Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Online-Tierhandel: Vorsicht illegale Anbieter

Illegalen Händlern geht es ums Geschäft: Viel zu früh werden Jungtiere von ihrer Mutter getrennt.
Illegalen Händlern geht es ums Geschäft: Viel zu früh werden Jungtiere von ihrer Mutter getrennt.

Im Internet gibt es alles zu kaufen – auch Hunde und Katzen. Viele bestellen sich dort ein Haustier wie einen Pullover oder eine Waschmaschine. Das Problem dabei: Es gibt skrupellose Geschäftemacher, die den Handel illegal betreiben – zum Leid der Tiere und auf Kosten ihrer neuen Besitzer.

Wie groß ist das Problem?
Laut Deutschem Tierschutzbund ,,boomt“ der kriminelle Handel mit Tieren seit Beginn der Corona-Pandemie. Allein 2021 wurden dem Verband die Fälle von 1938 illegal gehandelten Hunden bekannt – nahezu doppelt so viele wie 2020 und fünfmal so viele wie 2019. „Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen“, so der Tierschutzbund, der einen regen illegalen Handel auch mit Rassekätzchen beobachtet.

Wohin geht die Entwicklung?
Dass der Trend zum Online-Tierhandel anhält, zeigen Erhebungen der Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten. Demnach gab es im Juli 2022 im Schnitt fast 22.600 zeitgleiche Anzeigen für Tiere auf den Internet-Plattformen Ebay-Kleinanzeigen, Quoka und Deine Tierwelt – fast 50 Prozent mehr als im Januar.

Zwei Beispiele für illegale Angebote aus jüngster Zeit: An der Grenze zu Tschechien stoppte die bayerische Polizei ein Fahrzeug mit 72 jungen Hunden im Wert von über 100.000 Euro, die in einem desolaten Gesundheitszustand waren und teils mit Infusionen versorgt werden mussten. In einer „wahren Hundehölle“ entdeckte die Berliner Polizei mehr als 30 verwahrloste Welpen, viele eingepfercht in vollurinierten und verkoteten Boxen.

Was passiert mit den Tieren?
Die Hunde stammen in der Regel aus dem Ausland, etwa aus Bulgarien, Polen oder Rumänien. „Meist werden sie weder entwurmt noch mit den lebenswichtigen Impfungen abgegeben“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Außerdem finde die für Hunde wichtige Sozialisierung nicht statt. „Sie werden meist viel zu früh von der Mutter getrennt. Die Folge: Massive Verhaltensprobleme der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter“, erläutert Schmitz.

Wird eine größere Lieferung von der Polizei beschlagnahmt, landen die Hunde im Tierheim, das so viele geschwächte Welpen auf einmal kaum versorgen kann. Übernimmt der Käufer eine Bestellung, treten bei ihm die Schwierigkeiten auf. Dazu der Tierschutzbund: „Das Ganze zieht schnell Behandlungskosten für ein krankes Tier nach sich, die zu einer enormen finanziellen Belastung werden können.“

Das Leid trifft auch die Elterntiere. „Viele verbringen ihr kurzes Leben in kleinen Zwingern und Käfigen, ohne jemals das Sonnenlicht zu sehen oder in Sozialkontakt mit Artgenossen zu kommen“, berichtet die Tierschutz-Organisation Peta. Auf Zuchtfarmen bestehe der einzige Zweck der Muttertiere darin, möglichst viele Welpen zu ,produzieren’“, bemängelt der Verband.

Wie erkenne ich illegale Angebote?
Anders als früher fallen die Inserate nicht mehr unbedingt durch ein gebrochenes Deutsch oder niedrige Preise auf. Nach Angaben der Vier-Pfoten-Stiftung verlangen kriminelle Händler für Rassen wie Labrador Retriever, Chihuahua oder Französische Bulldogge teils so viel Geld wie verantwortungsvolle Züchter auch.

Misstrauisch sollten die Käufer aber spätestens bei der Übergabe des Tieres werden. Sie findet aus fadenscheinigen Gründen – etwa wegen Corona oder einer Wohnungsrenovierung – nicht zu Hause beim Züchter statt, „sondern an einem öffentlichen Ort, an der Straße oder auf einem Parkplatz aus dem Kofferraum heraus“, erläutert Fachfrau Schmitz.

Ein auffälliges Merkmal ist zudem das Alter der Tiere. Illegale Händler verkaufen Hunde meist zu jung, laut Vier-Pfoten-Stiftung oft schon mit vier bis sechs Wochen – wenn sie auf den Bildern im Internet besonders niedlich ausschauen. Junge Kätzchen werden nach Beobachtung der Peta-Organisation häufig sogar schon „kurz nach der Geburt ihren Müttern entrissen“.

Worauf sollten Käufer achten?
Die Initiative „Stopp den illegalen Welpenhandel“ von Bundesregierung und Tierärzte-Organisationen spricht von einem Warnzeichen, wenn die Hunde in Online-Inseraten nur unzureichend beschrieben sind, ein- und derselbe Anbieter mehrere Rassen hat und die Lieferung nach Hause oder zu einem Treffpunkt erfolgen soll. Unbedingt bestehen sollten die Interessenten darauf, das Muttertier bei einem Vor-Ort-Besuch kennenzulernen.

Der Tierschutzbund empfiehlt, Tiere statt im Internet in erster Linie im Tierheim oder – wenn Interesse an einem Rassehund besteht – bei einem seriösen Züchter zu kaufen. Einen guten Züchter könne man zum Beispiel über Empfehlungen anderer Tierhalter, des Tierarztes oder des örtlichen Tierschutzvereins finden. „Wer dagegen Tiere blind über das Internet kauft, kann nicht überprüfen, wo das Tier tatsächlich herkommt, wie es bisher gelebt hat und wie es den Zuchttieren im Hintergrund geht“, sagt Expertin Schmitz.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) rät ebenfalls davon ab, Welpen über den Internet-Versandhandel zu kaufen. Damit Kunde und Züchter besser einschätzen können, welches Tier zum künftigen Halter passt, empfiehlt der Verband, den Welpen mehrmals vor dem Erwerb beim Muttertier zu besuchen. Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) hält einen schriftlichen Kaufvertrag für unverzichtbar. Wer glaubt, Opfer eines illegalen Tierhandels geworden zu sein, sollte sich an die Polizei wenden, so das EVZ.

Was sagt das Gesetz?
Der Online-Handel mit Tieren ist nicht verboten. Allerdings müssen die aus dem Ausland kommenden Welpen mindestens 15 Wochen alt sein. Das liegt daran, dass die Tiere die beim Import vorgeschriebene Tollwut-Impfung erst mit zwölf Wochen bekommen können und es drei Wochen dauert, bis diese wirkt. Außerdem muss das Tier mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein und über einen EU-Heimtierausweis sowie ein amtliches Gesundheitszeugnis verfügen. Käufer sollten sich die Begleitpapiere unbedingt aushändigen lassen, rät die Initiative „Stopp den illegalen Welpenhandel“.

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