Regionalsender
Rhein-Neckar-Fernsehen stellt Sendebetrieb ein
Der private Fernsehsender aus Mannheim ist einmal mehr in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der geschäftsführende Gesellschafter Joachim Schulz starb am 6. November. Der 68-jährige Unternehmer hatte den Sender vor einem Jahr als Alleininhaber in sein Portfolio mehrerer Unternehmen integriert und damit auch die volle Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung übernommen. In dieser Zeit habe er jedoch keine Vertretungsstrukturen gepflegt oder Vollmachten erteilt, hieß es in der Sendung „RNF Life“ vom Mittwoch, als die Probleme thematisiert wurden. RNF war somit handlungsunfähig. Ein Gläubiger stellte daraufhin einen Insolvenzantrag.
Am Freitag wurde nun mitgeteilt, dass das Team beschlossen habe, den Sendebetrieb einzustellen. „Wir haben nicht das Geld, das wir brauchen“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl in der letzten Ausgabe von „RNF Life“ am Freitagabend. Versuche, eine Zwischenfinanzierung zu finden, seien gescheitert. Der Anwalt sprach von einen mittleren fünfstelligen Betrag, der für die nächsten Wochen erforderlich sei. Betroffen sind 21 Mitarbeiter. Sie hoffen, dass sich doch noch eine Lösung findet. „Wir kämpfen weiter“, sagte Wahl.
Mehrfach in Turbulenzen
Der Regionalsender war in den vergangenen Jahren mehrfach in Turbulenzen. Seit 1986 sendete RNF, zunächst im RTL-Regionalfenster, seit 1996 auch als eigener Sender. Kernelement war das werktägliche Nachrichtenmagazin „RNF Life“. 1994 übernahm der damalige Chefredakteur Bert Siegelmann RNF komplett von der Mediengruppe Dr. Haas GmbH, die unter anderem den „Mannheimer Morgen“ herausgibt.
2016 verlor der Sender seine wirtschaftlich wichtige RTL-Regionalfenster-Lizenz – was starke finanzielle Einbußen bedeutete. Die GmbH geriet in wirtschaftliche Schieflage. Anfang Juli 2018 stellte RNF einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, dem mehrere Stellen zum Opfer fielen. Anfang 2019 übernahm wieder die Mediengruppe Dr. Haas das Unternehmen, konnte die Geschäfte aber nicht konsolidieren. Es folgte eine erneute Insolvenz.
Daraufhin übernahm 2020 der Chef des Heidelberger IT-Beratungsunternehmens SNP, Andreas Schneider-Neureither, das Rhein-Neckar-Fernsehen. Er starb im November 2020 plötzlich und unerwartet mit 56 Jahren. Zusammen mit einem Umsatzeinbruch als Folge der Corona-Pandemie führte das im März 2021 erneut in ein Insolvenzverfahren. Danach stieg ein Team um den Heidelberger Unternehmer Manfred Lautenschläger, Gründer des Finanzdienstleisters MLP, ein. 2024 aber zog sich der 86-Jährige Lautenschläger wieder zurück, worauf die bis dahin vierte Insolvenz folgte. Joachim Schulz übernahm schließlich.