Wirtschaft
Wintershall Dea soll 2020 an die Börse
Wintershall, die Öl- und Gastochter der BASF, und die einem russischen Milliardär gehörende Dea haben ihre im September 2018 beschlossene Fusion vollzogen. 2020 soll die neue Wintershall Dea an die Börse – und den Eigentümern reichlich Geld in die Kasse spülen.
Ludwigshafen/Kassel. 2017 waren Gerüchte hochgekocht, die BASF werde sich von ihrer Kasseler Öl- und Gas-Tochter trennen. Nach Jahren hoher Profitabilität der Sparte machte die vor allem in den USA boomende Fracking-Technologie bei der Gasgewinnung der klassischen Exploration zunehmend Konkurrenz und ließ die Preise purzeln. Das dürfte den Ausschlag gegeben haben, die Sparte in die Eigenständigkeit zu entlassen. Zumal die mitten in einem gewaltigen Umbauprozess befindliche, unter schweren Gewinneinbußen leidende BASF groß in die Batteriematerialien-Herstellung investieren will – Stichwort Elektromobilität. Dafür sind zusätzliche Mittel hochwillkommen. Wohl nicht zufällig wurde der Vollzug der Fusion von der BASF und der Dea-Eigentümerin LetterOne (L1) unmittelbar vor der morgigen Hauptversammlung in Mannheim verkündet: Der Kapitalmarkt wird heute über den Vollzug der Transaktion jubeln, die Aktionäre werden zufrieden sein. „Mit Wintershall Dea schaffen wir das führende unabhängige europäische Explorations- und Produktionsunternehmen mit internationalen Aktivitäten in Kernregionen. Mit der Zusammenführung der beiden deutschen Unternehmen legen BASF und LetterOne die Grundlage für starkes profitables Wachstum von Wintershall Dea“, sagte Hans-Ulrich Engel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BASF SE und für die nächsten 15 Monate Aufsichtsratsvorsitzender des fusionierten Unternehmens. Lord Browne of Madingley, Executive Chairman von L1 Energy, ergänzte: „Man hat sehr selten die Möglichkeit, ein Unternehmen dieser Größe und Qualität zu gründen.“
BASF-Gesamtbeteiligung: 72,7 Prozent
Geleitet wird Wintershall Dea von einem fünfköpfigen Vorstand mit dem bisherigen Wintershall-Chef Mario Mehren an der Spitze. Seine Stellvertreterin und Chief Operating Officer (COO) ist die bisherige Dea-Chefin Maria Moraeus Hanssen. Im September 2018 hatten die BASF und LetterOne, die Luxemburger Finanzgesellschaft des russischen Milliardärs Michail Fridman, eine Vereinbarung unterzeichnet, ihre Öl- und Gasgeschäfte in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammenzuführen. Die BASF-Gesamtbeteiligung daran beträgt 72,7 Prozent. Die bisherige gemeinsame durchschnittliche Tagesproduktion von rund 590.000 Fass (je 159 Liter) Öläquivalent will das neue Unternehmen bis 2023 auf 750.000 bis 800.000 Fass steigern. 2018 setzten Wintershall und Dea zusammengenommen 5,7 Milliarden Euro um. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verdienten die beiden Konzerne 3,6 Milliarden Euro, nach Steuern verbuchten sie addiert 1,1 Milliarden Euro Gewinn. Ab dem dritten Jahr der Fusion sollen mindestens 200 Millionen Euro Synergien erzielt sein. Angekündigt ist, jede vierte der weltweit gut 4000 Stellen abzubauen. Bis Juli 2020 sind betriebsbedingte Kündigungen und Standort-Schließungen aber ausgeschlossen. Die Erstplatzierung an der Börse soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 erfolgen. L1-Besitzer Fridman kaufte Dea 2014 für 5,1 Milliarden Euro von RWE. Die BASF übernahm 1969 die 1894 gegründete Wintershall.