Sembach
Großes Polizeiaufgebot nach Tötungsdelikt – Sembacher sind geschockt
Ein durch ein automatisches Notfallsystem eines Wagens ausgelöster Rettungseinsatz hat sich am Donnerstag als Tötungsdelikt erwiesen. Als der Rettungsdienst vor Ort eintraf, fanden die Sanitäter in einem von zwei Unfallwagen eine leblose Frau, teilte die Polizei am Donnerstagvormittag mit. Die 48-Jährige hatte mehrere Schusswunden, Wiederbelebungsversuche durch den Rettungsdienst blieben erfolglos. Bereits kurz darauf, noch vor 9 Uhr, wurde ihr 57-jähriger Ehemann als Tatverdächtiger festgenommen – im zweiten Unfallwagen, einem Mercedes, hatte die Polizei eine Pistole gefunden.
Stunden später sind noch zahlreiche Polizeikräfte in Sembach vor Ort und deutlich mehr Polizisten als Einwohner zu sehen. Bis zum Nachmittag blieben mehrere Straßen am Ortseingang von Sembach abgesperrt. Die Beamten vor Ort äußern sich nicht zu den Geschehnissen, allerdings gibt Bernhard Erfort, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, Auskunft. Er ist ebenfalls zum Tatort gekommen und erklärt, dass die Kollegen der Spurensicherung noch ihrer Arbeit nachgehen. Der vermeintliche Unfallort ist weiträumig abgesperrt, große Sichtschutzwände sind aufgestellt. „Damit sich die Nachbarn das nicht ansehen müssen“, sagt Erfort.
Neben der Polizei ist auch die Feuerwehr vor Ort: „Die Kollegen wurden wohl von dem Unfallsystem gerufen“, erläutert Erfort. Da abgesehen von den Polizeikräften kaum jemand vorm Haus ist, kündigt Erfort an, dass seine Kollegen, je nachdem, was noch an Beweisen und Aussagen gebraucht wird, von Haus zu Haus gehen, um mögliche Zeugen zu befragen. Der Polizeipressesprecher betont: „Zeugenaussagen sind für uns immer sehr wichtig.“
„Wir haben einen Schock“, sagt eine Anwohnerin
Eine Mutter, die gerade auf dem Weg ist, ihren Sohn vom Schulbus abzuholen, stoppt und spricht mit zwei Beamten in der Hauptstraße/Ecke Raiffeisenstraße. Wenig später erzählt sie der RHEINPFALZ, dass sie durch den Rettungshubschrauber aufmerksam geworden ist und sie womöglich Opfer und Täter kennt – genau wie deren gemeinsames Kind: „Wenn es die sind, die ich vermute, dann waren wir schon bei ihnen zu Besuch, die Kinder haben früher oft miteinander gespielt.“ Sie greift sich an die Brust: „Mein Herz. Das tut mir so um das Kind leid.“ Eine Bekannte sei nur wenige Minuten vor der Tat mit ihren Kindern an der eingerichteten Ersatzbushaltestelle gewesen: „Sie sagte mir, dass sie froh war, dass sich das alles nicht ereignet hat, als die Schulkinder dort noch gewartet haben.“ Die Sembacherin zeigt sich sichtlich mitgenommen, auch, weil sie gleich ihrem Kind erklären muss, was passiert ist: „Wir haben einen Schock“, sagt sie, und: „Das hätte ich nie gedacht.“ Natürlich ist die erste Frage des Schulkinds, als es Mutter und Polizeiaufgebot sieht: „Was ist denn hier passiert, Mama?“ Sie will es später in Ruhe erklären.
„Unfassbar“, findet eine Sembacherin
Mit den neuen Informationen konfrontiert, sagt Erfort, dass das Kind der getöteten Frau und des mutmaßlichen Täters derzeit fachlich betreut werde. Ein Kriseninterventionsteam kümmere sich, ebenso sei das Jugendamt involviert.
Eine Straße weiter ist eine Frau gerade von der Arbeit gekommen, hat aber alles schon mitbekommen. „Schlimm, dass sowas bei uns passiert! Selbst wenn da eine Trennung im Raum stand, aber sowas. Unfassbar.“ Dazu will sich Erfort am Mittag noch nicht äußern: „Eine Beziehungstat ist nicht auszuschließen, aber derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen.“
In einer Pressemitteilung erklärt die Polizei am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft, dass die Eheleute getrennt lebten und die Ermittlungen andauern. Unter anderem soll die Leiche der Frau obduziert werden. Auch müsse die Herkunft der Waffe noch geklärt werden. Der mutmaßliche Täter ist in Untersuchungshaft. Zuvor hatte er gegenüber dem Ermittlungsrichter die Tat im Wesentlichen eingeräumt.