Wirtschaft Opel: Politiker appellieren an Mutterkonzern PSA

«Mainz». Wegen der stockenden Sanierungsverhandlungen beim Autobauer Opel dringen die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer und andere Sozialdemokraten in Opel-Ländern auf die Einhaltung von Zusagen und Verträgen. Zu dem Autobauer gehört ein Werk in Kaiserslautern mit nach Betriebsratsangaben 2700 Mitarbeitern, von denen rund 300 Leiharbeiter sind.
Wegen des Widerstands der IG Metall hat das Führungsgremium des Mutterkonzerns PSA die geplante Investitionsentscheidung für das Montagewerk Eisenach ausgesetzt, wie Unternehmenschef Michael Lohscheller gestern der Belegschaft mitteilte. Die Investition habe noch kein grünes Licht erhalten, weil die Verhandlungen mit den Sozialpartnern noch nicht zu einer Einigung geführt hätten, schrieb der Opel-Chef an seine Mitarbeiter. Am Freitag waren Verhandlungen mit der IG Metall und dem Betriebsrat unterbrochen worden. Dreyer, Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee und SPD-Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles wandten sich gestern gemeinsam an den Chef des neuen Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares. „Wir erwarten die Einhaltung der Zusagen für Investitionen und Beschäftigte aus dem letzten Jahr“, betonten sie. Die Versprechen dürften nicht infrage gestellt und das Vertrauen in die PSA-Führung nicht beschädigt werden. Dazu zähle die Vertragstreue bei Tarifverträgen. IG Metall und Gesamtbetriebsrat hatten PSA vorgeworfen, mit den bislang vorliegenden Projekt- und Produktzusagen einen weitreichenden Personalabbau in den deutschen Werken zu planen. Sie lehnen auch den von Opel-Chef Lohscheller geforderten Verzicht auf die anstehende Tariferhöhung von 4,3 Prozent ab. Für die in Tarifverträgen festgehaltenen Produktionszusagen habe die Belegschaft in der Vergangenheit ausreichende Zugeständnisse gemacht. Opel war 2017 vom französischen PSA-Konzern übernommen worden und steckt in einer harten Sanierung, die ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen auskommen soll. An den deutschen Standorten mit fast 19.000 Beschäftigten wird teils massiv kurzgearbeitet.