Tarifverhandlungen
Verdi fordert deutlich höhere Löhne im Handel
Für die rund 150.000 Beschäftigten im rheinland-pfälzischen Einzel- und Versandhandel fordert die Gewerkschaft Verdi, die Löhne um 225 Euro zu erhöhen. Der Handelsverband Rheinland-Pfalz hat dies vor Beginn der am 28. April startenden Tarifrunde abgelehnt.
Steigende Einkommen sind nach Ansicht von Verdi sowohl im Einzel- und Versandhandel als auch im Groß- und Außenhandel „dringend nötig“. Für die Beschäftigten dort sollen Löhne und Gehälter um 250 Euro angehoben werden. Die Preise seien massiv gestiegen – „allein Lebensmittel seit 2019 um 40 Prozent“, sagt Verdi-Landesfachbereichsleiterin Monika Di Silvestre, die die Verhandlungen für den Einzelhandel führt. Neben der Erhöhung der Löhne und Gehälter fordert Verdi zudem, die Auszubildendenvergütung – auch im Groß- und Außenhandel – je Ausbildungsjahr um 150 Euro anzuheben. Der neue Tarifvertrag soll nach Wunsch der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.
„Nicht verkraftbar“
Der Handelsverband hält die Forderungen für wirtschaftlich nicht darstellbar und warnt vor den Folgen für Betriebe und Beschäftigung im Land. Die Forderung von Verdi entspräche für die unteren Entgeltgruppen einer Steigerung von 10, beim Verkäufereckgehalt (G II Endstufe 3219 Euro) einer Steigerung von 7 Prozent, sagt Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands. Besonders deutlich werde die Unverhältnismäßigkeit bei den Azubi-Vergütungen. Die geforderten Erhöhungen würden zu Steigerungen von 11,2 bis 13,6 Prozent führen – je nach Ausbildungsjahr. Dies würden viele Betriebe nicht mehr verkraften. Nach Ansicht von Scherer könnte dies dazu führen, dass die Bereitschaft junge Menschen im Handel auszubilden weiter zurückgehe.
Verdi sieht hingegen in den bisherigen Vergütungen einen Grund dafür, dass sich viele Menschen, gerade auch junge, beruflich neu orientieren und den Handel bei der Arbeitsplatzsuche nicht mehr in Betracht ziehen. Die Beschäftigten im Handel „halten den Laden am Laufen, oft unter hohem Druck, mit knapper Personaldecke und immer höheren Anforderungen“, sagt Monika Di Silvestre. Gleichzeitig merkten sie an der Kasse, bei Miete und Energie jeden Euro. Deshalb brauche „es in dieser Tarifrunde spürbare Entgeltsteigerungen, die den Alltag der Beschäftigten tatsächlich entlasten“, sagt Monika Di Silvestre.
„Lage alarmierend“
Der Handelsverband appelliert an die Gewerkschaft, „die Realität nicht aus den Augen zu verlieren“. Die wirtschaftliche Lage des rheinland-pfälzischen Einzelhandels „ist heute bereits alarmierend“, sagt Thomas Scherer. Unternehmen kämpften seit Jahren mit explodierenden Kosten bei Energie, Wareneinkauf, Logistik und Personal. Priorität müsse die Zukunftsfähigkeit des Einzelhandels und die Sicherung der Arbeitsplätze haben.
Die jüngste Tarifrunde im Handel war im Juni 2024 nach zähen, fast zwölfmonatigen Verhandlungen zu Ende gegangen. Die Beschäftigten erhielten damals rückwirkend zum Oktober 2023 5,3 Prozent mehr Geld. Ab Mai 2024 gab es eine weitere Erhöhung von 4,7 Prozent. Im dritten Tarifjahr erhöhen sich die Entgelte zunächst um einen Festbetrag von 40 Euro und von Mai 2025 an um weitere 1,8 Prozent.