Berlin
Bär sieht Deutschland „auf Weg zur Raumfahrt-Nation“
Es ist eine aufregende Woche für die deutsche Raumfahrtindustrie. An diesem Mittwoch eröffnet in Berlin die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), am Freitag soll Elon Musks SpaceX, eine der bekanntesten Weltraumfirmen, an die Börse gehen. Es wird der wohl bisher größte Börsenstart der Geschichte werden. Das Unternehmen ist ein Vorbild für viele deutsche Raumfahrt-Startups.
Der Weltraumhype hat auch die Politik erreicht. Seit einem Jahr hat die Bundesregierung mit Dorothee Bär (CSU) eine eigene Ministerin für Raumfahrt. Die blickt in dieser Woche erwartungsfroh auf die Chancen für Unternehmen in Deutschland. „Bereits heute profitieren deutsche Firmen vom Raumfahrt-Boom“, sagt Bär gegenüber der RHEINPFALZ. „SpaceX steht exemplarisch für einen Paradigmenwechsel in der Raumfahrt hin zu mehr Wettbewerb sowie mehr Nutzer- und Serviceorientierung.“ Diesen Weg will sie auch in Deutschland und Europa gehen. „So schaffen wir neue wirtschaftliche Chancen und ermöglichen neue Anwendungen – auch über die Raumfahrt hinaus“, sagt Bär. „Mit gleich zwei deutschen Trägerraketen-Start-ups sind wir in der European Launcher Challenge bestens aufgestellt.“
Branche wächst
Gemeint sind Isar Aerospace in München und die Rocket Factory Augsburg. Die Münchner hatten am Dienstag gute Nachrichten zu verkünden. Weitere 270 Millionen Euro habe man von Investoren eingeworben für die Entwicklung der Spectrum-Rakete. Ziel sei die Serienproduktion von bis zu 40 Raketen pro Jahr. Auch ein zweiter Raketenstartplatz in Kanada ist geplant. Bisher gab es erst einen Testflug der Spectrum. Die Rakete soll in Zukunft Satelliten in die Umlaufbahn bringen, bis zu einer Tonne Last kann sie tragen.
Eine wichtige Technologie, glaubt Bär. „Der Raumfahrt-Markt braucht dringend souveräne Startdienstleister, die unsere Satelliten ins All bringen“, sagt sie. Im Moment werden die meist von amerikanischen Unternehmen wie Space-X ins All transportiert. „Auch Satellitendienste für Kommunikation, Erdbeobachtung und Navigation werden immer stärker nachgefragt.“ In diesem Bereich sieht sie die deutsche Industrie gut aufgestellt. Man biete „erstklassige Produkte und Dienste an. Die deutsche Raumfahrt-Branche wächst stark und ich bin überzeugt: Wir sind auf dem Weg zur Raumfahrt-Nation“.
Ein Teil dieser Produkte wird in den nächsten Tagen auf der ILA in Berlin vorgestellt. Für diesen Mittwoch hat sich neben Dorothee Bär auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigt. Aussteller sind unter anderem MT Aerospace aus Augsburg oder HyImpulse aus dem Landkreis Heilbronn, das auch Hybrid- und Trägerraketen für den Transport von Satelliten entwickelt.
Drohnenabwehr im Fokus
Abseits der Raumfahrt sind in Berlin in diesem Jahr besonders viele militärische Exponate ausgestellt. Der andauernde Angriffskrieg in der Ukraine und der Iran-Konflikt rücken die Drohnenabwehr und unbemannte Luftfahrzeuge in den Fokus. So präsentiert etwa das Hightech-Unternehmen Elbit Systems mit Sitz in Ulm erstmals sogenannte Hochleistungslasersysteme, die Drohnen und andere unbemannte Luftfahrzeuge bekämpfen sollen.
Die ILA findet alle zwei Jahre am Rande des Flughafens Berlin-Brandenburg statt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte am Dienstag mit Blick auf die Messe sowie die Luft- und Raumfahrt in der Region selbstbewusst: „Das ist ein Bereich der Hochtechnologie, wo wir mit Bayern auf Augenhöhe sind.“ Sein Ziel sei es aber, den Freistaat zu überholen.