Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Systemlieferant Rala legt in umkämpftem Markt zu

Mehr als 15.000 Einzelteile hält das Unternehmen im Lager in Ludwigshafen vor.
Mehr als 15.000 Einzelteile hält das Unternehmen im Lager in Ludwigshafen vor.

Über vier Generationen war Rala familiengeführt. Seit 2015 gehört der Systemlieferant für Technik und Arbeitsschutz zum französischen Konzern Descours & Cabaud und ist seither kräftig gewachsen. Die frühe Vorratshaltung zahlt sich in den jetzt schwierigen Zeiten aus.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich Rala „besser entwickelt als die Branche und ist kräftig gewachsen“, sagt Geschäftsführer Michael Fredl. Der Umsatz stieg von 62 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 72,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für das laufende Geschäftsjahr plant das Unternehmen mit einem weiteren Umsatzzuwachs auf etwa 75,8 Millionen Euro.

Rala gilt als einer der größten technischen Händler in Deutschland und ist Spezialist für Schlauch- und Armaturen-, Dichtungs- und Antriebstechnik sowie Arbeitsschutzartikel. Der deutliche Umsatzanstieg hatte auch auf die Anzahl der Arbeitsplätze einen positiven Effekt. Waren es rund 260 Beschäftigte zum Zeitpunkt des Verkaufs bei den beiden Rala-Gruppengesellschaften in Ludwigshafen und Heilbronn, zählt die Rala GmbH & Co. KG heute 320 Mitarbeiter, davon rund 250 am Stammsitz in Ludwigshafen. Heilbronn ist inzwischen in die Ludwigshafener Gesellschaft eingegliedert.

Vertrieb zunehmend internationaler

Gewachsen sind auch die Lager- und Produktionsflächen. In Ludwigshafen wurden die Lagerkapazitäten um 30 Prozent erweitert und die Produktion um 1000 auf 2500 Quadratmeter vergrößert. In Ludwigshafen stellen 33 Mitarbeiter unter anderem Dampf- und Chemikalienschutz-Schläuche sowie Flachdichtungen her. Zudem wurden am Stammsitz neue Maschinen angeschafft. Rund 1,3 Millionen Euro hat das Unternehmen in den vergangen Jahren dafür investiert. Rund 750.000 Euro kosteten die Erweiterung der Werkstätten für Kunststoffe und Gummitransportbänder und neue Maschinen am Standort Heilbronn, wo 23 Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt sind.

Mit dem Verkauf an den – ebenfalls familiengeführten – Konzern Descours & Cabaud (D&C) wollte die Familie Lampert erreichen, dass Rala „in einem von deutlichen Konzentrationsbestrebungen geprägten Markt in Deutschland auch künftig seine hervorgehobene Position weiter ausbauen kann“. So begründete 2014 der damalige Geschäftsführer Jochen Lampert die Entscheidung, die Familienanteile an den Rala-Gesellschaften – mit Ausnahme der Immobiliengesellschaften – abzugeben. Das Wachstum der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass diese Entscheidung richtig war, sagt Geschäftsführer Fredl heute. Unter dem Dach von D&C habe Rala eine wesentlich bessere Überlebenschance. Mit der französischen Muttergesellschaft werde auch der Vertrieb von Rala zunehmend internationaler. Deshalb hat Rala auch das 2009 eröffnete Verkaufsbüro im spanischen Sitges geschlossen und sich von seiner Beteiligung am belgischen Industrieanlagenanbieter Interseal getrennt.

Die jetzt schwierige Zeit der Coronavirus-Pandemie hat das Unternehmen bisher ohne große Blessuren überstanden. Auch wenn große Industriekunden wie die Autobauer Daimler und Audi oder der Heidelberger Druckmaschinen-Konzern selbst auf Sicht fahren: Kurzarbeit ist bei Rala derzeit kein Thema, sagt Fredl. Jetzt wirke sich zum einen der breite Kundenmix positiv aus. Zu den Kunden von Rala zählen Kommunen und Handwerksfirmen, vor allem aber Industriebetriebe aus den Branchen Chemie, Pharma, Maschinenbau, Energie sowie Lebensmittelherstellung. Zudem habe das Unternehmen bereits im Februar begonnen, größere Vorräte von Arbeitsschutz-Artikeln anzulegen. Dazu gehörten Mundschutze, Masken und Einweghandschuhe. Damit habe man Ausfälle in anderen Bereichen kompensieren können. Dass Rala vor Jahren in die Digitalisierung investiert hatte, etwa in die Abwicklung von Geschäftsprozessen, „kommt uns in der Pandemie ebenfalls zugute“, sagt Fredl. Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten derzeit von zu Hause aus.

Lederwarengeschäft der Ursprung

Das 1782 gegründete Unternehmen Descours & Cabaud (D&C) aus dem französischen Lyon ist mit einem Gesamtumsatz von rund 3,9 Milliarden Euro und 14.000 Mitarbeitern eines der weltweit größten Unternehmen im technischen Handel. Die Ursprünge von Rala gehen auf ein 1889 gegründetes Lederwarengeschäft in der Ludwigshafener Innenstadt zurück. Für die Verbraucher stand Rala – der Name steht stellvertretend für die Gründerfamilien Rausch und Lampert – viele Jahre lang als Synonym für ein Sport- und Spielwarengeschäft in der Ludwigshafener Innenstadt. Wegen des sich stark verändernden Markts und um die Zukunft des Geschäftsbereichs technischer Handel zu sichern, zog sich Rala im Jahr 1994 aus dem Segment Einzelhandel zurück. Das Geschäft in der Ludwigshafener Innenstadt hatte Felix Lampert an Sport Scheck und Vedes, das Gebäude an eine Immobiliengesellschaft verkauft. Felix Lampert, Sohn des Firmenmitgründers Hermann Lampert trat mit 15 Jahren in den elterlichen Betrieb ein, den er von 1996 bis 2006 gemeinsam mit seinem Sohn Jochen führte. Jochen Lampert schied im vergangenen Jahr aus dem Unternehmen aus und übergab die Geschäftsführung an Michael Fredl, der seit 1992 bei Rala ist.

Etwa 250 der 320 Mitarbeiter sind am Stammsitz des Unternehmens beschäftigt.
Etwa 250 der 320 Mitarbeiter sind am Stammsitz des Unternehmens beschäftigt.
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