Meinung
Ryanair-Chef auf Schlingerkurs
Eines vorweg: Corona hat die Luftfahrtbranche in eine Krise gestürzt. Lufthansa will mit Milliarden Euro aus dem Staatssäckel gerettet werden, die irische Billigfluglinie Ryanair will die Gehälter ihrer Mitarbeiter drücken – oder sie entlassen. Schon im Mai hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary Verluste angekündigt und 3000 Stellen zur Disposition gestellt, wenn die Kosten nicht über Gehaltskürzungen oder die vorübergehende Schließung von Basen reduziert werden könnten.
Was am Dienstagabend folgte, war aber wieder eine typische Masche O’Learys: Ein internes Schreiben taucht bei Medien auf mit dem (Horror-)Szenario, dass einige deutsche Standorte aufgegeben werden – garniert mit der Zusatzinformation, es habe Streit mit der Gewerkschaft gegeben. Auf offizielle Nachfrage folgt das große Schweigen. Dafür melden sich die Gewerkschaften mit der Zusicherung, gesprächsbereit zu sein. Drohkulissen aufbauen kann O’Leary ebenso gut wie den lockeren und unkonventionellen Unternehmenschef geben. Schon 2018 hat Ryanair wegen eines Streiks mit Stellenabbau gedroht, der Abzug vom Hahn war schon 2009 Thema. Oft hatte er Erfolg mit den Drohungen.
Am Ende ist alles eine Frage des Geldes, ob sich für Ryanair der Verbleib am Flughafen Hahn rentiert – oder nicht. Ob Kunden des Billigfliegers deshalb auf Flüge vom Hunsrück verzichten müssen, ist eine ganz andere Frage.