Annweiler / Berlin
Pfälzer Schülerinnen retten Hund und Herrchen aus Spree
Besuch des Bundestags, Abstecher an die Berliner Mauer, stille Momente im Jüdischen Museum und in der Gedenkstätte des Stasi-Gefängnisses: Die 63 Schüler und sechs Lehrer des Evangelischen Trifelsgymnasiums haben fünf lehrreiche Tage in der Bundeshauptstadt verbracht. Aber für gemütliche Abwechslung am Abend war bei der Studienfahrt der eigentlich Zehntklässler – die wegen Corona erst in der zwölften Klassenstufe stattfinden konnte – auch noch genug Zeit, versichert Charlotte Haßler.
Gleich am ersten Abend der Reise ist sie mit rund 15 anderen Schülern am Ufer der Spree unterwegs. Zwischen der Moltkebrücke und der Gustav-Heinemann-Brücke gibt es eine schöne Stelle, an der oft viele Jugendliche sitzen. „Wir hatten eine Musikbox dabei und wollten dort den Sonnenuntergang genießen“, erzählt die 17-Jährige. Doch dann passieren dramatische Szenen. Die Gruppe sieht einen Mann, der mit seinem Hund am Fluss entlang läuft, als der Hund plötzlich ins Wasser fällt. „Der Mann hat versucht, ihn an der Leine hochzuziehen. Aber das ging nicht, und da ist er selbst hinterher gesprungen.“
Nicht ohne meinen Hund
Zwei, drei Meter in die Tiefe muss es an der Stelle gegangen sein, überschlägt sie, die mit ein paar anderen Schülern sofort hinrennt, um zu helfen. Denn über die glatte Kaimauer schaffen es der Labrador und sein um die 65 Jahre altes Herrchen nicht zurück an Land. Glücklicherweise ist an der Stelle eine Leiter, an der sich beide versuchen festzuklammern. „Dem Mann war kalt, er war aufgewühlt und verwirrt. Aber er wollte nicht ohne seinen Hund rauskommen“, beschreibt die 17-Jährige den nervenaufreibenden Moment. Aber die Schülerinnen bleiben besonnen. Charlotte Haßler und Annika Müller halten den Hund an seiner Leine fest, damit das hilflose Tier nicht vom Fluss mitgerissen wird. Dem Mann reden Nils Kupper, Tim Oberländer und Anna Zimmermann gut zu und beruhigen ihn. Währenddessen wählen Karolin Hornberger und Johanna Eitel den Notruf, und Milan Dreisigacker und Felix Klein nehmen die Polizei in Empfang. „Bis die Rettungskräfte eingetroffen sind, waren die zwei bestimmt schon eine halbe Stunde im Wasser. Beide haben gezittert“, erinnert sich die Annweilerin.
Die Feuerwehr lässt eine Leiter ins Wasser, über die ein Wehrmann in die Spree hinabsteigt und den Hund aus dem Wasser rettet. Danach klettert auch sein Herrchen auf die Kaimauer. Beide sind wieder in Sicherheit. Unterkühlt, aber sonst wohlbehalten sind die dramatischen Minuten überstanden. 28 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sind für den Einsatz angerückt, die sich ausdrücklich bei den Schülern aus Annweiler bedanken. In den Medien der Hauptstadt beschreibt der Einsatzleiter der Feuerwehr das couragierte Eingreifen der Schüler als „mehr als vorbildlich“. Auch der Hundebesitzer bedankt sich bei den Schülern, hat aber selbst noch mit der Situation zu kämpfen.
„Heldentat in Berlin“
„Wir waren einfach froh, dass wir helfen konnten. Das war noch mal Glück im Unglück“, resümiert Charlotte Haßler. Erst mitten in der Nacht kommt die Gruppe ins Hotel zurück, viele ihre Mitschüler schlafen da schon. Aber als sie am Frühstückstisch in die Zeitung gucken und die Nachricht über ihre „Heldentat in Berlin“ – wie etwa RTL News titelt – lesen, wollen es dann natürlich alle ganz genau wissen. Am Montag ist die Studienfahrtgruppe in die Südpfalz zurückgekehrt, aber die Hunderettung wird bestimmt noch im Gedächtnis bleiben.