Chemieindustrie
BASF: Der große Strom-Test am Herzstück der Produktion
Die BASF kündigte am Montag den Baubeginn der weltweit ersten großtechnischen Demonstrationsanlage für elektrisch beheizte Steamcracker-Öfen am BASF-Verbundstandort in Ludwigshafen an. Diese grundlegend neue Technologie nutze Strom aus erneuerbaren Energien. Damit könnten die CO2-Emissionen solcher Anlagen um mindestens 90 Prozent reduziert werden, so der Chemiekonzern. Laut früheren Angaben war geplant, die Demonstrationsanlage 2023 in Betrieb zu nehmen. Und ab 2025 sollten elektrisch beheizte Steamcracker-Öfen dann für den Markt zur Verfügung stehen. Die BASF entwickelt die neue Technologie seit 2018. Bei der Demonstrationsanlage kooperiert das Unternehmen mit dem saudischen Chemiekonzern Sabic und dem deutschen Gasespezalisten und Anlagenbauer Linde.
BASF-Chef Martin Brudermüller hatte die Entwicklung der E-Öfen für Steamcracker als Technologiesprung und Meilenstein bezeichnet – nicht nur für den Ludwigshafener Chemiekonzern, sondern für die gesamte Branche auf ihrem Weg zu einer emissionsarmen Chemieindustrie. Die BASF will bis 2050 klimaneutral werden. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen gegenüber 2018 um 25 Prozent sinken.
Herzstück der Produktion
Steamcracker betreibt die BASF an vier Standorten weltweit. Sie sind das Herzstück der Produktion. Darin wird bei Temperaturen von 850 Grad Celsius der Rohstoff Naphtha (Rohbenzin) zusammen mit Wasserdampf in Grundstoffe für die weitere Produktion gespalten, das sind vor allem Ethylen und Propylen. Der Steamcracker II etwa ist die größte einzelne Anlage am Standort Ludwigshafen der BASF. Sie nimmt eine Fläche von rund 64.000 Quadratmetern ein – das entspricht 13 Fußballfeldern.
Anfang 2019 sah sich die BASF noch vor einer Reihe von Herausforderungen bei der Entwicklung solcher E-Öfen für Steamcracker. Die dafür nötige elektrische Widerstandsheizung müsse mit hohen Stromstärken und geringer Spannung arbeiten, hatte damals die BASF-Projektleiterin für saubere Hochtemperatur-Prozesse, Kiara Kochendörfer, gesagt. Die BASF habe bei der Entwicklung unbekanntes technisches Terrain betreten. Jetzt ist der Chemiekonzern offensichtlich einen deutlichen Schritt weiter. Am Mittwoch ist eine Feier zum Baubeginn der Demonstrationsanlage angekündigt.
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