste, habe sie den Weg vom Auto in das Gebäude beschreiben können. Zudem habe ein Zeuge gesehen, wie das Auto des Angeklagten vom Fabrikgelände fuhr.
Aufforderung zu Sprung aus fahrendem Auto
Die Aussagen dazu, was das Mädchen in dem Gebäude erleben musste, werden dann wieder mit Verweis auf den Jugendschutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gerichtssaal besprochen.
„Sie hat erzählt, dass er sie aus dem Haus zurück ans Auto getragen hat und dass sie dabei ein Tuch über den Augen hatte“, fahren die Zeugen mit ihren Erinnerungen an das Gespräch mit dem Mädchen fort. Auf der Verfolgungsjagd bis zur Festnahme auf der B9 am Langenberg habe sie mitbekommen, dass die Polizei das Auto, in dem sie auf der Rückbank lag, verfolgt. Sie habe versucht, der Polizei ein Zeichen zu geben, habe die Hand gehoben. Kurz bevor das Auto wegen eines Motorschadens zum Stehen kam, habe der Entführer zu ihr gesagt, sie müsse aus dem fahrenden Wagen springen, bevor er festgenommen wird. Dazu kam es bekanntermaßen nicht. Stattdessen wurde das Mädchen aus dem Wagen befreit. „Ich glaube, ich bin gerade vergewaltigt worden“, hat sie laut Aussage der Kripo-Beamtin direkt danach gesagt.