Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel WM 2026: Von Burger bis Beamer

Trotz WM-Fieber und Feierlaune sollten sich Verbraucher nicht blind auf jedes Angebot stürzen.
Trotz WM-Fieber und Feierlaune sollten sich Verbraucher nicht blind auf jedes Angebot stürzen.

Damit die WM für Fans auch hierzulande ein Erfolg wird, sollten Verbraucher einiges beachten. Vom Grillen bis zum nächtlichen Jubel: So feiern Fans günstig und ohne Ärger.

Wer das erste deutsche Gruppenspiel gegen Curaçao bei einer Grillparty genießen und gleichzeitig für US-amerikanischen Flair sorgen will, könnte zum Burger greifen. Dass es dabei nicht immer der Rindfleisch-Patty sein muss, weiß die Stiftung Warentest. „Wir hatten im Test einige vegane Pattys, die uns sensorisch wirklich überzeugt haben – mit Bratnoten, Würze und Saftigkeit“, sagt Testleiter Jochen Wettach. Zeigt: Gute Burger lassen sich auch ohne Fleisch zubereiten. Gleichzeitig sind vegane oder vegetarische Alternativen nicht automatisch gesünder.

Was auf den WM-Grill kommt

Auch Fleischersatzprodukte können viel Salz und Fett enthalten“, erklärt Marlene Bär von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (VZ RLP). Ein Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle lohne sich immer. Wichtig sei ein möglichst hoher Anteil pflanzlicher Eiweißquellen wie Erbsen-, Soja- oder Bohnenprotein sowie ein moderater Gehalt an Salz und Fett.

Doch auch der Geldbeutel spielt eine Rolle. Laut Marlene Bär sind die Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass 44 Prozent der Verbraucher ihre Auswahl beim Einkauf einschränken, um Geld zu sparen. Dies geschehe häufig zulasten der Qualität. Mögliche Lösungen: „Saisonales Gemüse wie Zucchini, Paprika oder Mais auf den Grill legen, selbstgemachte Salate und Dips statt Fertigprodukte nutzen.“ Zudem sollten Verbraucher Mengen realistisch planen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Zur WM darf der Burger gerne auch mal vegetarisch sein.
Zur WM darf der Burger gerne auch mal vegetarisch sein.

Des deutschen Fußballfans liebste Würzsoße, der Tomatenketchup, darf beim Genuss des Grillguts natürlich ebenfalls nicht fehlen. Laut Stiftung Warentest kommt der beste Ketchup aus Thüringen – die Marke Born habe bekannte Konkurrenten wie Werder oder den Marktführer Heinz deutlich abgehängt. Am Ende ist es aber sicherlich eine Geschmacksfrage, was auf dem Teller landet.

Marlene Bär weiß, worauf beim Kauf zu achten ist: „Tomaten sollten auf der Zutatenliste möglichst weit vorne stehen. Produkte mit viel zugesetztem Zucker und hohem Salzgehalt schneiden ernährungsphysiologisch weniger günstig ab.“ Der Europäische Verband der Hersteller von Würzsoßen empfiehlt 120 Gramm Tomaten je 100 Gramm Tomatenketchup.

Gute Sicht aufs Spiel

Nach dem Grillen ist für die meisten Fußballfans vor dem Spiel. Das soll natürlich in entsprechender Qualität auf Fernseher oder Beamer genossen werden. Entscheidend ist laut Stiftung Warentest nicht nur die Umgebung. Fernseher sind bei Tageslicht gut nutzbar und zudem günstiger in der Anschaffung. Empfänger, Lautsprecher und Streaming-Apps sind bereits im Gerät verbaut. Beamer hingegen sind leichter, flexibel aufstellbar und bei dunklen Lichtverhältnissen ideal für Sportevents. Das kann besonders dann von Belang sein, wenn Deutschland jeweils um 22 Uhr auf die Elfenbeinküste und Ecuador trifft.

Ob Public Viewing oder zuhause: Das WM-Bild sollte passen.
Ob Public Viewing oder zuhause: Das WM-Bild sollte passen.

„Gute Fernseher gibt es schon für unter 400 Euro, ab 600 Euro ist die Auswahl empfehlenswerter Geräte größer“, heißt es bei der Stiftung Warentest. Besonders häufig hätten im Test TV-Modelle mit 48 Zoll bei Bild und Ton gut abgeschnitten – auf der Suche nach der besten Bildqualität lande man oft bei Geräten mit organischen Lichtdioden (OLED). „Die meisten OLED-Fernseher kosten mindestens 1000 Euro“, so die Stiftung Warentest. Große Fernseher seien für viele Fans verlockend, an erster Stelle stehe jedoch der Preis.

Achtung WM-Fallen

Julia Gerhards von der VZ RLP warnt allerdings davor, Angebote voreilig wahrzunehmen. „Der Anlass Weltmeisterschaft wird von Anbietern gerne genutzt. Ob Sonderangebote – gerade in Bezug auf Technik – dann wirklich so gut sind, sollte man mit einem soliden Preisvergleich überprüfen.“ Auch auf Aussagen wie „voraussichtlich versandfertig“ solle man als Kunde wenig geben; verlassen könne man sich nur auf vertrauenswürdige Shops mit garantierten Lieferzeiten. „Letztendlich muss ich mich als Verbraucher immer fragen: Was brauche ich wirklich?“, betont Julia Gerhards. „Sonderangebote laufen gut, weil Menschen so gestrickt sind. Man sollte sich vor lauter WM-Fieber aber zu nichts hinreißen lassen.“

Auf jeden Fall gilt es, aufmerksam zu sein. „Das, was boomt, damit wird geworben“, sagt Julia Gerhards. „Alles, was Abzocke betrifft, steckt gerade im WM-Gewand. Seien es Fake-Shops mit qualitativ minderwertiger Ware oder leere Versprechen, dass Ware rechtzeitig geliefert wird.“ Auch bei Tickets und Gewinnspielen ist es ratsam, aufzupassen. Typische Warnzeichen seien ungewöhnlich günstige Angebote, Vorkasse ohne Absicherung oder fehlende Impressumsangaben, wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) mitteilt. Verbraucher sollten auf Zahlungsarten mit Käuferschutz achten und nur offizielle Verkaufsstellen nutzen.

Verbraucher sollten sich vor Fake-Gewinnspielen und unseriösen Ticketverkäufen schützen.
Verbraucher sollten sich vor Fake-Gewinnspielen und unseriösen Ticketverkäufen schützen.

Wer Julian Nagelsmanns DFB-Elf von zu Hause aus anfeuert, könnte mitunter nachts auf Probleme stoßen. Man stelle sich nur vor: Kai Havertz köpft nach einer Flanke von Florian Wirtz in der 87. Minute zum Sieg gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel ein. In Deutschland dürfte es dann etwa 23.45 Uhr sein. Bei allem verständlichen Jubel müssen sich Fußballfans dennoch etwas zügeln. Besonders während der Ruhezeiten zwischen 22 und 6 Uhr, aber auch an Sonn- und Feiertagen, sollten Fußballjubel und TV-Kommentar Zimmerlautstärke haben.

„Wer die Stereoanlage oder Box zu laut aufdreht, muss mit Bußgeldern bis zu 5000 Euro rechnen, wenn sich Nachbarn beschweren“, sagt Stiftung-Warentest-Expertin Kirsten Schiekiera. Für WM-Fanatiker und Feierbiester bleiben also nur drei Optionen: beim Jubeln zurückhalten und auf die Lautstärke achten, die Nachbarn vorwarnen – oder die Nationalmannschaft einfach gemeinsam mit ihnen anfeuern.

x