Metallindustrie RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzmetall-Chef: Länger arbeiten für mehr Geld

Für knapp vier Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie wird ab Mitte September verhandelt.
Für knapp vier Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie wird ab Mitte September verhandelt.

Ludwigshafen. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten plädiert der Präsident der pfälzischen Metall-Arbeitgeber, Johannes Heger, dafür, eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit und so höhere Gehälter zu ermöglichen.

Acht Prozent mehr Lohn – mit dieser Forderung zieht die IG Metall in die Mitte September beginnende Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie. Dass die Gewerkschaft vor solchen Verhandlungen Forderungen aufstellt, gehört ebenso zum Tarifgeschäft wie die Tatsache, dass diese von Arbeitgeberseite als zu hoch zurückgewiesen werden. Wobei beide Seiten wissen, dass am Ende ein Kompromiss steht, stehen muss.

Johannes Heger kennt die Spielregeln, schließlich steht er schon seit geraumer Zeit an der Spitze der pfälzischen Metallarbeitgeber (Pfalzmetall), ist mittlerweile auch Verhandlungsführer der Arbeitgeber für Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. Nun möchte er diese Regeln ergänzen, indem er seinerseits eine Forderung einbringt: die nach einer Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit. Sein Argument: In vielen Betrieben könne derzeit mehr gearbeitet – und damit produziert – werden. Das scheitere aber daran, dass es am notwendigen Personal fehle, wofür neben dem Fachkräftemangel auch vermehrte krankheitsbedingte Ausfälle verantwortlich seien.

Mehr Flexibilität gefordert

Heger weiß natürlich, dass er damit ein heißes Eisen anpackt. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten könne es doch für manchen Beschäftigten attraktiv sein, länger zu arbeiten und mehr zu verdienen, lässt er sich nicht beirren und rechnet vor: Um eine Steigerung der Energiekosten von 200 Euro im Monat auszugleichen, müsse ein Mitarbeiter in der Branche ungefähr 16 Stunden länger arbeiten – also im Schnitt vier Stunden die Woche, bezahlt natürlich.

Darüber hinaus plädiert Heger im Gespräch mit dieser Zeitung dafür, bereits bestehende Arbeitszeitmodelle zu flexibilisieren. Dabei geht es ihm unter anderem darum, entsprechende Vereinbarungen der Betriebsebene, also Unternehmensleitung und Betriebsrat zu überlassen.

Verständnis für Erwartungshaltung der Beschäftigten

Die IG Metall ihrerseits hat bereits deutlich gemacht, dass in den anstehenden Verhandlungen für die bundesweit knapp vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie für sie ein Thema klar im Vordergrund steht: mehr Lohn. Er verstehe die Erwartungshaltung, dass diese Tarifrunde beim Thema Entgelt „etwas bringen“ müsse, sagt Heger dazu – was als indirekte Absage an eine Nullrunde zu verstehen ist.

Allerdings stimme die Behauptung der IG Metall, dass es seit 2018 keine tabellenwirksamen, also dauerhaften Entgelterhöhungen mehr gegeben habe, ebensowenig wie die, dass die meisten Unternehmen höhere Preise an ihre Kunden weitergeben könnten. Letztlich, so Heger, gehe es darum, dass beide Seiten verstünden, welchen Belastungen die jeweils andere Seite derzeit ausgesetzt sei. Dieser Erkenntnis und der damit einhergehenden Verantwortung für Beschäftigte und Betriebe müsse ein Abschluss gerecht werden. Zugleich müsse der Flächentarifvertrag, den Heger für unverzichtbar hält, weiter differenziert werden. „Differenzierung muss zum Standardbaustein des Tarifvertrags werden“, sagt der Pfalzmetall-Präsident, damit Betriebe, wenn nötig, zeitweise ihre Kostenbelastung reduzieren könnten.

Nicht die vergessen, die weiter im Betrieb arbeiten

Als die IG Metall ihre 8-Prozent-Forderung verkündete, verband sie dies mit dem Appell an die Politik, angesichts steigender Energie- und Lebenshaltungskosten weitere Hilfspakete zu schnüren. Zugleich stellte sie, adressiert an die eigene Klientel, klar, dass die Tarifpolitik allein die zusätzlichen Belastungen nicht ausgleichen könne. Johannes Heger hält diesen Kurs für problematisch. „Du solltest als Beschäftigter der Metall- und Elektroindustrie das verdienen, was es braucht, um das Leben zu bestreiten“, wendet er sich dagegen, hier auf zusätzliche staatliche Hilfen zu setzen.

Als geschäftsführender Gesellschafter der Heger Gruppe leitet Johannes Heger ein Unternehmen, in dem Mitarbeiter in der Produktion wie auch in Entwicklung und Verwaltung beschäftigt sind. In dieser Funktion treibt den Mittelständler ein Thema um, das zwar nicht auf dem Tisch der Tarifverhandler liegen wird, aber zweifellos wichtig ist: das Verhältnis zwischen dem Arbeiten im Betrieb einerseits, im Homeoffice andererseits. Es sei nun einmal nicht möglich, dass alle Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, sagt Heger.

Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, wie sich das Arbeiten im Betrieb attraktiver gestalten lasse. Ansonsten bestehe das Risiko, dass alle nur noch in Homeoffice-fähigen Jobs arbeiten wollten. Bei allen Diskussionen über Homeoffice, die durch die Corona-Pandemie einen enormen Schub erhielten, müssten diejenigen, die weiter im Betrieb arbeiten, das Gefühl vermittelt werden, „dass sie nicht vergessen werden“.

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