Energie Wasserstoff vor allem für die Industrie, nicht fürs Heizen

Rohre einer Anlage zum Erzeugen von Wasserstoff.
Rohre einer Anlage zum Erzeugen von Wasserstoff.

Das Gas soll nach Plänen der Regierungskoalition künftig eine wichtige Rolle spielen. Beim Heizen allerdings ist Wasserstoff der Strategie zufolge weniger wichtig.

Der Einsatz von Wasserstoff ist dem Entwurf für die Nationale Wasserstoffstrategie zufolge neben der Industrie und dem Verkehr auch in der Energieversorgung und der Beheizung von Gebäuden geplant. Allerdings ist festgehalten, dass Wasserstoff fürs Heizen eher eine nachgeordnete Rolle spielen soll. Das Heizen mit Wasserstoff war einer der Streitpunkte in der Koalition beim Ausarbeiten des Gebäudeenergiegesetzes („Heizungsgesetz“) gewesen.

Die Bundesregierung will ein schnelles Wachstum des Wasserstoffmarktes erreichen. So soll vor allem in bestimmten Wirtschaftsbereichen – dazu gehört die energieintensive Chemiebranche – der hohe Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden. Die Pläne der Ampelparteien sind Anfang der Woche dem Nationalen Wasserstoffrat vorgelegt worden. Dieses Gremium aus Experten wurde von der Bundesregierung berufen und handelt als unabhängiges Beratungsorgan. Medieninformationen zufolge soll sich das Kabinett noch im Juli mit den Plänen befassen.

Viel muss importiert werden

Für die angestrebte Klimaneutralität gilt mit Ökostrom erzeugter Wasserstoff besonders in der Industrie als zentraler Baustein. Eine erste Fassung einer Wasserstoffstrategie hatte die große Koalition bereits 2020 vorgelegt. In ihrem Koalitionsvertrag hatte sich die SPD/Grüne/FDP-Regierung eine ehrgeizige Fortschreibung dieser Pläne vorgenommen. Das Ganze wurde beschleunigt durch den Ukraine-Krieg: Nach den Sanktionen gegen den Angreifer Russland kam es zu einem Lieferstopp von russischem Erdgas. Diese Energieform soll nun ebenfalls durch Wasserstoff ersetzt werden. Absehbar ist, dass auch Wasserstoff importiert werden muss, da die benötigten Mengen nicht im Inland allein hergestellt werden können. Allerdings ist die Anzahl an möglichen Herstellerländern sehr viel größer als bei den Herkunftsländern fossiler Energieträger (Kohle, Gas und Öl).

Damit Wasserstoff in der klimaneutralen Industrie der Zukunft eine tragende Rolle spielen kann, muss er über weite Strecken transportiert werden können – auch innerdeutsch, beispielsweise nach der Anlandung in einem Hafen. Wie ein solches bundesweites Wasserstoff-Kernnetz aussehen könnte, haben die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) am Mittwoch vorgestellt. Aufbauen soll dieses Verteilsystem auf dem Erdgasnetz.

Auch Chemiebranche gehört dazu

„Ziel ist es, so viel wie möglich umzustellen und nicht neu zu bauen“, sagte FNB-Geschäftsführerin Barbara Fischer. Mehr als die Hälfte der Leitungen, durch die künftig Wasserstoff geleitet werden soll, werden heute als Gasleitungen genutzt.

Nach dem aktuellen Stand der Planung soll das Kernnetz Leitungen mit einer Gesamtlänge von 11.200 Kilometern umfassen. Es werde lange Verbindungen vom Norden in den Süden Deutschlands sowie von Osten nach Westen geben, sagte Fischer. Wichtig sei es vor allem, große Industriestandorte anzubinden, die ohne Wasserstoff nicht klimafreundlich betrieben werden können, bei denen also eine Elektrifizierung kaum möglich sei. Dazu gehört neben der Chemiebranche auch die Stahlindustrie.

Warnung von Verbraucherschützern

Unterdessen hat sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen in der Diskussion ums künftige Heizen erneut zu Wort gemeldet. Die Leiterin des Verbands, Ramona Pop, sagte der „Rheinischen Post“ , sie rate dringend davon ab, im Haus oder in der Wohnung eine neue Gasheizung einzubauen. „Vor dem Einbau einer Gasheizung kann man inzwischen nur warnen“, sagte sie. „Die Preise für Gas und Öl werden steigen, da sich der CO2-Preis für fossile Energieträger von Jahr zu Jahr erhöhen wird.“

Der CO2-Preis ist eine Abgabe je Tonne Kohlendioxid, die beim Verbrennen einer bestimmten Menge von Erdgas (oder auch Erdöl) freigesetzt wird. Sie wird vom Verkäufer dieses Produkts bezahlt, aber auf den Preis für den Endkunden draufgeschlagen.

„Verbraucher überfordert“

Die Bundesregierung habe für 2024 die Wiederaufnahme der Erhöhung der CO2-Bepreisung angekündigt, sagte Pop. „Allein in 2024 soll der Preis für eine Tonne CO2 um 17 Prozent auf dann 35 Euro ansteigen“, sagte Pop. Die ursprünglich geplante laufende Erhöhung des CO2-Preises war wegen der Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges ausgesetzt worden. Eine Gasheizung erzeugt pro Kilowattstunde etwa 200 Gramm Kohlendioxid (CO2). Das bedeutet, dass bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden rund zwei Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Das kostet im kommenden Jahr einen CO2-Aufpreis von 70 Euro.

Pop kritisierte das nun geplante Heizungsgesetz der Ampel, das nach der Sommerpause zur Abstimmung im Bundestag steht: „Das Heizungsgesetz ist durch die lange Debatte nicht besser geworden, Verbraucherinnen und Verbrauchern fehlt weiter die nötige Klarheit. Das Sammelsurium an Optionen überfordert sie. Und es drohen Kostenfallen, etwa durch den schnellen Kauf einer Gasheizung.“ dpa/blt Kommentar

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