Sonderposten RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Stimmung entgleist: Am Streiktag mit dem Zug zur IAA

Zehn Minuten Verspätung hat der ICE 511 in Mannheim – aber immerhin: Er fährt trotz GDL-Streiks tatsächlich bis München.
Zehn Minuten Verspätung hat der ICE 511 in Mannheim – aber immerhin: Er fährt trotz GDL-Streiks tatsächlich bis München.

Umweltfreundliche Mobilität lautet das Gebot der Stunde. Da will man sich als Autofreund nicht lumpen lassen und lässt das Auto für die Reise zur IAA Mobility in München unangetastet.

Elektrisch wäre es sowieso zu langwierig gewesen. Und mit dem Verbrenner hin und zurück an einem Tag irgendwie zu anstrengend. Fliegen ab Frankfurt? Zu umständlich und zu teuer. Also her mit dem Sparpreis-Ticket, zumal noch ein 15-Euro-Gutschein eingesetzt werden kann und im Zug ziemlich bequemes Arbeiten möglich ist. Hin ab Frankenthal und zurück für 67,30 Euro, und das 1. Klasse – das ist doch ein Wort. Mit einem Supersparpreis-Ticket wäre es sogar noch günstiger gewesen.

Aber man hat die Rechnung nicht mit der GDL gemacht. Ausgerechnet zum Auftakt der Automesse hat sich die Gewerkschaft zum massiven egoistischen Zug-Lockdown entschlossen. Die Stimmung entgleist, die Vorfreude ist dahin, das große Bibbern beginnt: Fährt der ICE 991 (6:29 Uhr ab Mannheim) überhaupt? Kommt man um 6:05 Uhr mit der S 6 in Frankenthal los?

Der ICE 511 soll fahren

Am Vorabend und ganz früh am Montag wird eifrig in der Bahn-App gesurft. Ergebnis: Die S-Bahn ist abgesagt, der ICE auch – aber mit dem ICE 511 um 7:31 Uhr ab Mannheim könnte es klappen.

Also doch ins Auto. Viel Verkehr herrscht um diese Zeit auf der Strecke ins Mannheimer Bahnhofsparkhaus. Dann gleich mit dem Lift hoch in die DB-Lounge. Impfnachweis vorgezeigt, aber Korb geholt – denn das Sparpreis-Ticket erlaubt keinen Lounge-Zugang – und eine Komfort-Bahncard 25 First ist auch nicht vorhanden.

Überraschend viel Betrieb auf dem Bahnsteig

Noch etwas Frust mehr macht sich breit – aber auch Erleichterung. Denn der 511er soll tatsächlich fahren, allerdings mit Verspätung. Wegen einer technischen Störung muss er erst repariert werden. Streik und dann noch ein Defekt: Manche Montage haben es in sich. Auf dem Bahnsteig von Gleis 5 herrscht überraschend viel Betrieb. Viele wollen nach Stuttgart, Ulm, Augsburg oder München. Es sind schätzungsweise 200 Leute, die trotz GDL Vertrauen in die Bahn zeigen. Und sie werden tatsächlich nicht enttäuscht. Mit rund zehn Minuten Verspätung geht es los Richtung Süden.

Drinnen in den Abteils business as usual. Fahrkartenkontrolle, Getränkeangebote, die Masken über den Nasen, aber keine Zeitungen. Die Stimmung kommt wieder in die Spur. Ankommen ist keine Illusion mehr, sondern Realität. Um 10:40 Uhr ist es tatsächlich soweit. Na prima! Ausstieg im Hauptbahnhof München und dann weiter mit der U2 zum Messegelände.

Nerven bleiben angespannt

Die Nerven bleiben jedoch angespannt. Klappt es am Abend mit der geplanten Rückfahrt, so dass man kurz nach 23 Uhr wieder in Frankenthal ist? Vermutlich muss man zwei Stunden früher los.

Und wenn alle Stricke reißen? „Es gibt Schlimmeres, als in München zu übernachten", hat ein fürsorglicher Kollege motivierend mit auf den Weg gegeben. Ja – und vielleicht gönnt man sich dann auch eine Maß – aber das Maß in Sachen Bahnstreik ist mehr als voll.

Zum Hintergrund des GDL-Streiks: Rücksichtslose Rivalität

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