VG Nordpfälzer Land RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten: Warum die Veranstaltungen reduziert werden

Finden künftig im jährlichen Wechsel statt: die Erlebnisreise Moscheltal – hier im Vorjahr in Finkenbach-Gersweiler – an Pfingst
Finden künftig im jährlichen Wechsel statt: die Erlebnisreise Moscheltal – hier im Vorjahr in Finkenbach-Gersweiler – an Pfingsten ...

Die verschärften Sicherheitsvorschriften sind nicht der einzige Grund: Die VG Nordpfälzer Land wird die unter ihrer Regie organisierten Veranstaltungen reduzieren. In einem Fall wird auf eine Fortführung verzichtet, zwei Events finden künftig im Wechsel statt.

„Wir werden den Veranstaltungskalender in der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land entzerren“: Das hat Bürgermeister Michael Cullmann in der Sitzung des VG-Rates in der Gaugrehweilerer Schlossberghalle mitgeteilt. Von den Änderungen betroffen sind auch Feste, die bislang gut frequentiert worden sind.

Warum gibt es die Reduzierung?
Cullmann nannte drei Ursachen. Erstens die verschärften Sicherheitsvorschriften für Veranstaltungen unter freiem Himmel, die das seit 2021 in Rheinland-Pfalz gültige Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) mit sich bringen und die mit hohem organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden sind. Das POG war in den vergangenen Monaten vor allem in Bezug auf – teils deshalb abgesagte – Fasnachtsumzüge in aller Munde.

Eine Rolle spielen ferner verwaltungsinterne Spargründe: Mit Blick auf den defizitärem Haushalt habe die Kommunalaufsicht der VG keine Vollzeit-Stelle im Tourismus-Bereich genehmigt – womit auch weniger personelle Ressourcen für die zeitaufwändige Planung und Organisation zur Verfügung stehen, so der VG-Chef.

Nicht zuletzt hätten ihn Ortschefs angesprochen, „dass es zunehmend ein Problem wird, Ehrenamtliche zu finden, die diese Veranstaltungen aufrecht erhalten. Das mag nicht überall der Fall sein, aber in manchen Gemeinden schon“, sagte Cullmann.

Gibt es Veranstaltungen, die künftig nicht mehr stattfinden werden?
Bislang eine – das autofreie Moscheltal. Dieses war 2011 von der früheren VG Alsenz-Obermoschel zur Einweihung des Radwegs zwischen Obermoschel und Waldgrehweiler eingeführt worden. In einem Schreiben an alle Ortsgemeinden in der VG betont Cullmann, der Verzicht sei eine „schmerzliche Entscheidung“. Jedoch eigne sich die Veranstaltung wegen „ihrer räumlichen Eingrenzung auf nur rund zwölf Kilometer Strecke leider nicht für eine überregionale Bewerbung“.

Dazu komme das geforderte Sicherheitskonzept aufgrund der genannten gesetzlichen Vorgaben. Der planerische Aufwand stehe „in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Besucheraufkommen“. Zudem finde kurz davor – an Pfingsten – die „Erlebnisreise Moscheltal“ statt. Dies sei „eine große Belastung für die Vereine, ohne deren ehrenamtliche Arbeit beide Veranstaltungen nicht auskommen“.

Bleiben andererseits manche Angebote unverändert bestehen?
Ja. Nach derzeitigem Stand wird es sowohl die vor über zehn Jahren ins Leben gerufene Reihe „Blasmusik, immer sonntags“ mit Platzkonzerten in wechselnden Orten als auch die seit 2019 stattfindenden Fahrten durch die Nordpfalz mit dem Oldtimerbus weiter jedes Jahr geben. Letztere werden von der Initiative „Alte Welt“ veranstaltet, die Verbandsgemeinde beteiligt sich aber an der Organisation. Nicht betroffen von der Neustrukturierung sind ferner die vor zehn Jahren gegründete Aktion „Offene Gartentüren zwischen Rotenfels, Donnersberg und der Alten Welt“ sowie im September das Oldtimertreffen „Stein trifft Classic“ im Sandsteinpark Alsenz, das im Jahr 2011 Premiere gefeiert hatte.

