Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Bald wärmeres Wasser im Queichtalbad?

Zwischen 22 und 26 Grad warm war bislang das Wasser im Offenbacher Queichtalbad. Vereinzelten Besuchern war das zu kalt.
Zwischen 22 und 26 Grad warm war bislang das Wasser im Offenbacher Queichtalbad. Vereinzelten Besuchern war das zu kalt.

Es sind noch einige Wochen hin, bis wieder im Freien geplanscht wird. In Offenbach wird derweil daran gearbeitet, wie das Queichtalbad energieautark betrieben werden kann. Auch anderswo in der Südpfalz wurde umgestellt.

Zwischen 22 und 26 Grad – so warm ist das Wasser in den Becken des Offenbacher Queichtalbades bei sonnigem Wetter im Sommer, wie Mike Bourquin von der Verbandsgemeinde-Verwaltung informiert. Die genannten Temperaturen entsprechen den Werten, die die Deutsche Gesellschaft für Badewesen bundesweit für alle Freibäder vorgibt. Wobei es, je nach Wetterlage, zu Abweichungen nach unten oder oben kommen kann. Nun gab es in der vergangenen Badesaison in Offenbach vereinzelte Beschwerden. Fünf, um genau zu sein. Wohlgemerkt von rund 83.000 Badegästen, die laut VG-Verwaltung im vergangenen Jahr gezählt wurden.

Die Betroffenen wünschten eine Wassertemperatur von 28 Grad. Umgekehrt kann sich darüber beklagt werden, dass das Wasser im Freibad zu warm ist. So wurde in Offenbach auch darauf reagiert. Die Wärmeschutzfolie, die dazu dient, dass das Wasser auch in den Nächten nicht zu stark abkühlt und für eine Energieeinsparung sorgt, wurde dort teilweise weggelassen. Hinzu kommt die Tatsache, dass an diversen Stellen in den Becken unterschiedliche Temperaturen gemessen wurden. Wobei dies mit der unterschiedlichen Sonnenstrahlung zusammenhängt.

Wärmetauscher nicht dauerhaft nutzbar

Im Hintergrund arbeiten die Verantwortlichen an der Technik, damit die Wärme in den verschiedenen Becken optimal reguliert werden kann. Und damit ein energieautarker Betrieb möglich ist. Wie Verbandsbürgermeister Axel Wassyl (parteilos) auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt, wurde das Wasser in den Becken im vergangenen Jahr ausschließlich über die Solarabsorberanlage auf den Dächern der Queichtalhalle sowie des Umkleidegebäudes beheizt. Der Wärmetauscher, mit dessen Hilfe die gewonnene Energie effektiv genutzt werden kann, konnte nicht betrieben werden. Diese Vorrichtung soll nun wieder vorübergehend genutzt werden, allerdings stark eingeschränkt. Ab dem kommenden Jahr ist es nicht mehr zulässig, das Trinkwasser zu nutzen, dem für den Zweck der Beheizung Wärme entzogen wird.

Das neue Konzept zur Erwärmung des Beckenwassers sowie der Beheizung der Gebäude auf dem Gelände des Queichtalbades sieht den Anschluss an das kalte Nahwärmenetz vor, das im gesamten Bereich des Queichtalzentrums verlegt wird. Ein kaltes Nahwärmenetz wird mit geringeren Temperaturen betrieben und kommt ohne Heizzentrale aus. Nötig sind nur eine Technikzentrale und Wärmepumpen. Als Wärmequelle dient das Wasser aus Brunnen im Bereich des Queichtalstadions, das man in Röhren zirkulieren lässt. Das Energieversorgungssystem sei völlig autark, man sei unabhängig von fossilen Energieträgern und somit von Preisentwicklungen auf dem Markt, versichert Wassyl. Kalte Nahwärme habe zudem den Vorteil, dass die Temperaturverluste gering sind und das Netz nicht gedämmt werden muss. Die Zeiten seien vorbei, in denen das Wasser für das Queichtalbad über längere Zeiträume vorgeheizt wurde. Eine energie- und kostenintensive Maßnahme, die der Vergangenheit angehört.

Das neue Heizkonzept soll ab der übernächsten Badesaison gelten. Etwa drei Millionen Euro soll in dieses klimaschonende Projekt investiert werden. Die Kosten übernimmt der Energieversorger „Queichtal Energie Offenbach“. Wassyl erwartet allerdings Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent für die Planung und 40 Prozent für den Bau der Anlage.

Wie wird in anderen Bädern beheizt?

Was die Wassertemperatur angeht, hat jeder Mensch seine eigenen Vorlieben. Wie Schwimmmeister berichten, mögen es Wettkampfschwimmer oder engagierter Hobbykrauler, die ihre Bahnen ziehen, nicht ganz so warm. Gerade Eltern, die mit ihren Kindern im Freibad schwimmen und planschen wollen, wünschten sich hingegen wärmeres Wasser. Es hat sich jedoch generell herausgestellt, dass in der Regel eine Wassertemperatur zwischen 25 und 27 Grad als angenehm empfunden wird und zudem die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht. In den Wettkampfbecken von Schwimmbädern herrschen meist 27 Grad. Die Luft sollte stets ein wenig wärmer sein als das Wasser. Was optimal ist, hängt aber auch davon ab, wie aktiv man ist. Wer nur im Becken sitzt, dem kommt das Wasser kühler vor als einem Schwimmer oder tobenden Kindern. Wie aber bekommen andere Freibäder das Wasser in den Becken auf die richtige Temperatur?

Im Waldfreibad Herxheim macht man sich die Technik eines Blockheizkraftwerkes zunutze, erklärte Schwimmmeister Steffen Wetzel. Das Wasser in den Becken wird mit der vom Kraftwerk erzeugten Energie über dessen Abwärme auf die gewünschte Temperatur gebracht. Der ansonsten benötigte Strom wird ebenfalls durch das Kraftwerk erzeugt. Er dient unter anderem zum Betrieb der Wasserpumpen, der Beleuchtung in den Umkleidekabinen und den Büroräumen sowie der Versorgung der Steckdosen.

Energieautarker Betrieb seit 2010

Was die technischen Voraussetzungen angeht, ist das Freibad Edesheim auf der Höhe der Zeit. Die Anlage wurde bereits 2010 saniert, seitdem herrscht ein energieautarker Betrieb, bei dem größtenteils auf moderne Solarenergie gesetzt wird. So wurden auf den Dächern der Gebäuden Solaranlagen installiert. Das Wasser in den Becken wird ausschließlich über diese gewonnene Energie erwärmt, das sonstige Brauchwasser über ebenfalls solarbetriebene Hochleistungszellen. Es wurden zudem Schläuche mit rund drei Zentimetern Durchmesser verlegt, durch die das Wasser läuft und in diesen erwärmt wird. Unmittelbar nach der Chlorung wird das Wasser dann in die Becken geleitet. „Gerade vor der aktuellen weltpolitischen Situation haben wir hier in Edesheim ein absolut zukunftsträchtiges Konzept“, sagt Schwimmmeister Felix Kress, der zusammen mit Timo Graf für das Edesheimer Bad verantwortlich ist.

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