Wirtschaft Scherer kauft VW-Mühlenberg

Zur Mühlenberg-Gruppe gehört auch das VW-Autohaus in der Ludwigshafener Bruchwiesenstraße.
Zur Mühlenberg-Gruppe gehört auch das VW-Autohaus in der Ludwigshafener Bruchwiesenstraße.

«Ludwigshafen/Simmern.» Die Ludwigshafener Mühlenberg-Gruppe, zu der sieben Autohäuser der Marken VW, VW-Nutzfahrzeuge, Audi und Skoda sowie eine Kfz-Reparaturwerkstatt gehören, wird verkauft. Käufer ist die Scherer-Gruppe, Simmern, ein ebenfalls auf die Volkswagen-Konzernmarken spezialisiertes Kfz-Handelsunternehmen mit bisher 17 Standorten. Das Hunsrücker Unternehmen werde alle 250 Mühlenberg-Mitarbeiter weiterbeschäftigen, sagte Scherer-Marketing-Leiter Ralph Paulus gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage. Zum Kaufpreis wurde keine Angabe gemacht.

Scherer übernimmt sechs der sieben bisherigen Mühlenberg-Standorte. Einzig das Autohaus in Grünstadt schließe zum 1. November, hieß es. Der Mietvertrag der Grünstadter Immobilie – die übrigen gehören dem bisherigen Mühlenberg-Gesellschafter Michael Müller – laufe zu diesem Zeitpunkt aus und sei nicht verlängert worden. Laut Scherer-Marketingchef Paulus sei das Haus „auf Dauer nicht wirtschaftlich zu betreiben“. Die übrigen Mühlenberg-Standorte – drei Autohäuser sowie eine Reparaturwerkstatt in Ludwigshafen sowie je ein Autohaus in St. Ingbert, Ladenburg und Bad Dürkheim – würden hingegen erhalten und bis auf den Standort in Nordbaden künftig unter dem Namen Scherer weitergeführt. Das Ladenburger Autohaus wird den bisherigen Namen Vogel behalten. Als Gründe für den Verkauf nannte Mühlenberg-Verkäufer Müller gestern die Vorgabe „Wachse oder weiche“ des VW-Mutterkonzerns. Dieser habe das Signal gesendet, dass die Mühlenberg-Gruppe auf Dauer zu klein sei, um weiter selbstständig zu existieren. Hinzu komme sein Alter; Müller ist 56 Jahre alt. Die vergangenen beiden Jahre seien zudem wirtschaftlich „nicht die allerbesten“ gewesen. Als Besitzer der Immobilien der bisherigen Mühlenberg-Standorte (außer Grünstadt) habe er diese langfristig an die Scherer-Gruppe vermietet, so Müller. Die Verträge seien auf 20 Jahre abgeschlossen worden. Zudem werde er als angestellter Geschäftsführer des Erwerbers das Autohaus in Ladenburg leiten, das derzeit ausgebaut werde. Die Scherer Holding, zu der die Scherer Gruppe gehört, ist ein Familienunternehmen in der dritten Generation mit 1700 Mitarbeitern, davon 300 Auszubildende. 1500 der Mitarbeiter seien in den Autohäusern beschäftigt, so Marketingchef Paulus. Unter dem Dach der Holding finden sich Gesellschaften der Automobil-, Bau-, und Immobilienbranche. Zur Scherer Gruppe zählen bisher 28 Kfz-Betriebe an 17 Standorten in Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und im Saarland. Scherer habe die Expansion bisher in angrenzenden Regionen betrieben, so Paulus. Die neuen Standorte sollen mit IT und EDV rasch an die übrigen Häuser angebunden werden. Er kenne den geschäftsführenden Gesellschafter der Scherer-Gruppe, Christian Scherer, schon seit rund 20 Jahren, sagte Michael Müller. Bei den Übernahmeverhandlungen hätten für ihn zwei Themen im Vordergrund gestanden: die Zukunft der Mitarbeiter und das eigene Auskommen. Beides sei mit dem Käufer gesichert. Er wisse, dass die Firmengruppe gut aufgestellt sei. Der Liste des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) der größten Autohändler in Deutschland zufolge summierte sich der Scherer-Umsatz im Jahr 2015 auf 618 Millionen Euro. Die Mühlenberg-Gruppe erreichte demnach rund 85 Millionen Euro. Der Umsatz von über 700 Millionen Euro würde demnach für einen Platz in der Gruppe der zehn größten Autohändler der IfA-Liste reichen. Das Ludwigshafener Autohaus Mühlenberg wurde 1960 gegründet. Zeitweilig zum Islinger Verbund gehörig, der sechs Autohäuser in der Rhein-Neckar-Region betrieb, wurde es aus dessen Insolvenz heraus 1988 von Michael Müller erworben. Zeitweilig gehörten zur Gruppe neun Autohäuser und 340 Mitarbeiter.

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