Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Riedbahn-Sperrung trifft Pfälzer Züge

Normalerweise halten die Regional-Express-Züge der Linien RE4 und RE14 nicht in Frankenthal Süd. Der Ersatzzug SE14, der stattde
Normalerweise halten die Regional-Express-Züge der Linien RE4 und RE14 nicht in Frankenthal Süd. Der Ersatzzug SE14, der stattdessen während der Riedbahn-Sperrung fährt, wird den Haltepunkt jedoch bedienen.

Ab 2. Januar gibt es eine Art dreiwöchigen Probelauf für die mehrmonatige Sperrung der Riedbahn von Mannheim nach Frankfurt im Sommer. Massiv betroffen von den Folgen ist der Regionalverkehr in der Vorderpfalz. Hauptopfer ist die Verbindung von Germersheim nach Mainz, es gibt aber auch Gewinner. Dazu gehört besonders Frankenthal.

Wenn die normalerweise extrem stark befahrene Riedbahn vom 2. bis 21. Januar gesperrt ist, müssen Züge über andere Strecken umgeleitet werden. Das sind in erster Linie die sowieso schon überlastete Main-Neckar-Bahn von Mannheim und Heidelberg nach Frankfurt sowie die Strecke von Mannheim über Ludwigshafen, Frankenthal und Worms nach Mainz.

Um Platz für umgeleitete Fern- und Güterzüge zu schaffen, wird auf beiden Strecken das Angebot im Regionalverkehr reduziert. Besonders problematisch für die Kapazität einer Bahnstrecke sind hohe Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Zügen auf der Strecke; am höchsten ist die Kapazität, wenn alle Züge gleich schnell fahren. Um die Geschwindigkeitsdifferenz gegenüber den Güterzügen zu reduzieren, werden bei den langsamsten Reisezügen (nämlich der S-Bahn) Halte gestrichen, die schnellsten (nämlich der Regional-Express) halten dagegen öfter. Statt der Regional-Express-Linien RE4 und RE14 fährt ein stündlicher Stadt-Express (SE) mit zusätzlichen Halten. In der Pfalz bedient der SE14 Ludwigshafen Mitte, Ludwigshafen Hauptbahnhof, Frankenthal Süd und Frankenthal Hauptbahnhof. Verlierer sind in der Pfalz die Halte Bobenheim und Ludwigshafen-Oggersheim, die die Hälfte ihrer S-Bahnen verlieren, ohne dass es – wie etwa in Frankenthal Süd – Ersatz durch einen SE-Halt gibt. Immerhin halten hier überhaupt noch Züge, während mehrere S-Bahn-Halte in Rheinhessen nur noch von Ersatzbussen bedient werden.

Stündlich Frankenthal–Frankfurt

Einen großen Vorteil gibt es durch den modifizierten Fahrplan für Frankenthal. Weil der SE14 über die Mainzer Nordbrücke nach Frankfurt weiter fährt, gibt es stündlich Züge von Frankenthal nach Frankfurt und von Frankfurt nach Frankenthal. Zu den Verlierern gehören dagegen Germersheim, Speyer und Schifferstadt, die ihre schnelle Direktverbindung nach Mainz verlieren. Die Fahrzeit in die Landeshauptstadt verlängert sich um über 20 Minuten, zudem ist der Umsteigeweg im Ludwigshafener Hauptbahnhof unangenehm lang.

Ähnlich wie auf der Strecke von Ludwigshafen nach Mainz ist die Situation auf der Main-Neckar-Bahn von Frankfurt über Darmstadt nach Mannheim und Heidelberg, die ebenfalls viel Umleitungsverkehr aufzunehmen hat. Auch hier wird der Nahverkehr eingeschränkt, einige Halte werden nur von Ersatzbussen bedient. Der Regional-Express RE60 von Mannheim über Darmstadt nach Frankfurt soll stündlich fahren, die S-Bahn-Linie S6 von Mannheim nach Bensheim fällt dagegen meist weg.

Kein ICE von Mannheim zum Flughafen Frankfurt

Für Mannheim wird das ICE-Angebot wegen der Riedbahn-Sperrung deutlich reduziert. Gravierend ist vor allem der Wegfall aller Direktzüge zum Frankfurter Flughafen. Es gibt nur noch Verbindungen mit Umsteigen am Frankfurter Hauptbahnhof oder in Mainz sowie einen als ICE deklarierten Ersatzbus. Während der Riedbahn-Sperrung im Januar wird immerhin alle zwei Stunden ein direkter ICE von Mannheim über Frankfurt und Hannover nach Hamburg fahren. Nach Berlin gibt es nicht viel weniger Direktzüge als sonst, sie sind allerdings ungünstiger verteilt.

Alle zwei Stunden fährt ein ICE über Darmstadt, Frankfurt und Göttingen nach Berlin und ebenfalls alle zwei Stunden einer über Mainz, Frankfurt und Erfurt nach Berlin. Mit einer Fahrzeit von rund fünf Stunden und 20 Minuten bietet die letztgenannte Linie trotz des Umwegs über Mainz die schnellste Verbindung von Mannheim in die Bundeshauptstadt. Diese Züge fahren ähnlich wie heute die beiden Linien RE4 und RE14 über die Mainzer Nordbrücke nach Frankfurt.

Eine ICE-Linie an Mannheim vorbei

Von Karlsruhe gibt es alle zwei Stunden einen direkten ICE über Frankfurt und Leipzig nach Berlin. Diese ICE-Linie fährt von Karlsruhe nach Darmstadt nonstop an Mannheim vorbei. Die sonst gewohnte Direktverbindung im Zwei-Stunden-Takt von Mannheim nach Leipzig gibt es deswegen nicht.

Stündlich fährt ein ICE von Mannheim über Wiesbaden und die Schnellstrecke durch den Westerwald nach Köln. Wer weiter nach Düsseldorf oder ins Ruhrgebiet will, muss in Köln umsteigen. Durch den Umweg über Wiesbaden verlängert sich die Fahrzeit von Mannheim nach Köln um rund 30 Minuten, sie ist damit aber immer noch rund 30 Minuten kürzer als bei der Fahrt durchs Mittelrheintal über Koblenz.

Zwei Zugpaare in der Pfalz fallen aus

Weil im Zusammenhang mit der Riedbahnsperrung die Linienführung im ICE-Verkehr stark verändert wird, ergeben sich für die Pfalz ärgerliche Folgen bei zwei Zugpaaren, die gar nicht über die Riedbahn fahren. Der EC 217 von Saarbrücken nach Graz, der am frühen Morgen in Homburg, Landstuhl, Kaiserslautern, Neustadt und Ludwigshafen hält und deswegen auch für Berufspendler aus der Westpfalz erhebliche Bedeutung hat, fällt ersatzlos aus. Für Fahrten bis Mannheim lässt sich in manchen Fällen auf einen Regional-Express der Linie RE1 ausweichen, der rund eine halbe Stunde später fährt. Auch der ICE von Saarbrücken nach Frankfurt (und weiter nach Berlin oder derzeit Dresden) fällt ersatzlos weg. Von den vier Hochgeschwindigkeitszügen von Paris über Saarbrücken und Kaiserslautern nach Frankfurt fahren nur die beiden am Abend durchgehend bis Frankfurt, bei den beiden anderen muss in Mannheim umgestiegen werden.

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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