Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Peta zeigt Landauer Zoo wegen Schimpansenhaltung an

Schimpanse im Landauer Zoo beim Faulenzen.
Schimpanse im Landauer Zoo beim Faulenzen.

Die Tierrechtsorganisation Peta hat Anzeige gegen den Landauer Zoo wegen dessen Schimpansenhaltung erstattet. Zoodirektor Jens-Ove Heckel sagt, Verbesserungen am Innengehege seien bereits geplant. Andere Faktoren hält er für wichtiger als Gehegegrößen.

„Ach, sind wir jetzt auch an der Reihe? Das war zu erwarten“, sagt Landaus Zoodirektor Jens-Ove Heckel, als ihn die RHEINPFALZ-Redaktion auf einer Autofahrt erreicht, um ihn mit den Vorwürfen von Peta zu konfrontieren. Peta steht für People for the Ethical Treatment of Animals, also Menschen für eine ethisch verantwortbare Behandlung von Tieren. Die Tierrechtsorganisation hat am Dienstag mitgeteilt, dass sie im April Anzeige gegen Verantwortliche des Landauer Zoos erstattet habe, weil dort „drei Schimpansen in einem Innengehege ausharren“ müssten, „das mit etwa 80 Quadratmetern die Vorgaben um 60 Prozent unterschreitet“. Die Staatsanwaltschaft Landau hat den Eingang der Anzeige bestätigt und Ermittlungen angekündigt.

Doch „ausharren“ ist nach Heckels Darstellung schon der falsche Begriff: Die drei Landauer Schimpansen, eine Art Senioren-WG, hätten die freie Wahl zwischen dem von Peta beanstandeten Affenhaus und ihrem Außengehege. Das Innengehege bleibe hinter der im Säugetiergutachten formulierten Größenordnung zurück, das auf Veranlassung des Bundeslandwirtschaftsministeriums erarbeitet worden sei. Auf dieses Papier von 2014 beruft sich Peta. Doch laut Heckel handelt es sich dabei um Richtlinien, keine absoluten Vorgaben. Er nennt 200 Quadratmeter Innen- und 200 Quadratmeter Außengehege als Empfehlung in diesem Gutachten – also insgesamt 400 Quadratmeter. In Summe überschreitet der Landauer Zoo diese Vorgaben: das Innengehege sei 82 Quadratmeter groß, das Außengehege 320, berichtet Heckel.

„Können nicht viel falsch gemacht haben“

Eine Vergrößerung stehe bereits auf der Projektliste von Zoo und Freundeskreis. Es gebe bereits erste Überlegungen zur Verbesserung. Doch die Gehegegrößen seien auch nur ein Aspekt unter vielen. Heckel ist davon überzeugt, dass es in Landau eine schimpansenfreundliche Haltung der Tiere gebe mit nahezu ganztägig freier Wahl des Aufenthaltsorts und mit täglichen Beschäftigungsangeboten. Nicht ohne Grund seien die Landauer Schimpansen, „toi toi toi“, sehr gesund. Um sie müssten sich die Zootierärzte die wenigsten Gedanken machen, auch die sonst nicht seltenen Atemwegserkrankungen seien kein Thema.

Ob es in Landau überhaupt noch Schimpansen geben sollte, sei vor ein paar Jahren diskutiert worden, berichtet Heckel, als die Schimpansen Susi mit fast 60 Jahren und Fips mit 54 Jahren gestorben seien, in einem für diese Tiere ungewöhnlich hohen Alter. „Wir können da nicht so viel falsch gemacht haben“, so der Direktor. Damals habe zur Debatte gestanden, Susis Tochter Gabi wegzugeben oder ihr wieder Gesellschaft zu verschaffen. Unter fachkundiger Beratung eines Schimpansenexperten sei die Entscheidung gefallen, Bägges und Cindy aus dem Schwabenpark nach Landau zu holen und ihnen hier eine „Pensionsunterbringung“ zu ermöglichen.

Peta: Ein Verbrechen

Heckel betont, dass sich die Zootierhaltung immer an neue Erkenntnisse anpasse und diese auch umgesetzt würden. „Der Zoo ist eigentlich immer eine Baustelle“, sagt er, „wir sind immer dran, möglichst ideale Haltungsbedingungen herzustellen.“ Denn der Zoo würde seine Aufgabe schlecht erfüllen, wenn die Menschen mit dem Gefühl des Mitleids mit den Tieren nach Hause gingen. Ziel müsse sein, Akzeptanz für die Arbeit des Zoos zu erzeugen, unter denen der Artenschutz und Erhaltungszüchtungen eine besondere Rolle spielten. Gerade in diesem Feld engagiere sich der Landauer Zoo weit über das Maß hinaus, das man von einer Einrichtung dieser Größe erwarten könne.

Peta appelliert auch an die Politik, die Gefangenhaltung von Menschenaffen in Zoos gänzlich zu beenden. „Unsere nächsten Verwandten werden jedoch noch immer in Zoos zur Schau gestellt“, schreibt die Organisation und nennt als Grund dafür „Speziesismus“, die Annahme, der Mensch sei Lebewesen anderer Spezies überlegen und hätte das Recht, sie auszubeuten. Es sei ein Verbrechen, Menschenaffen aus vorgeschobenen Artenschutzgründen – tatsächlich aber zur Belustigung des Zoopublikums – einzusperren, so Biologin Yvonne Würz, Petas „Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie“. Eine artgerechte Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft sei unmöglich. Die Bedürfnisse von Menschenaffen seien so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten könne. Für sie sei es psychisch extrem belastend, lebenslänglich eingesperrt zu sein.

PR für Spendengelder?

Neben dem Landauer Zoo hat Peta nach eigenen Angaben auch Zoos und Tierparks mit Menschenaffenhaltung in Augsburg, Berlin, Dresden, Duisburg, Halle, Krefeld, Stralsund, Gettorf (Schleswig-Holstein) und Schwaigern (Baden-Württemberg) angezeigt. Heckel bezeichnet dies als Versuch des Peta-Selbstmarketings: Der Organisation komme es nicht auf den Dialog an, sondern darauf, auf sich aufmerksam zu machen, um Spenden zu generieren.

Ähnlich sieht das Volker Hormes, der Geschäftsführer des Verbands zoologischer Gärten: „Auffallend war erneut, dass die Journalisten eher von den Anzeigen wussten, als wir Zoos selbst. Geht es vielleicht gar nicht um die Tiere, sondern vielmehr um die Aufmerksamkeit in den Medien?“

Korrekturhinweis

In der vorigen Fassung waren die Gehegegrößen falsch angegeben. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

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