Ludwigshafen / Köln RHEINPFALZ Plus Artikel Passfoto-Frust für Fachgeschäfte

Auf die Miene kommt es an.
Auf die Miene kommt es an.

Dass Fotos für Ausweisdokumente künftig ausschließlich digital von privaten Dienstleistern oder direkt vor Ort in der Behörde erstellt werden müssen, kommt bei Fotofachgeschäften überhaupt nicht gut an.

„Die Gesetzesänderung für mehr Sicherheit von Ausweisdokumenten stellt eine deutliche Bedrohung für das Geschäftsmodell von Fotofachgeschäften mit Passfoto-Service dar“, sagte am Donnerstag Ditmar Schädel von der Deutschen Gesellschaft für Photographie in Köln auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Wenn Meldebehörden die Erstellung von Passfotos für eine Gebühr von 6 Euro anböten, würden den Fachgeschäften und Fotografen die Umsätze in diesem Segment wegbrechen. Für diesen Preis ein Bild zu machen und dann noch aufwendig an die passende Behörde zu senden, stehe in keinem tragbaren wirtschaftlichen Verhältnis. Zumal die Kunden dann ja ohnehin schon persönlich in der Meldebehörde seien und so den dortigen Service auch nutzen würden, so der Branchenexperte weiter. Für die Anbieter von Passfotos bedeute diese Novelle eine massive Einschränkung ihres Geschäftsfeldes.

Furcht vor „Rieseneinschnitt“

Dies bestätigt auch Gabi Gruhn, die Inhaberin des alteingesessenen Ludwigshafener Fotostudios Backofen, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Es komme ein „Rieseneinschnitt“ auf die Fachgeschäfte zu, wenn das Passfoto-Geschäft wegbreche. Bei Backofen machen die Umsätze mit konventionellen Passfotos rund ein Drittel der Erlöse aus, so Gabi Gruhn weiter. Wie die neuen Regelungen technisch und organisatorisch konkret umgesetzt werden sollen, sei im Detail noch unklar und unausgegoren. Wie solle die Anfertigung schnell und reibungslos funktionieren, wenn Leute – Ältere oder Behinderte – in der Behörde anstünden?, gibt die Fachfrau zu bedenken.

Erlaubnis für autorisierte Fotografen?

Vermutlich würden autorisierte Fotografen in Fachgeschäften die Erlaubnis zur Fotoanfertigung und Weiterleitung an die Behörde erhalten.

Beim Fotogeschäft Studioline in Kaiserslautern hieß es auf Anfrage, Kunden bekämen die Passfotos auf Papier und auch digital auf CD oder per E-Mail ausgehändigt. Die Zentrale der Studioline Photostudios GmbH in Kiel ließ eine weitergehende Anfrage unbeantwortet .

Keine Auskunft gab es auch von der Fotofix Schnellphotoautomaten GmbH in Kiel sowie vom Online-Portal passbilder.net. Den bundesweiten Anbietern von Fotoautomaten, die zum Beispiel in Bahnhöfen oder Supermärkten stehen und mit vergleichsweise niedrigen Preisen locken, dürften die neuen Regelungen das Geschäft mindestens so stark verhageln wie den Fotofachgeschäften. Ob es ihnen deshalb bereits die Sprache verschlagen hat?

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