Homburg / Saarpfalz-Kreis
Schließung von Sparkassen-Filialen: „Ein Schlag ins Gesicht“
Die Empörung ist groß: Die Kreissparkasse Saarpfalz (KSK) will im Saarpfalz-Kreis zum 1. März sechs Mitarbeiter- und vier Selbstbedienungsfilialen zumachen. Darunter fällt die in Jägersburg. Das Thema kochte in der Ortsratssitzung am Mittwoch hoch.
Kollektives Kopfschütteln bei den Ortsratsmitgliedern, die im Schützenhaus in Websweiler zusammenkamen. In diesem großen Stadtteil sei ein Geldinstitut unerlässlich. Sowohl für die Bürger als auch für die Touristen, die das Naherholungsgebiet am Jägersburger Weiher aufsuchten, hieß es.
Ortsvorsteher wusste schon vorher von den Filialschließungen
Er sei von der Entscheidung der Sparkasse, so viele Filialen schließen zu wollen, komplett überrascht gewesen, sagte Ortsvorsteher Jürgen Schäfer (SPD). Am 22. Dezember habe er in einer Versammlung davon erfahren. Den Vorwurf, dass „wir schon viel früher hätten reagieren sollen“, will er nicht stehenlassen. „Was hätten wir zwei Tage vor Weihnachten noch tun sollen?“.
Für ihn habe festgestanden, das Thema in die nächste Ortsratssitzung zu bringen. Und hier gab er auch die von der Sparkasse genannten Gründe wieder: Die Filialen würden kaum noch aufgesucht, die Zahl der Transaktionen sei gesunken, vor allem in den letzten Jahren. Immer mehr Kunden nutzten inzwischen Online-Banking oder wendeten sich an das Kunden-Service-Center. Es lohne sich für die KSK nicht mehr, vor Ort präsent sein zu sein. Die Gründe erklärte Pressesprecher Ingo Sonnenschein der RHEINPFALZ ausführlich.
Online-Banking keine Alternative für Ältere
Diese Argumente wollten Schäfer und die Ortsratsmitglieder nicht gelten lassen. Dass die Filial-Besuche in jüngster Zeit zurückgegangen sind, hänge „natürlich mit der Corona-Pandemie zusammen“, sagte der Ortsvorsteher. Da hätten die Leute jeglichen Kontakt möglichst vermieden. Und in der Jägersburger Niederlassung sei über Monate die Mitarbeiterin krank gewesen. „Also kein Wunder, dass hier keine Geschäftsvorfälle verzeichnet wurden“, meinte Schäfer süffisant.
Online-Banking – gut und schön. „Aber was sollen denn die älteren Leute machen, die keinen PC haben, die sich vielleicht schwertun, in einem Kunden-Center anzurufen?“, fragte der Ortsvorsteher. Die Sparkasse habe einer 90-jährigen Frau vorgeschlagen, ihre Geschäfte künftig online zu erledigen. Joachim Klein, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Jägersburg, der unter den Zuschauern saß, ergänzte in ironischem Tonfall, dass sich ja Senioren im Online-Banking von der Sparkasse schulen lassen könnten. Wie er brach die Ortsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Gerlinde Emich, eine Lanze für ihre Klientel.
Ohne Auto kann man nicht zur nächsten Filiale
Klar, die Leute könnten nach Homburg oder Bexbach fahren. „Aber was ist mit denen, die kein Auto haben, nicht den Bus nutzen können, weil sie gehbehindert sind? Die kommen nicht so einfach in die Stadt“, sagte Schäfer.
