Pfälzerwald
Waldbäume im Wandel
Drei extrem trockene Sommer in Folge ließen in Rheinland-Pfalz eine Hauptbaumart flächenhaft absterben. In unerwartetem Ausmaß schwanden seit 2018 die Widerstandskräfte der Fichte. Unfähig, sich noch mit Harzbarrieren gegen wärmeliebende Schwächeparasiten zu wehren, wurde sie zum leichten Opfer von Borkenkäfern.
Heimisch ist die Fichte in kühlen und feuchten Regionen, wo sie eine gute Wasserversorgung findet. Das beschränkt ihr natürliches Vorkommen in Deutschland weitgehend auf höhere Lagen. Trotzdem wurden Fichten in deutschen Wäldern zur meist angebauten Baumart. In der wechselvollen Geschichte der Waldwirtschaft, als nach Übernutzung und Krieg möglichst schnell wieder aufgeforstet wurde, bevorzugte man die raschwüchsigen Bäume, mit denen sich viel Holz gewinnen ließ.
Fichte leidet am meisten unter Hitze und Dürre
Solche standortwidrigen Reinbestände erweisen sich schon länger als labil. Inzwischen leidet die Fichte in Rheinland-Pfalz am meisten von allen Bäumen unter Hitze und Dürre. Astrid Kleber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft, gibt dem einstigen „Brotbaum“ nur lokal begrenzt eine Überlebenschance. „Am Ende des Jahrhunderts wird die Fichte bei uns wohl nur noch in höheren Mittelgebirgslagen vorkommen“, sagt die Biologin.
Im rasanten Klimawandel rückt das Ziel, das Ökosystem Wald zu stabilisieren und dauerhaft zu erhalten, immer stärker in den Vordergrund. Neben der dringend erforderlichen Senkung von Treibhausgasemissionen gilt es, die Bestände anpassungs- und widerstandsfähig zu machen. Doch der beschleunigte Wandel der letzten Jahre schafft viele Unsicherheiten.
Das zeigt sich auch bei unserer häufigsten Laubbaumart, der Rotbuche. Buchenwälder gelten als charakteristische Waldvegetation in Deutschland, die ohne menschliche Einflüsse vorherrschen würde. Ihre hohe Schattentoleranz macht diese Baumart besonders konkurrenzstark. Doch auch ihr setzt die anhaltende Dürre zu.
Geschwächte Buchen anfällig für Pilzbefall
„In den Extremjahren haben die Altbuchen stark gelitten“, stellt Astrid Kleber fest. „Ältere Bäume schaffen es kaum noch, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.“ Das Ergebnis zeigt sich in vertrockneten Kronenteilen und gänzlich abgestorbenen Bäumen. Zudem sind die Buchen, die Hitze und Dürre bislang überlebten, weiter gefährdet durch schwindende Vitalität. Wie bei anderen geschwächten Bäumen steigt ihre Anfälligkeit für Insekten- und Pilzbefall.
Für klimastabile Wälder spielt die standortgerechte Zusammensetzung von Baumarten eine zentrale Rolle. Doch Patentlösungen gibt es im reich verzweigten Waldgefüge keine. Um mögliche Schäden zu streuen, setzen Experten bei Landesforsten auf vielfältige Mischung. So wollen sie Risiken auf unterschiedliche Arten verteilen.
Neben der Buche kommt im Pfälzerwald den Eichen große Bedeutung zu. Zwar weisen auch ältere Eichen seit 2018 ernste Dürreschäden auf, aber: „Heimische Eichenarten sind hitze- und dürreresistenter als die Buche“, erklärt Forstexpertin Astrid Kleber. Dies gilt übrigens auch für die Traubeneiche, noch mehr als für die Stieleiche. Trotz der Sorge um die Grenzen der Anpassungsfähigkeit geht man bei Landesforsten davon aus, dass sich der Eichenanteil steigern wird.
Dabei bestimmt die Naturverjüngung das Geschehen: Die neue Waldgeneration entwickelt sich aus den Samen der Altbäume. „Aufwachsende Jungbäume sind eher in der Lage, sich an jeweilige Standorte anzupassen“, nennt Astrid Kleber einen der Vorteile.
Fremdländische Arten erweitern Spektrum
Zur erstrebten standortgerechten Vielfalt, vor allem geprägt von Buchen, Hainbuchen und Eichen, sollen weitere heimische Arten beitragen, wozu beispielsweise Espe, Esche oder Mehlbeere gehören. Umstritten bleibt allerdings die Tatsache, dass daneben auch fremdländische Arten das Spektrum im Wald erweitern sollen. Vor allem aus Naturschutzsicht wird dieses Vorhaben kritisiert.
Astrid Kleber verweist auf einen maßvollen und kontrollierten Umgang mit den Fremdländern. Auch habe man inzwischen gute Erfahrungswerte, was Arten aus dem südeuropäischen Raum angeht. Invasiv auftretende Gehölze wie die Robinie seien zu meiden. „Dagegen können Mannaesche, Flaumeiche und Zerreiche moderat beteiligt werden, um ihr Zusammenspiel mit heimischen Bäumen weiter zu erforschen“, erklärt die Biologin.
Auch hitzetolerante Nadelhölzer wie Atlaszeder oder Libanonzeder sollen beigemischt werden. Entsprechende Praxisversuche bleiben kleinflächig und punktuell. Damit will man möglichst vermeiden, dass das Einbinden fremder Arten zu neuen Störungen und Problemen im Wald führt.