Homburg
KSK: „Ich denke, dass man lieber die Leute vor Ort opfert“
Die Nachricht, dass die Kreissparkasse Saarpfalz zehn ihrer Standorte schließen möchte, steht für die allgemeine Bevölkerung seit gut zwei Wochen im Raum. Die RHEINPFALZ sprach zu diesem Thema mit zwei Personen, die vorher schon informiert wurden – von einem Vertreter der Sparkasse. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig, meinen Katrin Lauer (Grüne), Ortsvertrauensfrau in Beeden, und der Jägersburger Ortsvorsteher Jürgen Schäfer (SPD).
Am 22. Dezember wurde er zu einem Treffen gebeten, berichtet Schäfer der RHEINPFALZ. Zwei Tage vor Weihnachten, dann folgten die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren. „Was hätte ich in dieser Zeit denn tun können?“, sagt er auf die Frage, ob er denn nicht schon früher hätte reagieren können, um den Schließungen vielleicht vorzubeugen.
Schließungen wurden von den Vorstandsgremien aller Parteien abgenickt
Auch Katrin Lauer wurde zu einem Gespräch gebeten. Die Schließungen seien nicht mehr aufzuhalten, sei ihr gesagt worden. Die Gründe: Personalmangel, verändertes Kundenverhalten – Stichpunkt: Online-Banking –, und zu hohe Kosten, die die Filialen verursachen würden. Das sagte Pressesprecher Ingo Sonnenschein auch der RHEINPFALZ in einer Stellungnahme, als die Schließungen bekannt wurden. Weder Katrin Lauer noch Jürgen Schäfer hätten bei ihren Gesprächen kurz vor Weihnachten noch die Möglichkeit gehabt, einzulenken, erzählt Lauer.
„Seit einem halben Jahr versuche ich, schon den verkürzten Öffnungszeiten gegenzusteuern“, so Lauer. Gebracht habe das nichts.
Sie findet: Das Kind ist sowieso schon in den Brunnen gefallen. Die Filialschließungen seien Sache des Kreistags. Viele, die im Stadtrat sitzen, seien gleichzeitig auch im Kreistag. „Man muss ganz klar sagen: Es wurde von den Vorstandsgremien von allen Parteien abgenickt.“ Also von ebenden Personen, von denen viele auch im Stadtrat sitzen. Jetzt bräuchte auch keiner mehr überrascht zu tun, sagt Lauer. „Da kann hier keiner seine Hände in Unschuld waschen“, meint die Grünen-Politikerin. Eine weitere Vorstandssitzung muss her, findet sie, um das Thema neu zu diskutieren. Die Grünen hätten laut Lauer noch versucht, die Selbstbedienungsfilialen aufrecht zu erhalten. Ohne Erfolg. Die Sparkasse meint: Diese Terminals seien sehr teuer.
Schäfer: Sparkasse muss abwägen, ob sie „gewinnorientiert oder bürgerfreundlich“ sind
Auch Jürgen Schäfer findet, Vorstandsgremien und Aufsichtsrat „müssen das Ganze überdenken. Denn sie haben für diese Misere gesorgt.“ Man könne „83-jährige Kunden nicht zwingen, einen PC zu kaufen für 600 Euro, wenn ich nur 1200 Euro Rente habe, und dann noch Online-Banking zu machen. Das funktioniert nicht.“ Die Sparkasse müsse abwägen: „Sind wir gewinnorientiert, oder sind wir bürgerfreundlich?“
Aber: Die Sparkasse wolle „individuelle Lösungen finden“, so der Homburger Filialdirektor Mario Klasen. Dazu gehören Bargeld-Bring-Service, Kontoauszugsversandt und eine Geschäftsstelle, bei der Kunden ihre Anliegen telefonisch klären können. Katrin Lauer findet, es wäre sowohl für die Sparkasse als auch für ihre Kunden einfacher, einmal pro Woche die Filiale in den Orten geöffnet zu halten.