Doch nicht nur die Senioren seien vom Vorhaben der KSK betroffen, ergänzte ein Ortsratsmitglied. Ihre beiden Töchter hätten eine App der Sparkasse auf ihr Handy geladen. Zur Bearbeitung wurde die eine zu der Filiale in der Uniklinik geschickt, die andere zu der nach Beeden. „So einfach ist nämlich alles nicht.“
Ortsvorsteher glaubt nicht, „dass wir hier vor Ort viel erreichen können“
Trotz des starken Unmuts glaubt der Ortsvorsteher nicht, „dass wir hier vor Ort viel erreichen können“. Der Stadtrat und der Kreistag müssten sich der Angelegenheit annehmen. Dort säßen Mitglieder des Aufsichts- und Verwaltungsrats der KSK, die diesen Beschluss gefasst hätten. So richtet sich auch der Antrag der CDU-Fraktion – unterstützt von den anderen Fraktionen – an die beiden Gremien, sich nochmals mit der Angelegenheit zu befassen: „Der Ortsrat von Jägersburg, Altbreitenfelderhof und Websweiler missbilligt die Entscheidung der Sparkasse des Saarpfalz-Kreises, also die aller Bürger, ihre Jägersburger Niederlassung zu schließen“, heißt es in der Vorlage.
Sie entziehe nicht mobilen oder mit der Digitalisierung nicht vertrauten Bürgern die Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte fußläufig vor Ort zu tätigen, heißt es in der Vorlage. Der Ortsrat fordert die Saarpfalz-Kreissparkasse auf zu prüfen, ob nicht in einem Geschäft in Jägersburg wenigstens ein Geld- und Überweisungsautomat mit Kontoauszugsdrucker aufgestellt werden könnte. Außerdem wird die KSK gebeten, einen Verantwortlichen zur nächsten Ortsratssitzung zu schicken, um die Gründe für die Schließung genauer zu erläutern und Alternativen für die Kunden darzustellen.
Zur Not gibt es eine Bürgerversammlung
Sollte sich die KSK nicht bewegen, will Jürgen Schäfer eine Bürgerversammlung einberufen. Dazu würde er einen Vertreter der Kreissparkasse Kusel einladen. Denn „die nächste Filiale in Waldmohr ist nur 800 Meter entfernt. Da können die Jägersburger ebenfalls ihre Bankgeschäfte tätigen“. Vielleicht würde sich die KSK Saarpfalz Gedanken machen, wenn sie etwa 1000 Kunden verlieren würde.
Die Sparkasse gehöre zur Daseinsvorsorge, sagte Stadtratsmitglied Barbara Spaniol (Die Linke) gegenüber der RHEINPFALZ. Sie appelliert an die KSK, zum einen einen empirischen Nachweis für ihren Entschluss zu erbringen, zum anderen Ersatzleistungen wie einen Servicebus anzubieten. „Man darf älteren Menschen nicht ’ihre’ Sparkasse im Ort wegnehmen. Sparkassen sind öffentlich-rechtlich, dem Gemeinwohl verpflichtet und gehören damit zur Daseinsvorsorge.“ Auch die Kreissparkasse habe eine „besondere gesellschaftliche Verantwortung“, der sie nachkommen müsse. „Eine Ausdünnung des Filialnetzes zu Lasten älterer Sparkassenkunden ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen und die völlig falsche Antwort“, erklärte Spaniol.
Spaniol: „Das ist für uns nicht hinnehmbar
„Die weiten Wege zur nächsten Filiale kosten Geld und belasten das Budget – und all das ausgerechnet in Zeiten von explodierenden Energiepreisen und Inflation. Das ist für uns nicht hinnehmbar, ebenso wenig wie die Schließung von allein fünf Standorten in Homburg“, meinte die Vorsitzende der Linken Saarpfalz.
Die stellvertretende Kreisvorsitzende, Kreistagsabgeordnete und Ortsratsmitglied in Jägersburg, Ute Cordes, schrieb dazu in einer Pressemitteilung: „Auch Jägersburg ist als aufstrebender Stadtteil mit einer funktionierenden Infrastruktur, mit Leben im Ort, betroffen. Das ist den Leuten nicht vermittelbar. Hier ist auch der Verwaltungsrat mit Kreistagsmitgliedern zum Handeln in der Pflicht.“