Bleiben die beiden größten Events: die „Erlebnisreise Moscheltal“ und der Familientag im Appelbachtal. Was wird aus ihnen?
Sie sollen künftig im jährlichen Wechsel stattfinden. Die „Erlebnisreise Moscheltal“ geht seit über 20 Jahren an Pfingstsonntag über die Bühne – seit 2004 jeweils in einer zentralen Gemeinde. Den traditionsreichen Familientag im autofreien Appelbachtal – Termin ist üblicherweise am dritten August-Wochenende – gab es bis zu Beginn der Pandemie 27 Mal. Dabei ist die L400 zwischen Würzweiler im Donnersbergkreis und Pfaffen-Schwabenheim – 2018 und 2019 nur noch bis Wöllstein – im Landkreis Bad Kreuznach auf 30 (25) Kilometern Länge autofrei. Entlang der Strecke, auf der lediglich 150 Höhenmeter zu bewältigen sind, warten auf die Besucher zahlreiche kulinarische, kulturelle und unterhaltsame Angebote.

Im Vorjahr ist der „Appeltal-Tag“ – auch, aber nicht nur aus Corona-Gründen – das dritte Mal in Folge abgesagt worden. Wird er nochmal gesondert ein Thema sein?
Ja. Ein Schreiben an alle Beteiligten ist kürzlich verschickt worden. Zudem versicherte Cullmann auf Nachfrage von Jutta Kreis, Mitglied im VG-Rat und Ortsbürgermeisterin von Niederhausen, das nach der Absage im vorigen Sommer versprochene Treffen mit Ortsgemeinden, Vereinen und Gastronomen werde stattfinden, sobald die Rückmeldungen vorliegen – und sofern es denn gewünscht wird.

Als Begründung für den neuerlichen Ausfall hatte die Verwaltung im Juni 2022 mitgeteilt, die organisatorischen Herausforderungen seien „in der durch Corona verkürzten Vorbereitungsphase nicht adäquat zu lösen“ gewesen. In vielen Bereichen fehlten Ehrenamtliche, die wesentlich zum Gelingen beigetragen hätten. Nun soll ein neues Konzept erarbeitet werden.

Mit welcher der beiden Veranstaltung soll 2023 der geplante Zwei-Jahres-Rhythmus starten?
Mit dem „Familientag Appelbachtal“ – falls sich denn genügend Teilnehmer und Helfer finden. Derweil läuft die Suche nach dem Gastgeber der „Erlebnisreise Moscheltal“ für 2024.

Gab es Kritik an den Änderungen?
Jutta Kreis monierte, dass man einerseits Kultur und Tourismus in der Region fördern wolle, sich die VG dafür etwa an der neu gegründeten Initiative „Alte Welt“ beteilige, andererseits aber die eigenen, seit langem bewährten Veranstaltungen „mit Füßen tritt. Ich sehe keinen Sinn darin“.

Cullmann erwiderte, dass solche Events freiwillige Leistungen seien und die VG mit Blick auf den Haushalt nun mal „von der Kreisverwaltung die Fingernägel geschnitten bekommen hat“. Auch die Schulsozialarbeit oder die Nachmittagsbetreuung an Grundschulen seien keine Pflichtaufgaben – es sei daher ein „Abwägungsprozess“, welche Angebote einem wichtiger seien. Die Alternative, fehlendes Geld von den Gemeinden über eine höhere Umlage wieder hereinzuholen, „kann auch nicht unser Ansinnen sein“, so Cullmann. Gleiches gelte für das Alte-Welt-Projekt: „Natürlich hätten wir dort nicht mitmachen müssen und diese Mittel dann in unsere Veranstaltungen stecken können. Aber meiner Ansicht nach sollten wir auch diese Chance nutzen in der Hoffnung, dass etwas Gutes dabei herumkommt.“

... und der Familientag im autofreien Appeltal, üblicherweise auf das dritte August-Wochenende terminiert. Hier eine Aufnahme vo
... und der Familientag im autofreien Appeltal, üblicherweise auf das dritte August-Wochenende terminiert. Hier eine Aufnahme von 2017.
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