Bahnverkehr Streik: Erneuter Stillstand bei der Bahn
Warum ruft die EVG schon wieder zum Streik auf?
Die Arbeitgeber würden sich bislang „konstruktiven Tarifverhandlungen“ verweigern; sie hätten deshalb auch den erneuten Streik zu verantworten, sagte EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay am Mittwoch. Ihr Kollege Kristian Loroch kritisierte insbesondere die „Verweigerungshaltung“ der Deutschen Bahn AG (DB); damit würden die Bahn-Beschäftigten „verhöhnt“.
Ende März dauerte der Streik einen ganzen Tag, dieses Mal nur einige Stunden. Geht der EVG die Luft aus?
Danach sieht es derzeit nicht aus. Die Tarifvorstände begründen den kürzeren Ausstand damit, dass die Arbeitskampfmaßnahmen „verhältnismäßig“ sein sollen. „Wir wollen nicht die Bevölkerung treffen“, betonte Kristian Loroch. Der Streik sei auf den Freitagvormittag begrenzt worden, um Urlauber und Wochenendfahrer nicht über Gebühr zu belasten. Ob dieses Ziel erreicht wird, bleibt freilich abzuwarten.
Womit müssen Fahrgäste rechnen?
Mit „massiven Auswirkungen“ (EVG) beziehungsweise „erheblichen Einschränkungen“ (DB). So wird der Fernverkehr laut DB am Freitag bis 13 Uhr komplett stillstehen und danach schrittweise wieder anlaufen. Mit Auswirkungen sei bis in die Abendstunden hinein zu rechnen. Auch im Regionalverkehr werden vormittags die meisten Räder stillstehen.
Was können Reisende tun?
Am besten umplanen, lautet der Tipp der Bahn. Wer seine für Freitag geplante Fahrt wegen des Warnstreiks verschieben will, kann sein Ticket ab sofort bis zum 25. April flexibel nutzen. Voraussetzung ist, dass die Fahrt bis einschließlich 18. April gebucht wurde. Die DB hat für Kunden unter 08000-996633 eine kostenlose Streikhotline eingerichtet.
Sind weitere Streiks möglich?
Ja, daran ließ Kristian Loroch keinen Zweifel. Wenn die Arbeitgeber kein entsprechendes Angebot vorlegen würden, laufe man in eine weitere Eskalationsstufe hinein, dann seien auch mehrtägige Ausstände denkbar.
Ist eine rasche Lösung des Konflikts absehbar?
Danach sieht es derzeit nicht aus. Das liegt zum einen am Verfahren. Die EVG verhandelt nicht nur mit der DB, sondern auch mit 50 anderen Bahnunternehmen – und zwar jeweils getrennt. Das dauert. Am kommenden Dienstag steht die nächste Verhandlungsrunde mit der DB an, ein weiteres Treffen ist erst für Ende Mai geplant.
Zum anderen zeigt sich die Gewerkschaft vor allem über die DB verärgert. Die habe bisher nur „Scheinangebote“ vorgelegt. Gar nicht gut an kam dabei der neueste Vorschlag von DB-Personalvorstand Martin Seiler. Der hatte am Wochenende die Schlichtungsempfehlung für den öffentlichen Dienst als Orientierung für die Bahn-Verhandlungen bezeichnet und die Bereitschaft erklärt, eine bahnspezifische Lösung zu vereinbaren, die sich am Volumen des öffentlichen Dienstes orientieren solle. Man sei weder der öffentliche Dienst noch Teil des Schlichtungsprozesses gewesen, erteilte Kristian Loroch der Idee eine klare Absage. Die EVG pocht auf tarifpolitische Eigenständigkeit und darauf, dass sich die Arbeitgeberseite mit den EVG-Forderungen auseinandersetzt, statt, wie es Loroch formulierte, Empfehlungen an andere Gewerkschaften abzuschreiben. Seiler wiederum bekräftigte am Mittwoch seine Position: Warum solle das, was für 2,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst gut sei, nicht auch für die 180.000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner gut sein?
Was fordert die EVG?
Im Kern fordert die Gewerkschaft bei allen Bahn-Unternehmen mindestens 650 Euro mehr Entgelt pro Monat beziehungsweise für höhere Einkommensgruppen eine Lohnerhöhung von 12 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Hinzu kommen vielfach unternehmensspezifische Themen. So gibt es beispielsweise bei der DB einen speziellen Konflikt über das Thema Mindestlohn.
Was bietet die DB?
Deren erstes Angebot sah fünf Prozent mehr Entgelt in zwei Schritten vor, zudem Inflationsausgleichsprämien von insgesamt 2500 Euro. Als Laufzeit schlug die Bahn 27 Monate vor. Die EVG wies die Offerte als inakzeptabel zurück. Am Mittwoch bekräftigte Tarifvorstand Kristian Loroch, dass Einmalzahlungen oder Inflationsprämien „keine Option“ seien. Es gehe um dauerhaft wirksame Lohnsteigerungen. Steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen sind inzwischen Bestandteil zahlreicher Tarifabschlüsse.
Zeitgleich zur Bahn werden auch Flughäfen bestreikt. Gab es da erneut Absprachen?
Tatsächlich trifft es am Freitag nicht nur Bahnkunden, sondern auch Fluggäste, zumindest an den Flughäfen Stuttgart Köln/Bonn, Düsseldorf und Hamburg. Dort hat Verdi für Freitag (Stuttgart) beziehungsweise für Donnerstag und Freitag zu Warnstreiks aufgerufen. Eine Absprache mit Verdi, wie sie beim ganztägigen Streik Ende März getroffen wurde, gebe es diesmal aber nicht, sagte EVG-Tarifvorstand Loroch.