Godramstein
B10-Baustelle: Wie Autofahrer und Dorfbewohner leiden
Zwischen Landau und Birkweiler auf der B10 zu fahren, ist an sich schon keine schöne Erfahrung. Der Stresspegel der Autofahrer auf diesem Streckenabschnitt ist zumeist hoch. Klar, sie sind von der nimmer enden wollenden Baustelle genervt. Seit ein paar Tagen ist der Frust aber noch größer. Autofahrer berichten von langen Staus, weil sie nicht mehr in Birkweiler auf die B10 auffahren können und sie sich auf der Umleitungsstrecke durch die eng gestrickten Ortsdurchfahrten in Siebeldingen und Godramstein quälen müssen. Das ist zäh – für die Autofahrer und die Anwohner.
Die gute Nachricht: Dominik Schardt vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer teilt mit, dass die Arbeiten an der Erneuerung der Fahrbahn an dieser Stelle der B10, die dieses Szenario auf die Tagesordnung geholt haben, im Zeitplan liegen und voraussichtlich bis zum 3. Juli abgeschlossen werden können. Die schlechte Nachricht: bis dorthin sind es noch ein paar Tage.
Regelung soll Schleichverkehr entgegenwirken
Auf der gesamten Umleitungsstrecke durch die beiden Orte gilt Tempo 30, Parken ist nicht erlaubt – dies war im Vorfeld so abgestimmt worden und hilft natürlich. Dennoch gestaltet sich die Fahrt durch Siebeldingen einfacher. Der Verkehr kann zumeist einigermaßen flüssig fließen. Anders ist es in Godramstein. Gerade im Ortskern, an der Einmündung von der Hauptstraße in die Bahnhofstraße, kommt es häufiger zu kleinen Staus. Ein Grund: Dort ist es eng und es muss langsamer gefahren werden. Und je mehr Verkehr in den Ort strömt, umso länger dauert es.
Darüber hinaus folgen nicht alle Autofahrer der Umleitungsstrecke, sondern fahren einfach geradeaus weiter. Im östlichen Teil Godramsteins wird es dann aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens teils auch richtig eng, da dort viele Autos auf der Straße parken. Dieser Teil des Ortes kann dann schon mal zum Nadelöhr werden. Die Regelung soll aber dem Schleichverkehr entgegenwirken, rechtfertigt der LBM. Hier seien bezüglich der Parkbuchten für den Zeitraum der Umleitung keine Änderungen angedacht.
„Die Leute sind gefrustet“
Was belastend für die Autofahrer ist, ist natürlich auch eine Belastung für die Godramsteiner. Wobei diese auch Verständnis haben, wie Kristina Langbehn sagt. „Die Leute sind gefrustet, sie wollen nach Hause – deswegen fährt hier keiner 30.“ Aber natürlich fahren nicht nur Pkw, sondern auch Lkw durch, es geht um Lautstärke und um Sicherheit. Gerade der Zebrastreifen in der Bahnhofsstraße, auf einem Teil der Umleitungsstrecke, sei bereits zu normalen Zeiten gefährlich. Das liege auch an einem Parkplatz, der Autofahrenden die Sicht nehme. Dieser sei im Zuge der Umleitung gesperrt, was den Übergang aber tatsächlich „ein bisschen besser“ mache.
Langbehn berichtet von einem Kind, das vor der Umleitung auf dem Zebrastreifen angefahren wurde. Die Polizei bestätigt, dass es diesen Unfall am 9. Mai gegeben hat. Das Kind habe den Zebrastreifen überquert, ein Auto sei herangefahren und habe gebremst, berichtet Polizeisprecher Dominic Scheid. Das Kind sei erschrocken und gestürzt, dann habe das Auto das Kind touchiert. Interessant ist ein anderer Sicherheitsaspekt, von dem Scheid berichtet: Die Anzahl der Unfälle sei gleich geblieben. Auch wenn es im ersten Moment so klingt, als habe die Umleitung keine Auswirkungen, sei das nicht ganz korrekt: Denn die Parkboxen fehlen ja, gibt Scheid zu bedenken. Die sonst üblichen Parkrempler sind derzeit nicht in der Statistik, Unfälle passieren also allesamt im fließenden Verkehr.