Kreisverband der Saar-Grünen: Kreissparkasse muss Alternativen anbieten
Jetzt hat sich der Kreisverband der Saarpfalz-Grünen eingeschaltet. Die Folgen der Schließungen sollten abgemildert werden, schreibt die Vorsitzender Lisa Becker – und alternative Angebote müssten her. Die Kreissparkasse sei nun gefordert, mit den Ortsvorstehern und den Ortsvertrauenspersonen zu sprechen und mit ihnen das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Saarpfalz-Grünen sind der Meinung, dass die Sparkasse zuerst prüfen müsse, an welchen Orten Selbstbedienungs-Terminals infrage kommen.
Das sind kleine Filialen ohne Mitarbeiter, die Kontoauszugsdrucker oder Geldautomat haben. Reine Selbstbedienungs-Filialen also. Für ältere Kunden sei das immerhin eine kleine Entlastung, findet auch Katrin Lauer. Kunden, die nicht mobil sind oder keinen Computer für Online-Banking haben, müssen so zumindest nicht in einen weiter entfernten Nachbarort.
Lauer: Filialschließungen sind für Ältere „Diskriminierung“
Für die Kreis-Grünen wären auch Sparkassen-Busse, die früher schon mal im Einsatz waren, eine Option. Auch Katrin Lauer unterstützt diese Idee. Die Busse würden dann zu festen Zeiten an vorher festgelegte Orte fahren. Die Kunden wissen dann, wann die Busse bei ihnen im Ort sind und können ihre Anliegen dann mit den Mitarbeitern dort persönlich klären. Das Prinzip ist ähnlich wie die Bäcker- oder Metzgerautos, die verschiedene Orte meistens einmal die Woche anfahren.
Katrin Lauer ist der Meinung, die Schließung der zehn Standorte komme für ältere Kunden einer „Diskriminierung“ gleich: Ältere, die nicht mobil sind, könnten nicht einfach in den nächsten Ort fahren, wenn die Filiale in ihrem zuhat. Die Lösung der Sparkasse ist unter anderem das Online-Banking. Lauer findet, damit privilegiere die Sparkasse Online-Kunden.
Aus ihrer Sicht käme die Sparkasse ihrem öffentlichen Auftrag nicht nach. Der besteht laut dem saarländischen Sparkassengesetz darin, eine Versorgung „aller Bevölkerungsschichten und der Wirtschaft, insbesondere des Mittelstandes, mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen“ zu gewährleisten. „Mit ihrer Aufgabenerfüllung dienen die Sparkassen dem Gemeinwohl“, heißt es im zweiten Paragraphen des Sparkassengesetzes.
Gemeinwohl oder Gewinnmaximierung?
Um das Gemeinwohl gehe es der Sparkasse bei den Filialschließungen nicht, findet Lauer. „Das ist für mich eine Sache, die nicht kundenorientiert ist – das ist gewinnoptimierend“, erzählt sie.
Laut Ingo Sonnenschein werden bei der Sparkasse durch die Filialschließungen keine Mitarbeiter entlassen. „Ich denke, dass man dann lieber die Leute hier vor Ort opfert, als erst mal Personal zu opfern“, wagt sich Lauer an eine Vermutung. Sie vermutet, dass zehn Filialen dichtgemacht werden, „ist nur der Auftakt“. Noch weitere Filialen könnten in näher Zukunft geschlossen werden, meint sie.
Sparkasse verkürzte Öffnungszeiten schon vor Monaten
Noch etwas findet sie auffällig: Die Sparkasse habe die Öffnungszeiten Schritt für Schritt verkürzt. „Von fünf- auf dreimal die Woche, dann hatte die Filiale nur noch einmal auf“, sagt Lauer. Das war im Sommer 2022. Daraufhin habe sie die Sparkasse kontaktiert – gebracht habe das allerdings nichts. Sie hätte sich gewünscht, dass die Filiale zumindest einmal in der Woche aufhat. „Das ist ja auch gegen die Dorfverödung“, meint sie. Die „geringsten öffentlichen Erledigungen“ sollte man noch innerhalb des Dorfes machen können.
Pressesprecher Ingo Sonnenschein begründet die Filialschließungen damit, dass immer weniger Kunden die Standorte vor Ort aufsuchen, und dass immer mehr Leute Online-Banking nutzten. Nach Katrin Lauers Eindruck sei die Kundenfrequenz jedoch in Beeden nicht zurückgegangen. „Ich kenne das aus dieser Zeit – da war wirklich immer was los. Man hat in diesem Foyer gewartet, mit mehreren Kunden zusammen.“