Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Schwacher Nordamerika-Markt verhagelt Daimler Truck Geschäft

Der eActros 600 wird im Stammwerk Wörth seit November 2024 in Serie gefertigt.
Der eActros 600 wird im Stammwerk Wörth seit November 2024 in Serie gefertigt.

Die Absatzflaute in Nordamerika hat das Geschäft von Daimler Truck belastet. Die Sparte Mercedes Benz Trucks, zu der das Werk in Wörth gehört, legte hingegen zu.

Wegen des „schwachen Frachtumfelds und ausstehender regulatorischer Klarheit“ seien die Kunden in Nordamerika weiter zurückhaltend. Das nannte das Unternehmen bei der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen als Gründe für den Einbruch in diesem Segment. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lag der Absatz mit 30.225 Einheiten rund 39 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals, der Umsatz sank um 33 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 64 Prozent auf 257 Millionen Euro ein. Die schwachen Zahlen aus Nordamerika, aber auch Asien, führten zu deutlichen Rückgängen der Konzernkennzahlen. Das bereinigte Ebit lag im dritten Quartal mit 716 Millionen Euro 40 Prozent unter dem Vorjahreswert, sagte Finanzchefin Eva Scherer. Teils deutliche Rückgänge gibt es auch bei Umsatz, Absatz und Auftragseingang.

Mercedes Benz Trucks positiv

Positiv entwickelt hat sich dagegen Mercedes Benz Trucks. Die Fahrzeuge der Marke werden zu einem großen Teil im weltweit größten Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth gefertigt. Der Absatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zur Vorjahreszeit um 8 Prozent auf 39.290 Fahrzeuge, der Umsatz legte um 3 Prozent auf rund 4,9 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ebit war mit 319 Millionen Euro 12 Prozent über dem Vorjahreswert.

Positiv entwickelt hat sich der Umsatz auch bei Daimler Buses, zu dem ein Werk in Mannheim gehört. Er lag mit 1,4 Milliarden Euro rund 14 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Enorm zulegt hat konzernweit der Absatz batterie-elektrischer Fahrzeuge, wozu auch der in Wörth produzierte Fernverkehrs-Lkw eActros 600 gehört. Im dritten Quartal verkaufte Daimler Truck 1833 Einheiten. Ein Plus von 175 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Das Werk in Wörth zieht rund ein Jahr nach dem eActros-Serienstart eine positive Bilanz. Die Produktion sei sukzessiv erhöht worden. Mercedes Benz Trucks habe in Bezug auf schwere Elektro-Lkw einen Marktanteil von beinahe 50 Prozent in Europa erreicht, sagte Standortleiter Andreas Bachhofer.

Scherer und Konzernchefin Karin Radström sehen den Konzern trotz der schwachen Quartalszahlen auf gutem Weg. Daimler Truck erziele Fortschritte bei den Kosten und habe in unsicheren Zeiten eine gesteigerte Widerstandskraft unter Beweis gestellt. Mercedes Benz Trucks sei wieder Nummer 1 im europäischen Markt, Trucks North America sei Marktführer in den Vereinigten Staaten.

Keine Info zu Stellenabbau

Auf den geplanten Stellenabbau ging Scherer auch am Freitag nicht näher ein. Angekündigt hatten er und Konzernchefin Karin Radström schon im Sommer, dass bis 2030 rund konzernweit 5000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Intern gibt es seit Monaten Streit zwischen Arbeitnehmervertretern und der Geschäftsleitung um diese Zahl. Wie stark das weltweit größte Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth mit etwa 10.000 Beschäftigten davon betroffen ist, bleibt offen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, dass bis zum Jahr 2030 die jährlichen Fixkosten durch Einsparungen unter anderem bei Material und Personal, aber auch beim Verkauf und der IT in Europa um mehr als 1 Milliarde Euro sinken sollen.

An dem mehrfach gesenkten Ausblick fürs Gesamtjahr hielt Daimler Truck am Freitag fest. Der Konzern erwartet, 410.000 bis 440.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Absatz bei mehr als 460.000 Einheiten. Das bereinigte Ebit werde 2025 etwa zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Im vergangenen Jahr betrug das Ebit 4,7 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite soll zwischen 7 und 9 Prozent liegen. Im dritten Quartal erreichte der Konzern im Industriegeschäft eine Marge von 6,3 Prozent, 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal. Hier steht Daimler Truck enorm unter internem Druck. Aufsichtsratschef Joe Kaeser erwartet eine auf den Umsatz bezogene Rendite zwischen 10 und 15 Prozent und einen auf 50 Milliarden Euro fast verdoppelten Börsenwert.

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