Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Startschuss für den Deutschland-Takt

Auf den wichtigsten ICE-Strecken sollen künftig Züge im Halbstundentakt fahren. Dazu gehört auch die Linie von Mannheim nach Bas
Auf den wichtigsten ICE-Strecken sollen künftig Züge im Halbstundentakt fahren. Dazu gehört auch die Linie von Mannheim nach Basel. Hier fährt heute stündlich ein ICE nach Basel und zweistündlich einer nach Zürich.

Bahnkunden sollen schneller ans Ziel kommen und deutlich mehr Güter von der Straße auf die Schiene geholt werden. Das sind Ziele, die in einem am Dienstag unterzeichneten „Schienenpakt“ vereinbart wurden. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild.

Nach zweijähriger Arbeit unterzeichneten in Berlin Vertreter von Bundesregierung, Gewerkschaften, Bahn-Unternehmen und Verbänden den Fahrplan für die Zukunft der Schiene. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte, die Schiene könne der Verkehrsträger Nummer eins werden. Bis 2030 sollen doppelt so viele Menschen mit der klimafreundlicheren Bahn fahren wie bisher. Zentrales Element des Pakts ist der Deutschland-Takt, für den gestern ein neuer Fahrplanentwurf vorgelegt wurde. In dem mittlerweile dritten Gutachterentwurf des Schweizer Unternehmens SMA, das auch den Rheinland-Pfalz-Takt konzipiert hat, spielt der Knoten Mannheim eine bedeutende Rolle.

Zentrale Rolle für ICE-Knoten Mannheim

Für den derzeitigen Taktknoten zur halben Stunde sind drei statt zwei Züge pro Stunde und Richtung vorgesehen, zur vollen Stunde soll es einen weiteren Taktknoten mit jeweils zwei Zügen geben. Neu ist, dass sich die Fahrzeit zwischen Mannheim und Stuttgart durch einen stark verbesserten Nordzulauf auf Stuttgart um sechs Minuten verkürzte soll. Nördlich von Stuttgart gibt es bereits heute einen Engpass, der sich durch „Stuttgart 21“ weiter verschärfen wird. Für die konzipierten Verbesserungen im Knoten Mannheim wird die geplante Neubaustrecke von Mannheim nach Frankfurt gebraucht,

Bundesverkehrsminister Scheuer nannte den Deutschland-Takt eine „kleine Revolution“. Er solle nicht nur im Personenfernverkehr Verbesserungen bringen. „Es geht um bessere, schnellere und zuverlässigere Verkehrsangebote für Personen und Güter“, sagte auch der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann.

Großer Schritt für 2025 geplant

Allerdings wird es auf vielen Strecken noch Jahre dauern, bis der Deutschland-Takt umgesetzt ist. Ein großer Schritt solle 2025 erfolge, so Scheuer. Bereits im kommenden Dezember und damit ein Jahr früher als bisher angekündigt, sollen zwischen Berlin und Hamburg Fernzüge im Halbstundentakt fahren. Nach und nach sollen dann auch auf weiteren Fernstrecken Halbstundentakte eingeführt werden. Voraussichtlich ab Ende 2025 soll das auch zwischen Mannheim und München der Fall sein. Bahnchef Richard Lutz sagte: „Fundamental ist der Ausbau der Infrastruktur.“ Daher sollen nun etwa viel belastete Knotenpunkte ausgebaut werden, geplant sind daneben der Aus- und Neubau sowie die Reaktivierung von Strecken.

Doch noch sind viele Fragen offen – und wie so oft geht es dabei ums Geld. „Das ist noch eine Blackbox“, sagte Klaus-Dieter Hommel, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die ebenfalls an der Ausarbeitung beteiligt war. „Es gibt noch keine Entscheidung und keine Vorstellungen wie die Finanzierung künftig aussehen soll.“

Auch im Güterverkehr soll Marktanteil wachsen

Denn klar ist: Schon jetzt ist die Infrastruktur an vielen Stellen überlastet. Der Plan der Bahnbranche sieht nicht nur mehr Personenverkehr vor, sondern will auch den Anteil der Schiene am Güterverkehr bis 2030 von derzeit 19 auf rund 25 Prozent erhöhen. All das erfordert zusätzliche Kapazitäten. Im neuen Plan steht nun die Forderung, die Mittel für Neu- und Ausbauvorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan sollten deutlich erhöht werden, von derzeit 1,5 Milliarden Euro auf bis zu 4 Milliarden Euro pro Jahr. Beschlossen ist dies aber noch nicht. Kommentar: Mogelpackung Deutschland-Takt?

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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