Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Unternehmerverbände: Johannes Heger will’s machen

Mittelständler mit verbandspolitischem Engagement: der 56-jährige Johannes Heger.
Mittelständler mit verbandspolitischem Engagement: der 56-jährige Johannes Heger.

An der Spitze der rheinland-pfälzischen Unternehmerverbände geht eine Ära zu Ende. Johannes Heger will Nachfolger von Gerhard F. Braun werden.

Es gab mit Sicherheit schon einfachere Zeiten, um ein Industrieunternehmen zu führen, das zudem einen hohen Energieverbrauch hat. Das bekommt auch Johannes Heger zu spüren, der als Geschäftsführender Gesellschafter an der Spitze der Heger-Gruppe mit Sitz in Enkenbach-Alsenborn steht. Als Gießerei samt Elektroschmelzbetrieb stehe man derzeit vor „irren Herausforderungen“, umschreibt der 56-Jährige die Schwierigkeiten, die sich für seine Firma, wie für viele andere Unternehmen, vor allem aus den geradezu explodierenden Energiekosten ergeben.Das alles hält den Mittelständler nicht davon ab, sich an diesem Dienstag beim Unternehmertag in Mainz um den höchsten Arbeitgeberposten im Land zu bewerben: Heger, der in seinem Betrieb derzeit 230 festangestellte Mitarbeiter sowie 30 Zeitarbeiter beschäftigt und in diesem Jahr einen Umsatz von 60 Millionen Euro anpeilt, will Nachfolger von Gerhard F. Braun werden. Der 66-Jährige hört nach 20 Jahren an der Spitze der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU) auf.

Als Schatzmeister sei er mit der Arbeit im LVU-Vorstand schon länger vertraut. Die Aufgabe, Standortpolitik mit zu gestalten, mache ihm „viel Spaß“. Jetzt sei es „attraktiv“ für ihn, den Schritt an die Spitze der Vereinigung zu machen, beschreibt Heger seine Motivation, sich als Brauns Nachfolger zur Wahl zu stellen.

Schon der Vater war verbandspolitisch engagiert

Verbandsarbeit ist ihm ohnehin nicht fremd. Seit 2013 ist der dreifache Vater – ein Sohn arbeitet inzwischen im Betrieb – auch Präsident der pfälzischen Metall- und Elektroarbeitgeber (Pfalzmetall); ein Amt, das er weiter ausüben will.

Das Interesse am Engagement über den eigenen Betrieb hinaus wurde Heger schon in der eigenen Familie vorgelebt: Sein Vater Hans-Jakob Heger, von dem er 2002 die Leitung des Unternehmens übernommen hatte, war beispielsweise ebenfalls Pfalzmetall-Präsident. Es sei in seiner Familie „nie die Frage“ gewesen, dass man sich als Unternehmer auch verbands- und gesellschaftspolitisch engagiert, sieht Heger darin auch eine gewisse Verpflichtung.

Warnung vor „Verteilungskampf um Energie“

Eine Verpflichtung, die vielleicht gerade in Zeiten wie diesen noch wichtiger ist als sonst. Was derzeit passiere, sei weit mehr als der von der Wirtschaft immer wieder eingeforderte Wandel, beschreibt Heger die Situation; es mache sich „handfeste Unsicherheit“ breit. Das aber sei „Gift“ für die Wirtschaft. Nun gelte es aufzupassen, dass diese Unsicherheit nicht „überschwappt“, was dann auch dauerhaft negative Folgen für den Standort haben könnte.

Wie das in einem dermaßen exportorientierten Land wie Rheinland-Pfalz verhindert werden kann, wird die LVU – und damit Heger, dessen Wahl als sicher gilt – intensiv mit der Landesregierung und den Gewerkschaften besprechen. Dabei nennt Heger drei Kernforderungen, die sich vor allem an die Politik richten: Zum einen müsse in Sachen Energie „Freiheit durch Versorgung“ sichergestellt werden, sprich es dürfe nicht zu einem „Verteilungskampf um Energie“ kommen. Zum anderen gehe es um „bedarfsorientierte Bildung“, um die Nachfrage der Unternehmen nach Fachkräften sicherzustellen. Heger verweist darauf, das schon jetzt viele Ausbildungsplätze mangels Bewerbern nicht besetzt werden könnten. Daneben wünscht sich Heger mehr „ganzheitliches“ Denken bei Infrastrukturmaßnahmen, also bei Planung und Bau von Straßen, Stromtrassen oder Internetverbindungen.

Gerhard F. Braun verabschiedet sich nach 20 Jahren

Mit dem Wechsel an der Spitze der LVU geht in dem Verband, unter dessen Dach 30 Branchen von Metall und Chemie über Schmuck und Nahrung bis zu Versicherungen und Zeitarbeit mit rund 97.000 Betrieben organisiert sind, eine Ära zu Ende. Zwei Jahrzehnte stand Gerhard F. Braun an der Spitze der LVU. Braun sei es gelungen, über Vertrauen und Kommunikation die Grundlagen für die Zusammenarbeit mit der Politik und den gesellschaftlichen Gruppen zu legen, unterstreicht Heger dessen Verdienste. Deshalb, betont er, werde der personelle Wechsel nicht mit einem Kurswechsel einhergehen. „Wir müssen keinen Schnitt machen“, sagt er, denn Gerhard F. Braun habe „gezeigt, wie es geht“.

Heger selbst hat in den vergangenen Jahren schon häufiger unter Beweis gestellt, dass auch er in der Lage ist, aus unterschiedlichen Positionen Kompromisse und tragfähige Lösungen zu schmieden und dabei auch die Lage und Interessen der Gegenseite nicht aus den Augen zu verlieren. Genau diese Eigenschaften sind nämlich in Tarifverhandlungen gefragt; und Heger war zuletzt regionaler Verhandlungsführer in der Metall- und Elektroindustrie.

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