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Was es mit der legendären Kneipe „Rheinpfalz“ in München auf sich hat
Nein, er weiß nicht, wo der Name des Gasthauses herkommt und auch sonst kann er überhaupt nicht verstehen, was der neugierige Journalist aus der Pfalz jetzt eigentlich in seinem Lokal will. Hans Karp ist nicht nur der Chef der „Rheinpfalz“, sondern kann auch granteln wie es nur waschechte Bayern können.
1971 hat „Hänsel“ – wie ihn seine Stammgäste nennen – die „Rheinpfalz“ übernommen. 27 Jahre war er damals. Seine Wirtschaft hieß schon vorher so, sagt er. Näheres weiß er nicht und scheint ihn in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht interessiert zu haben.
Früher gab es zwei „Rheinpfalz“
Aus dem Gewerbeteil des Münchner Stadtadressbuchs von 1933 geht hervor, dass es schon damals an der gleichen Adresse, in der Kurfürstenstraße 35, ein Lokal mit diesem Namen gab. Und es war nicht das einzige seiner Art: In der Theresienstraße existierte ein weiteres Gasthaus „Rheinpfalz“. Damals war die heutige Pfalz ein Teil Bayerns und wurde als bayerische Pfalz oder eben Rheinpfalz bezeichnet.
Zurück ins Hier und Jetzt. Hans Karp zieht sich in seine Wohnung überm Gasthaus zurück und lässt den verdutzten Journalisten an der Theke stehen. Zeit, um sich umzuschauen. Die Farben, der Holzboden, das Möbel – alles ist noch so, wie es der Gastwirt vor über 50 Jahren übernommen hat. In gepflegtem Zustand und mit dem sympathischen Flair vergangener Zeiten.
Viele Stammgäste
Bevor Hans Karp geht, sagt er noch: „80 bis 90 Prozent der Gäste sind Stammgäste. Und solche, die es werden wollen.“ Einer der Stammgäste erzählt, dass das Lokal einige der wenigen Kneipen – wenn nicht sogar das einzige Gasthaus – sei, in der das „alte Schwabing“ noch erlebbar sei. Das Stadtviertel im Norden der bayrischen Landeshauptstadt war einst beliebt bei der Bohème und gehört heute zu den Szenevierteln Münchens.
Der Ruf als Künstlerviertel ist allerdings nie ganz verstummt. In dieser Tradition steht die „Rheinpfalz“. Hier verkehren bis heute viele Künstler. Vor allem bei Musikern ist das Gasthaus beliebt. Fast jedes Wochenende gibt es Livemusik und zweimal im Monat eine offene Bühne. Wer mag, kann musizieren, singen oder Gedichte vortragen.
Ein Unikum schaut vorbei
Beim Besuch der RHEINPFALZ in der „Rheinpfalz“ ist zufällig Il Mimo vor Ort. Der Pantomime und Schauspieler kommt regelmäßig vorbei. Mit bürgerlichem Name heißt er Wolfgang Fendt. Er sagt: „Hier schlägt der Puls Schwabings.“ Zur späteren Stunde betritt ein älterer, schmächtiger Herr mit schwarzem Sakko und Zylinder den Raum, setzt sich an die Theke und trinkt ein Glas Wein. Es ist Nick Woodland. Er stand schon mit Musikern wie Westernhagen auf der Bühne und ist in der Münchner Musikszene eine Größe. Er sei ein britisch-münchnerisches Unikum, heißt es. An diesem Abend ist er einfach nur ein Gast, der mit anderen Gästen erzählt.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat die „Rheinpfalz“ einmal als „legendäre Künstlerkneipe“ bezeichnet. Dabei ist die Kultkneipe keinesfalls elitär. Wer Schickimicki will, sollte in München andere Lokalitäten aufsuchen. Hier stehen Schnitzel auf der Speisekarte, aber nicht mit Pommes, sondern mit Bratkartoffeln von Bauern aus der Region. Geklopft werden die Schnitzel von der Köchin aus Kuba, serviert von Bogdan Todorut aus Transsilvanien. An der Theke bedient er nicht nur Musiker und Journalisten, sondern auch Rechtsanwälte und Steuerberater.
Eine Zeitreise
Auf ihren „Hänsel“ lassen sie alle nichts kommen. Vor ein paar Jahren haben sie mit ihm das 50. Jubiläum gefeiert. Fotos zeigen Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer bei der Feier. Er soll gesagt haben, wer die „Rheinpfalz“ betrete, begebe sich auf Zeitreise. An die dreitägige Jubiläumsfeier erinnern sich die Gäste. Sie erzählen zudem, dass Hans Karp nicht nur Soziologie studiert haben soll, sondern selbst ein guter Musiker sei. Hinter der Theke liegt griffbereit seine Trompete.
Vor ein paar Jahren drohte der „Rheinpfalz“ das Aus. Die Hacker-Pschorr-Brauerei wollte den Pachtvertrag nicht mehr verlängern und die Wirtschaft wieder rentabler machen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Nicht zuletzt dank prominenter Fürsprecher konnte das abgewendet werden.
So bleibt die „Rheinpfalz“ in der Münchner Kurfürstenstraße hoffentlich noch lange, was sie war und ist. Ein Panoptikum. Ein wunderbares Stück München. Ein Besuch lohnt sich – auch, wenn Gastwirt Hans Karp immer noch nicht verstehen kann, warum und was ein Journalist aus der Pfalz eigentlich über sein Gasthaus schreiben will.