Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Was der Corona-Ausbruch im Seniorenpark für Bewohner und Mitarbeiter bedeutet

So viel Normalität wie möglich will das Seniorenpark-Team den Bewohnern trotz Corona ermöglichen. Dazu gehören auch Aufenthalte
So viel Normalität wie möglich will das Seniorenpark-Team den Bewohnern trotz Corona ermöglichen. Dazu gehören auch Aufenthalte im Freien, wenn das Wetter schön ist.

Mehr als 40 Corona-Fälle gab es zuletzt im Seniorenpark Hinterweidenthal unter Bewohnern und Mitarbeitern. „Wir hatten zwei Jahre fast gar nichts und dann kommt es Anfang des Monats zu einem Massenimpfdurchbruch, der alle überrascht hat“, sagt Hans Jung, der Leiter und Geschäftsführer des Seniorenparks, in dem überwiegend demente Menschen betreut werden.

„Die Ursache ist uns ein völliges Rätsel“, sagt Hans Jung. Seit Beginn der Corona-Pandemie vor zwei Jahren habe das Haus eine konsequente Marschrichtung verfolgt. „Wir haben uns, so gut es ging, nach außen hin abgeschottet und den Menschen innerhalb des Hauses so viele Freiheiten wie möglich gelassen“, sagt der Leiter des Seniorenparks. In die Einrichtung kam nur noch, wer getestet war. Anfang Februar passierte es dann doch, einem positiven Test folgten weitere.

„Es ging querbeet. Das Gesundheitsamt kam dann und hat bei allen einen PCR-Test vorgenommen“, berichtet Jung. Mittlerweile liegen fast alle Ergebnisse vor. „Es sind deutlich über 40 Leute im Haus, die positiv sind“, berichtet er. Jung selbst gehörte zu den Betroffenen, mittlerweile ist er genesen und arbeitet wieder im Haus.

Viele Infizierte, milde Verläufe

Die hohe Anzahl Infizierter erschreckt zunächst, doch die Infektionen blieben weitgehend harmlos: „Es gab nur einen Bewohner, der schweres Fieber bekam und ins Krankenhaus musste. Es geht ihm wieder gut, er ist wieder zurück. Alle anderen haben keine oder nur ganz leichte Symptome, etwa ein Kratzen im Hals“, berichtet Jung erleichtert. Lediglich drei der 72 Bewohner sind nicht geimpft, alle anderen sind geboostert, bemerkt Jung. Auch unter den Pflegekräften – 75 Mitarbeiter kümmern sich um die Bewohner – gibt es drei Ungeimpfte.

Mit Blick auf den Impfstatus der Mitarbeiter sagt Jung: „Bei den Infektionen ist das völlig bedeutungslos gewesen. Es hat alle getroffen, egal ob geimpft oder nicht“, betont er. Jung ist überzeugt davon, dass die Impfung die Betroffenen vor einer schweren Erkrankung geschützt habe. Der Corona-Ausbruch habe noch etwas bewirkt: Das Team sei zusammengerückt. „Es ist sensationell, wie sich alle engagieren. Ich bin so stolz auf die Truppe“, sagt Jung über das Personal.

Doppelschichten kompensieren Ausfälle

Denn personell sei die Situation aufs Äußerste angespannt, weil infizierte Pflegekräfte in Quarantäne sind. „Unter Einhaltung aller arbeitsrechtlichen Vorgaben wäre ein Weiterbetrieb nicht mehr möglich gewesen“, bemerkt der Geschäftsführer. „Wir hatten schon sehr viele Ausfälle im Personal“, ergänzt er. Weil aber Mitarbeiter bereit sind, Doppelschichten zu leisten und zum Teil sogar in der Einrichtung übernachten, gelinge es, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Jung ist froh, dass die von der Einrichtung getroffenen Maßnahmen – in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt – großen Rückhalt unter den Angehörigen der Bewohner finden. Dazu gehört ein Besuchsverbot bis zum 28. Februar.

Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter haben sich durch die Corona-Situation erschwert. Zu den ständig zu tragenden FFP2-Masken müssen sich die Pflegekräfte noch Schutzkleidung überziehen, das sei eine zusätzliche Belastung. Eine Trennung von Infizierten und Gesunden sei im Haus nicht möglich, bemerkt Jung. Zumal die meist dementen Bewohner nicht verstehen würden, was gerade passiert. „Sie sind völlig desorientiert und wissen nicht, was um sie herum vor sich geht“, erklärt er.

Ziel: Normalität erhalten

„Unser Ziel seit zwei Jahren ist es, so viel Normalität wie möglich zu erhalten“, sagt Jung. Dazu gehört, dass die Bewohner in der vergangenen Woche, als an einem Tag mal schönes Wetter war, ins Freie gebracht wurden, um die Sonne zu genießen. „Das war ein bisschen Normalität in einer bekloppten Situation“, fügt Jung an. Dazu gehört aber auch, dass die regelmäßigen Singstunden fortgeführt wurden. Jung hofft darauf, dass die Omikronwelle, die seine Einrichtung getroffen hat, das Ende der Pandemie einleitet. „Wenn das vorbei ist, dann feiern wir eine Fete“, sagt er.

Derzeit 389 Corona-Fälle in 88 Einrichtungen

Wie Thorsten Höh, Pressesprecher des Kreises Südwestpfalz, auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilte, gibt es derzeit 185 Corona-Fälle in fünf Senioreneinrichtungen im Bereich des Gesundheitsamtes. 40 Kindergärten sind derzeit ebenfalls betroffen, hier gibt es 80 Fälle. Außerdem gelten 124 Schüler an 43 Schulen als corona-positiv. Das Gesundheitsamt erfasst lediglich die positiven Corona-Testergebnisse. Ob die Infektion mit Sars-CoV-2 zur Covid-19-Erkrankung führt und wie schwer diese verläuft, ist nicht bekannt.

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