Wirtschaft
Tomaten-Heinz geht die Kraft aus
Ketchup-Imperium mit Pfälzer Wurzeln in Kallstadt muss herbe Verluste verdauen. Auch die Börsenaufsicht ermittelt.
Pittsburg/Kallstadt. Den Chefs des US-Nahrungsmittelkonzerns The Kraft Heinz Company mit Sitz in Chicago dürfte der Appetit gehörig vergangen sein: Der fünftgrößte Lebensmittelhersteller der Welt – mit Wurzeln im pfälzischen Kallstadt – ist 2018 in die Ketchup-roten Zahlen gerutscht. Das hat mit unseren veränderten Ernährungsgewohnheiten zu tun. Marktbeobachter stellen fest, dass die Verbraucher – sogar in den USA! – stärker auf gesunde, frische und regionale Lebensmittel achten.
Süße Lebensmittel nicht mehr angesagt
Da gehört Tomaten-Ketchup der weltweit bekannten Marke Heinz mit seinem hohen Zucker-Anteil nicht unbedingt dazu. Die Konsumgewohnheiten ändern sich also, der Hunger auf Fast Food und Fertigprodukte nimmt ab. Ungesundes liegt den Kunden zunehmend schwer im Magen und brennt ihnen auf der Seele.
Bilanzen werden überprüft
Während die Kunden Kraft Heinz zunehmend auf Diät setzen und gar auf eine Durststrecke schicken, interessiert sich die US-Börsenaufsicht zunehmend für die Company, die 2018 umgerechnet rund 14 Milliarden Euro auf den Wert von Marken und Sparten abschreiben musste. Sie versalzt dem Unternehmen zusätzlich die Suppe, indem sie die Bilanzierungsmethoden und das interne Controlling prüft. Denn da scheint aufgrund verdorbener Sitten irgendetwas nicht sauber abgelaufen zu sein. Umgerechnet 9,1 Milliarden Euro Minus im vergangenen Jahr und noch dazu die Ermittlungen: Die Lage von Kraft Heinz mit rund 41.000 Mitarbeitern weltweit erscheint wie ein großer, peinlicher Soßen-Fleck auf einem weißen Business-Hemd. Das Image leidet, der Ruf ist ramponiert. Das stößt auch den Aktionären bitter auf. Ärger gibt es zudem mit dem deutschen Lebensmittelhändler Edeka: Kraft Heinz hat die Belieferung mit seinen Produkten, darunter Grillsoßen, eingestellt, weil Edeka die Preiserhöhungen nicht akzeptiert.
Investor Buffett mischt mit
Dabei war man nach der Fusion der Lebensmittelkonzerne Kraft Foods und H. J. Heinz vor vier Jahren mit Heißhunger in die Märkte gestartet. Kein Geringerer als der prominente US-Superinvestor Warren Buffett saß mit am Tisch. Er brachte zusammen mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G den Ketchup-Spezialisten Heinz in die Nahrungsmittel-Ehe ein und hat auch jetzt noch seine Finger im Spiel. Die neue Company startete flott und wollte sich alsbald in gefräßiger Weise einen dicken Fisch einverleiben. Doch es klappte nicht: Der britisch-niederländische Konsumgüterhersteller Unilever sträubte sich vor rund zwei Jahren gegen eine Übernahme und wollte lieber weiterhin sein eigenes Süppchen kochen. Was hat Kraft Heinz mit seinen rund 200 Marken – darunter Philadelphia Käse – eigentlich mit der Pfalz und dem schönen Wein- und Gastronomie-Dorf Kallstadt zu tun? Die Antwort: Das hängt – genauso wie bei US-Präsident Donald Trump – mit den Vorfahren zusammen. Denn 1811 wurde in Kallstadt Johann Heinrich Heinz geboren, der mit seiner Frau in die Staaten auswanderte und acht Kinder hatte. Eines davon war Henry John Heinz. Der Junge entwickelte sich zum Geschäftsmann und gründete zunächst 1869 und dann 1876 im US-Bundesstaat Pennsylvania Firmen, die zum Beispiel Meerrettich im Glas herstellten.
Zu Besuch in Kallstadt
Doch es wurde auch Tomaten-Ketchup produziert – jene Würzsoße aus Zucker, Tomatenmark, Essig, Salz und Gewürzen, die den Überlieferungen zufolge zunächst jedoch nichts mit Tomaten, sondern ab dem 17. Jahrhundert mit Sojabohnen zu tun hatte. Der Tomaten-Ketchup wurde erst später populär, vor allem Ende des 19. Jahrhunderts in den USA und in England. Woher das Wort Ketchup stammt, ist unklar. Eine Version nimmt auf das indonesische Wort Kecap Bezug, das für Sojasoße steht.1919 starb Henry John Heinz, besuchte zu Lebzeiten aber einige Male den Ort seiner familiären Wurzeln – was Kallstadt in Sachen Trump ja noch bevorsteht. Nicht nur mit Ketchup, auch mit Limonade macht Kraft Heinz Geschäfte, denn das Getränk Capri-Sun (früher Capri-Sonne) wird in den USA von der Company in Lizenz vertrieben. Erfunden hat es jedoch der 1995 verstorbene Unternehmer Rudolf Wild. Unter verschiedenen Werksnamen wurde und wird es in Heidelberg-Eppelheim produziert, wo heute die ADM Wild Europe GmbH & Co. KG sowie die Capri Sun Vertriebs GmbH sitzen.
Zitiert
Weißt du, was die in Holland statt Ketchup auf die Pommes tun? Was denn? Mayonnaise! Igitt, ist ja ekelhaft. Hab ich selbst gesehen, die ersäufen sie in der Tunke.Dialog aus dem 1994er US-Kultfilm „Pulp Fiction“ mit John Travolta in der Hauptrolle.