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BASF-Chef: Zuversicht fürs Stammwerk
Die kurz- und mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung sei zwar unsicherer und undurchsichtiger geworden, sagte der BASF-Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller, der am Mittwoch detailliert Halbjahreszahlen präsentierte. Das sei dem anhaltenden Krieg in der Ukraine und den Risiken bei der Erdgasversorgung in Europa geschuldet. Dennoch äußerte er sich zuversichtlicher als bisher nicht nur für das Stammwerk in Ludwigshafen, sondern auch für die weitere geschäftliche Entwicklung des Chemiekonzerns in diesem Jahr.
Derzeit würden alle europäischen Standorte der BASF bedarfsgerecht mit Erdgas beliefert, sagte Brudermüller. Der Chemiekonzern benötigt sehr große Mengen Gas als Rohstoff und als Energieträger für die eigene Produktion. Die Bundesregierung hatte am 23. Juni wegen der erheblich eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland die Alarmstufe aktiviert, die zweite von drei Eskalationsstufen des Notfallplans Gas. Auf der folgenden Notfallstufe würde die Bundesnetzagentur massiv in den Gasmarkt und die Gasverteilung eingreifen. Dabei werden bestimmte Gasverbraucher besonders geschützt, etwa Privathaushalte, Krankenhäuser oder Gaskraftwerke, die Strom und Wärme produzieren.
„Systemrelevant“
Zu den besonders geschützten Gasverbrauchern gehören nach den Worten Brudermüllers auch Industrieunternehmen, deren Produkte von herausgehobener gesellschaftlicher Bedeutung sind. Er gehe davon aus, dass große Teile der Chemieindustrie hier systemrelevant seien. Sollte die Bundesregierung die Notfallstufe Gas ausrufen, rechne der Chemiekonzern derzeit damit, dass die BASF noch ausreichend Erdgas erhalten werde, um den Betrieb am Standort Ludwigshafen mit reduzierter Last aufrechtzuerhalten, sagte Brudermüller. In früheren Aussagen hatte er davor gewarnt, dass der Produktionsverbund im Stammwerk komplett heruntergefahren werden müsse, wenn die Gasversorgung dort deutlich und dauerhaft unter 50 Prozent des maximalen Bedarfs abfalle. Auf Nachfrage, wie hoch er das Risiko derzeit einschätze, dass das Stammwerk heruntergefahren werden müsse, wenn Russland gar kein Gas mehr liefert, sagte Brudermüller: Niemand könne garantieren, dass es in diesem Extremfall zu keiner Abstellung komme. Aber er gehe davon aus, dass die BASF-Mannschaft es schaffe, den Produktionsstopp zu verhindern. Die Mitarbeiter seien immer klasse, aber ganz besonders in schweren Zeiten.
Höhere Preise
Brudermüller erläuterte einige Maßnahmen, mit denen die BASF die Risiken eines Erdgasengpasses mindert. Soweit technisch möglich werde Erdgas ersetzt – etwa durch Heizöl. Anlagen und Produktion würden optimiert. Dort wo besonders viel Erdgas benötigt werde, wie etwa in Ammoniakanlagen, würde die Produktion reduziert. Ammoniak könne – im Gegensatz zu anderen Grundstoffen – auch extern beschafft werden.
Die BASF bezifferte die Mehrkosten ihrer europäischen Standorte durch die sehr hohen Gaspreise auf 800 Millionen Euro im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal. Um diese höheren Kosten abzufedern, habe die BASF Preise erhöht und sie werden das auch weiterhin tun, erläuterte Brudermüller. Im Markt seien diese Preiserhöhungen erfolgreich durchgesetzt worden. Dies sei maßgebliche Ursache für den kräftigen Umsatzanstieg im zweiten Quartal gewesen, erläuterte BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 23 Milliarden Euro. Damit konnte das Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen nicht mithalten, das mit einem Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal auf der Stelle trat. Das Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen sprang dagegen um 26 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das lag laut Engel vor allem daran, dass die Beteiligung am Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea der BASF 446 Millionen Euro in die Kasse spülte.
Beschäftigung stabil
Die Geschäftsentwicklung der BASF im ersten Halbjahr war so gut, dass der Ludwigshafener Chemiekonzern seine Vorhersage für das gesamte Geschäftsjahr teils deutlich nach oben korrigierte. Die BASF geht nun für 2022 von einem Umsatzwachstum auf einen Wert zwischen 86 Milliarden und 89 Milliarden Euro aus (bisherige Prognose: 74 Mrd bis 77 Mrd Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen soll zwischen 6,8 Milliarden und 7,2 Milliarden Euro (6,6 Mrd und 7,2 Mrd Euro) liegen, wobei Brudermüller sagte, er sei zuversichtlich, dass der obere Wert erreicht werden könne.
Der Chemiekonzern zählte an seinem Standort Ludwigshafen Ende Juni dieses Jahres nach eigenen Angaben 38.440 Mitarbeiter, das sind zwar 446 weniger als Mitte 2021, jedoch 69 mehr als Ende 2021. In ihrem Stammwerk verzeichnete die BASF Ende Juni 34.182 Beschäftigte, 127 mehr als vor einem Jahr, aber 223 weniger als Ende 2021. Dem BASF-Standort Ludwigshafen werden neben dem Stammwerk weitere Gruppengesellschaften in der Region zugerechnet.
BASF-Chef Martin Brudermüller hatte im Oktober 2021 geäußert, dass der Personalstand am Standort Ludwigshafen künftig eher konstant bleiben wird. Am Mittwoch sagte Brudermüller, es gebe keinen Einstellungsstopp, aber das Unternehmen werde bei jeder Einstellung dreimal hinschauen.
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