Wirtschaft Wasserstoff soll in Region zünden
«Mannheim». Saubere Luft mit weniger Schadstoffen wollen wir alle. Der Energieträger Wasserstoff (H2) und die Brennstoffzellentechnologie sind Hoffnungsträger für emissionsfreien Verkehr – auf der Schiene als Ersatz für Dieselfahrzeuge, im Schwerlastverkehr dank großer Reichweiten, für Busflotten, Müllautos und Fahrgastschiffe. Die Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) will Schwerpunktregion der Wasserstofftechnologie werden.
Dabei erhofft sich die MRN den Zuschlag in einem europaweiten Technologiewettbewerb. Sie hat starke Partner, beispielsweise in der Industrie die BASF. Deren H2-Produktion ist mit 135.000 Tonnen pro Jahr riesig. Als Synthesegas verwendet sie 99 Prozent ihrer Eigenproduktion selbst, verkauft werden pro Jahr lediglich 1500 Tonnen. Zum Vergleich: Der Bedarf für die gesamte MRN wird bis 2030 im Bereich Verkehr auf 15.000 Tonnen im Jahr geschätzt. Dieser Bedarf wäre Experten zufolge komplett aus regenerativen Energien zu erzeugen. Auch Energieversorger wie die Ludwigshafener TWL sind dabei, die ein Wasserstoff-Müllauto anschaffen wollen, und auch der größte Versorger der Pfalz, die Pfalzwerke AG, sind in dem Konsortium, außerdem die Hochschulen in Kaiserslautern, Mannheim und Esslingen. 23 Partner unterstützen die Bewerbung der MRN, die mit fünf anderen Regionen um ein Fördervolumen von 20 Millionen Euro bei einem Gesamtprojektvolumen von mindestens 80 Millionen Euro konkurriert. Die Entscheidung über den Zuschlag soll Ende August fallen, führte der MRN-Bereichsleiter Energie & Umwelt, Bernd Kappenstein, gestern in Mannheim aus. Das wirtschaftliche Potenzial der Thematik für die Region ist wesentlich höher. In einer Analyse, die der Bewerbung zugrunde liegt und die unter anderem die Industrie- und Handelskammern Mannheim und für die Pfalz, die Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg, die MRN und der Verband Region Rhein-Neckar finanziert haben, identifizieren deren Autoren ein Investitionsvolumen bis 2030 von 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro in der MRN. Zwar ist der geschätzte Zugewinn an Arbeitsplätzen mit maximal 7400 im Fahrzeugbau in Baden-Württemberg eher bescheiden. Er könne aber helfen, den Strukturwandel in der Branche abzumildern. Zudem sichere sich die Region über neue Ausbildungsberufe das notwendige technische Know-how. Gerade, weil in der Region Wasserstoff-Schlüsselindustrien stark vertreten seien – Fahrzeugzulieferer wie Freudenberg oder -bauer wie Daimler mit dem Motorenwerk und der Bustochter Evobus in Mannheim sowie dem Lkw-Werk in Wörth und der weltgrößte Chemiestandort der BASF in Ludwigshafen – ergebe ein solcher Schwerpunkt als Wachstumsmotor in der Region Sinn. Den Investitionsbedarf in die notwendige Infrastruktur, so etwa für Wasserstofftankstellen, beziffern die Studienmacher auf rund 300 Millionen Euro. Das könnte auch die Westpfalz umweltfreundlich mobilisieren: der Potenzialanalyse zufolge mit bis zu 54 wasserstoffbetriebenen Zügen, die im Pfalznetz Dieselfahrzeuge ersetzen könnten und an drei bis vier Tankstellen betankt werden.