Und es wird geblitzt
Ebenfalls vor der Umleitung spielt eine andere Begebenheit, von der Langbehn berichtet: Eine Joggerin habe den Zebrastreifen überqueren wollen. Sie habe nach links geschaut und gesehen, dass das ankommende Auto langsamer mache, die Frau habe nach rechts geschaut, währenddessen habe das von links kommende Auto beschleunigt. „Das war knapp“, habe ihre Bekannte berichtet. Eine andere Godramsteinerin sagt, ihr Sohn und ihr Mann seien ebenfalls auf dem Zebrastreifen fast umgenietet worden.
Dass die Stelle gefährlich ist, sieht auch Ortsvorsteher Michael Schreiner so. Schreiner, Hauptberuf Fahrlehrer, hält es für ein Unding, dass ein Kind habe angefahren müssen, bevor etwas passiert. Das Kind sei glücklicherweise nicht ernsthaft verletzt worden, aber es hätte auch schlimmer ausgehen können. Die Stelle sei auch wegen der Häuserzeile für Autofahrer schwer einsehbar, „Es geht um Sekundenbruchteile.“ Immerhin: Sobald die B10-Erweiterung durch sei und die Brücke stehe, könne die Stadt den Radweg verlegen. So werde es dort zumindest mal ein wenig sicherer.
Neben dem Zebrastreifen ist auch die Geschwindigkeit ein Problem. Am Mittwoch hat die Stadt geblitzt. „Zack, zack, zack“, sei es gegangen, die Kontrolle des Tempo-30-Gebots habe sich wohl richtig gelohnt, berichtet die Anwohnerin. Sie habe mehrere Geblitzte gesehen, die gewendet hätten und sich die Situation genau angeschaut hätten. Diese hätten den Blitzer wohl demoliert, wenn das Ordnungsamt nicht dabeigestanden wäre, mutmaßt sie.
„Kinder vor Verkehr“
Der Blitzer war von 16 bis 22 Uhr in Godramstein, berichtet die Verwaltung. Knapp über 3000 Autos seien in beide Fahrtrichtungen durch die Messstelle gefahren, gibt Stadtsprecherin Ricarda Bodenseh zu Protokoll. 163 davon seien zu schnell unterwegs gewesen. Der Spitzenreiter sei im 30er-Bereich 60 Stundenkilometer schnell gewesen.
Am Ortsende Richtung Siebeldingen ist auch die katholische Kita, die nahe zur Hauptstraße in einer kleinen Gasse liegt. Auch vor dieser wird zu schnell gefahren. Die Anwohnerin hat sich deshalb auch an den LBM gewandt. Sie berichtet in einer E-Mail, dass die gesperrten Parkplätze zu Geschwindigkeitsüberschreitungen einladen würden. Was der LBM da tun wolle, fragt sie. „Kinder vor Verkehr – nicht umgekehrt“, heißt es in der Mail. Die Antwort des LBM liegt der RHEINPFALZ vor.
Anwohnerin kündigt Petition an
Man habe sich in Siebeldingen und Godramstein für durchgängiges Tempo 30 und die Anordnung von Parkverboten entschieden, heißt es in dem Schreiben. Ohne diese wäre „durch den erhöhten Verkehr ein Verkehrschaos die unausweichliche Folge gewesen“. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten seien okay, wenn mehr Verkehr fließe, in Randzeiten wie der Nacht seien Geschwindigkeitsübertretungen nicht auszuschließen.
Die Godramsteinerin Langbehn will aber die Probleme im Dorf nun grundsätzlicher angegangen sehen. Sie kündigt an, eine Petition zu starten, mit dem Ziel, dass der für Mobilität zuständige Beigeordnete der Stadt, Lukas Hartmann (Grüne), für mehr Sicherheit im Stadtdorf sorgt. Die Verkehrsführung soll insgesamt geändert werden. Sie kündigt konkrete Vorschläge an.