Deutsche Bahn
Reisen in der Corona-Krise: App soll vor vollen Zügen warnen
Auf eine Reservierungspflicht im Fernverkehr, wie sie zum Beispiel in Frankreich gilt, will die Deutsche Bahn AG weiterhin verzichten. Stattdessen soll großes Gedränge im Zug und auf den Bahnsteigen durch mehr Angebot und verbesserte Steuerung der Auslastung verhindert werden. Ab dieser Woche wird Kunden auf www.bahn.de und in der DB Navigator-App angezeigt, wenn Fernzüge bereits zu mehr als 50 Prozent ausgelastet sind. Dann sollen die freiwilligen Reservierungen begrenzt und bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung der Ticketverkauf ausgesetzt werden.
Seit die Corona-Beschränkungen gelockert sind, nutzen wieder mehr Reisende die Bahn. Zu Pfingsten erwartet die Deutsche Bahn nun deutlich mehr Andrang. Deshalb soll es auf beliebten ICE-Verbindungen doppelt so viele Sitzplätze geben, auch die unterbrochenen Verbindungen in Nachbarländer wie die Schweiz und Österreich sind wieder im Angebot.
Freier Nebensitz nicht garantiert
Bahnreisen seien sicher, betonte Bahn-Vorstand Berthold Huber am Montag. Die Fernzüge würden verstärkt gereinigt, die Putztruppe verdoppelt. Reisende sollen weiterhin eine Schutzmaske tragen, ein freier Nebensitz könne nicht garantiert werden. Die Zugbegleiter sollen aber auf gleichmäßige Verteilung der Fahrgäste achten.
Huber verteidigte den umstrittenen Entschluss, in der Corona-Krise 75 Prozent des Angebots und damit fast leere Züge weiterzufahren. Andernfalls hätte man Stammkunden mit Bahncard verlieren können, die fast die Hälfte des Umsatzes im Fernverkehr bringen – und dennoch hohe fixe Kosten für Flotte und Personal gehabt, so der Manager. Zudem könne nun schneller wieder das Angebot ausgebaut werden.
Für den Konzern war diese umfangreiche Grundversorgung der Bürger mit Mobilität allerdings enorm teuer. DB-Chef Richard Lutz und sein Vize Ronald Pofalla rechnen die gesamten Corona-Einbußen auf bis zu 13 Milliarden Euro hoch und haben mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Konsenspapier abgestimmt, wonach die ohnehin finanziell klamme und hoch verschuldete DB AG kurzfristig weitere bis zu 4,5 Milliarden Euro Steuergeld erhalten soll.