Wissen RHEINPFALZ Plus Artikel Flechten: Verbunden und verflochten

Korallenförmig wächst diese Strauchflechte am Baum.
Korallenförmig wächst diese Strauchflechte am Baum.

Nils erklärt: Wie Flechten leben und wachsen

Die alten Obstbäume am Waldrand bei Bad Dürkheim sehen fast verzaubert aus! Ihr Herbstlaub haben sie schon verloren. Trotzdem sind die Äste nicht kahl. Im Gegenteil: Auf ihnen scheinen kleine Korallen und Krusten zu wachsen. Und zwar so viele, dass sie die Baumrinde fast bedecken.

„Was sich da buschig verzweigt, ist eine Pflaumenflechte“, sagt Julia Kruse, Botanikerin am Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim. „Sie wird außerdem Eichenmoosflechte genannt, weil sie auch auf Eichen vorkommt. Wegen ihrer Form gehört sie zu den Strauchflechten.“

Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge

Der Name passt: Wie winzige Sträucher sehen diese Flechten aus. Leicht kann man sie für Pflanzen halten. Aber das wäre ein Irrtum, denn Flechten sind Doppelwesen. Sie bestehen aus einer Lebensgemeinschaft von Pilz und Alge. Und du weißt vielleicht schon, dass Pilze keine Pflanzen sind.

Wenn zwei Lebewesen verschiedener Arten eng zusammenleben und beide davon einen Nutzen haben, nennt man das eine „Symbiose“. Tatsächlich macht die Verbindung von Alge und Pilz die Flechten richtig stark. Sie können an Orten überleben, wo es andere Lebewesen kaum aushalten, zum Beispiel auf blanken Steinen und Dachziegeln oder wie hier auf Baumrinde.

Um das zu schaffen, versorgen sich Pilz und Alge gegenseitig. Der Pilz macht den größeren Anteil aus, und meistens bildet er die Hülle und Form des Flechtenkörpers. Seine Fäden sind dicht miteinander verflochten. Zwischen ihren Schichten liegt eine Art Wohnraum für die Alge.

In der Rinde sind Farbstoffe eingelagert

Die ist für den Pilzpartner lebenswichtig, denn sie ernährt ihn mit Zucker und Stärke. Dazu braucht die Alge aber unbedingt Licht. Deswegen befindet sich ihre Schicht direkt unter der Oberfläche der Flechte. Über ihr bildet der Pilz einen Schutzüberzug. Experten wie Julia Kruse nennen diese dichte Hülle „Rinde“. In ihr sind Farbstoffe eingelagert, die manchen Flechten tolle Farben geben.

Bei nassem Wetter wird die Flechtenrinde durchsichtiger. „Dann sieht man die Algen durchscheinen, und die Pflaumenflechte wirkt grünlicher“, sagt Biologin Kruse. „Bleibt es aber lange trocken, verdickt sich die Rindenschicht wieder.“ Die Flechte fällt in eine Art Ruhestarre und kann nun erstaunlich lange Trockenheit aushalten. Übrigens: Auch wenn die Bäume so von Flechten bedeckt sind wie hier im Tal, erleiden sie dadurch keinen Schaden. Die bescheidenen Doppelwesen dringen nicht ins Holz ein und sie nehmen den Bäumen keine Nährstoffe und kein Wasser weg.

Nils, der neugierige Zeitungsbiber.
Nils, der neugierige Zeitungsbiber.
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