Wirtschaft Opel: PSA-Chef Tavares bleibt hart
«Paris/Rüsselsheim.» Peugeot-Chef Carlos Tavares (59) demonstriert im Opel-Streit Härte. Um den Rüsselsheimer Autobauer wieder auf Kurs zu bringen, seien intensive Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Metall nötig, kündigte der 59-jährige Portugiese gestern auf der Hauptversammlung des französischen Unternehmens an.
Die Gespräche könnten „in den kommenden Wochen etwas Lärm“ verursachen. „Wir müssen das tun, was notwendig ist, um das Management wieder ins Zentrum des Systems zu bringen, damit Opel vom Management geleitet wird“, sagte Tavares. Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon betonte, die Groupe PSA bemühe sich weiter, bei der IG Metall Ausnahmeregelungen für die Opel-Tarife zu erreichen. Damit gibt sich PSA unnachgiebig, obwohl Opel zu einem Umsatzsprung im ersten Quartal beitrug. Die Hauptversammlung genehmigte Tavares einen Bonus von 1 Million Euro für die Opel-Übernahme. Die Franzosen pochen auf Lohnkürzungen, um die Arbeitskosten bei Opel auf das niedrigere Niveau der gesamten Gruppe zu drücken. Betriebsrat und IG Metall werfen den Franzosen vor, mit einem Kahlschlag in Deutschland die Marke mit dem Blitz zu gefährden. Der Plan zur Kostenreduzierung bei Opel und der britischen Konzernschwerter Vauxhall trägt PSA zufolge erste Früchte. Laut einer Präsentation bei der Tavares-Rede wurden die Fix-Kosten bei Opel und Vauxhall seit der Übernahme um 17 Prozent gesenkt. Ausgaben für Reisen verringerten sich demnach um 30 Prozent, für den IT-Betrieb um 39 Prozent. Auch die Entwicklungskosten sinken, während die Technologien der neuen Töchter mit denen von PSA enger verzahnt würden. Opel und Vauxhall trugen im ersten Quartal 2018 maßgeblich zu einem Umsatzplus von 42 Prozent auf knapp 18,2 Milliarden Euro bei. PSA verkaufte über eine Million Autos, fast ein Viertel davon kamen von den neuen Sparten in Deutschland und Großbritannien. Die Absatzsteigerung belief sich auf 44 Prozent. Die Regierung des Bundeslandes Thüringen hat gestern gemeinsam mit den Beschäftigten von Opel gegen die Sparpläne von PSA protestiert. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nahmen am Nachmittag in Eisenach an einem Protestmarsch mit 1400 Opel-Beschäftigten teil, wie ein IG-Metall-Sprecher sagte. Sie forderten, dass PSA ausreichend in das Eisenacher Werk investiert, um dessen Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger forderte erneut, dass künftig zwei Modelle in Eisenach produziert werden sollen – statt wie vom Management in Aussicht gestellt nur eins. „Wir sind und bleiben bereit für weitere Tarifverhandlungen“, sagte er. Das Ziel sei die Sicherung der Arbeitsplätze in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern sowie deren Zukunftsfähigkeit. Auch aus Kaiserslautern und Rüsselsheim waren Mitarbeiter zur Kundgebung nach Eisenach gekommen. Ramelow verlangt von PSA eine Zukunftsgarantie für alle drei Opel-Standorte. Der Ministerpräsident beklagt sich außerdem über widersprüchliche Aussagen der Opel-Geschäftsführung. Einerseits höre er von Opel-Chef Michael Lohscheller, dass das Werk in Eisenach nicht gefährdet sei. „Andererseits habe ich erst gestern wieder ein Gespräch mit der Unternehmensleitung gehabt, wo mir deutlich gesagt wurde, es geht um eine Mitarbeiterzahl unter 1000 und es geht um eine Produktionsauslastung unter 100.000 Stück.“ In Eisenach arbeiten derzeit 1800 Menschen, das Werk sei „für den Bau von 180.000 Fahrzeugen jährlich konzipiert“, so Ramelow. KOMMENTAR