Wörth / Landau
Mangels Nachfrage: Landrat denkt über Zukunft des Impfzentrums nach
Über 1200 Menschen könnten im Landesimpfzentrum im Hafengebiet von Wörth an einem einzigen Tag geimpft werden. Doch für einzelne Tage hatte das zentrale Portal des Landes nur zwischen sechs und 35 Termine vergeben. Deshalb bleibt das Impfzentrum am Mittwoch, 26. Januar, und von Mittwoch, 2. Februar, bis einschließlich Freitag, 4. Februar, geschlossen. Das teilte die Kreisverwaltung am Montagnachmittag mit.
Dabei verweist der Kreis auch auf die Einsparung von Kosten: Im regulärem Betrieb arbeiten pro Schicht im Impfzentrum in Wörth rund 20 Personen im Bereich Verwaltung, zum Beispiel im Check-In und Check-Out. Dazu kommen zwölf Personen aus dem Bereich medizinisches Fachpersonal und zehn Mediziner. Außerdem könnte das Personal „Überstunden abbauen und Kraft schöpfen“, schreibt Ralph Lehr, Verantwortlicher in der Kreisverwaltung für das Impfzentrum in Wörth, in einer Pressemitteilung.
Die gebuchten Termine sind größtenteils bereits verlegt. Impfungen ohne Termin sind an den genannten Tagen folglich nicht möglich. Zuletzt waren etwa zehn Prozent der Geimpften für eine Impfung ohne Termin nach Wörth gekommen. Dies soll nach den Schließungen auch wieder möglich sein, heißt es von der Kreisverwaltung.
Landau spürt ebenfalls Rückgang
Auch im zweiten großen Impfzentrum der Südpfalz, der kommunalen Impfstelle in Landau, spüre man einen Rückgang des Interesses, schreibt Sandra Diehl, Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung, auf Anfrage der RHEINPFALZ. An den bisher 26 Öffnungstagen seien 11.041 Impfungen verabreicht worden. „Das entspricht einem Mittelwert von 425 Impfungen am Tag, beziehungsweise einer Auslastung von rund 82 Prozent, womit wir zufrieden sind“, schreibt Diehl. Man habe gerade erst mit dem Impfen ohne Termin angefangen. Daher gebe es aktuell noch keine Pläne, ganze Tage zu schließen. „Ziel des Impfens ohne Termin ist es ja gerade, möglichst niedrigschwellige Angebote zu unterbreiten.“
Niedrigschwelle Angebote hat auch Landrat Fritz Brechtel im Blick. Denn bei der Impfquote ist weiter Luft nach oben: Zahlen vom Montag zufolge haben im Landkreis Germersheim etwa 67,6 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung erhalten, rund 67,7 Prozent sind doppelt geimpft, etwa 44,4 Prozent haben ihre Boosterimpfung erhalten.
Der Rückgang habe sich abgezeichnet, sagt der Landrat. Dabei kann er der Situation auch Positives abgewinnen: Man habe seit der Reaktivierung im November 2021 gut 35.000 Menschen im Impfzentrum geimpft. Dazu kämen über 6000 im Zuge der DRK-Impfkampagne. Dabei kamen mobile Teams innerhalb von drei Wochen zu 22 Termine in die Dörfer. Die Gemeinden hatten die Räume zur Verfügung gestellt. „Da war toll. Wir haben eine Bugwelle abgearbeitet“, sagt Brechtel.
Neue Organisationsform gesucht
Doch nun müsse man mit einer neuen Situation umgehen. Der Landrat rechnet damit, dass die Inzidenzen weiter steigen werden und die Nachfrage nach Impfungen wieder zunehmen wird. Aber was ist mit der Zeit nach Omikron, in den ruhigeren Sommermonaten? „Wir brauchen eine flexible Organisationsform, die man hoch- und runterfahren kann, sagt Brechtel. Beim Impfzentrum habe man nur die Option „an oder aus“.
Allerdings kann sich Brechtel auch vorstellen, mit mobilen Teams zu arbeiten, die wie im Projekt mit der DRK zu den Menschen kommen – also zum Beispiel in die Orte, aber auch in die Moschee oder Quartiere in Germersheim. Dies sei aber mit Ehrenamtlichen nicht zu leisten, betont der Landrat, der gleichzeitig Präsident des DRK im Kreis ist. Die Ehrenamtlichen seien nach den drei Wochen des intensiven Impfens „platt“ gewesen. Nun müsse man darüber nachdenken, so etwas mit hauptamtlichen Kräften umzusetzen.
Gleichzeitig betont Brechtel, dass das Impfzentrum weiterhin geöffnet bleiben und dabei „wirtschaftlich und flexibel“ betrieben wird. „Wir werden nicht eine funktionierende Organisationsform schließen, wenn noch keine andere da ist.“ Es gehe immer um den bestmöglichen Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Mit dem Mainzer Ministerium hat Brechtel über seine Pläne noch nicht gesprochen. „Aber ich denke nicht, dass das Land etwas dagegen hat, wenn wir die gleichen Effekte mit geringeren Kosten erzielen ...“
Land setzt weiter auf Impfzentren
Beim Land setzt man jedoch bis auf Weiteres auf Impfzentren, wie eine Nachfrage beim Gesundheitsministerium zeigt. Dort verweist man auf „den Turbo“ bei der Erreichung des Boosterziels, über 2,1 Millionen Menschen hätten ihre Auffrischungsimpfung erhalten. „Wir wussten, dass die hohe Nachfrage ab Mitte Januar nachlassen würde. Das ist jetzt eingetreten“, teilt auch der Sprecher des Ministeriums mit. Dennoch seien niederschwellige Impfangebote weiter wichtig, „auch und besonders in den Impfzenten“. Deshalb freue man sich, „dass der Bund unsere Forderung anerkannt und die Mitfinanzierung der Impfzentren im ganzen Land bis Ende 2022 zugesagt hat. Somit teilen sich weiterhin Land und Bund die Kosten.“
Man rechne damit, die Impfzentren vor allem im Hinblick auf die Novavax-Impfungen und eine zügige Verimpfung möglicher Omikron-angepasster Impfstoffe zu benötigen. „Auch auf den nächsten Herbst und Winter hin werden wir mit staatlichen Impfangeboten vorbereitet sein.“ Dazu erarbeite aktuell das Land gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden eine Gesamtkonzeption.