Deutsche-Bank-Tochter DWS RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Razzia Aus für Fonds-Chef

Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen – das steckt hinter der Abkürzung DWS. Der Vorstandschef des Vermögensverwalters, Aso
Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen – das steckt hinter der Abkürzung DWS. Der Vorstandschef des Vermögensverwalters, Asoka Wöhrman, muss jetzt gehen.

Über den Vorwurf, die Fondsgesellschaft DWS habe Finanzprodukte mit grünem Schein vertrieben, ist Vorstandsvorsitzender Asoka Wöhrmann gestolpert.

Die Vorgänge bescherten der DWS am Mittwoch Besuch von der Staatsanwaltschaft und wenige Stunden später einen Führungswechsel. Erhoben wurden die Vorwürfe schon vor Monaten von der ehemaligen Nachhaltigkeits-Chefin der Vermögensverwaltungsgesellschaft, Desiree Fixler. Die Amerikanerin war im März 2021 kurz vor Ablauf ihrer Probezeit bei der DWS gefeuert worden und machte danach ihre Kritik an der Nachhaltigkeitsstrategie der Fondsgesellschaft publik.

Was ist „Nachhaltigkeit“?

Das Problem an der Sache: Eine allgemeinverbindliche Definition von Nachhaltigkeit gibt es nicht. Der Versuch, in Form der sogenannten EU-Taxonomie zumindest Mindeststandards zu setzen, hat zu einer Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geführt: Investitionen in Atomkraft dürfen demnach als nachhaltig bezeichnet werden, genauso wie in klimaschädliches Erdgas.

Fixler geht es nach eigenen Angaben jedoch weniger um die Einstufung einzelner Investments als „um Falschdarstellung“, wie sie in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erklärte. Es bestehe ein erheblicher Unterschied „zwischen dem, was das Unternehmen nach innen sagt und dem, was es nach außen kommuniziert“.

Auch in Prospekten gemogelt?

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt vermutet, dass auch Fondsprospekte der DWS Falschbehauptungen enthalten: Es gebe Anhaltspunkte dafür, „dass entgegen den Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Das Kürzel ESG steht für die englischen Begriffe Environment, Social und Governance – also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung.

Abschied am 9. Juni

Die DWS hat den Vorwurf, mit ihren ESG-Fonds Anleger zu täuschen, stets zurückgewiesen. Dennoch nimmt ihr Vorstandsvorsitzender Asoka Wöhrmann nun seinen Hut. Wöhrmann werde sein Amt unmittelbar nach der Hauptversammlung am 9. Juni niederlegen, teilte die Deutsche Bank in der Nacht zu Donnerstag mit, nachdem die Staatsanwaltschaft stundenlang Büroräume sowohl des Mutterkonzerns als auch der DWS gefilzt hatte. Neuer Chef des Vermögensverwalters wird Stefan Hoops, der bislang das Unternehmenskundengeschäft der Deutschen Bank geleitet hat.

Der Verein Finanzwende, der sich für eine grundlegende Reform der Branche einsetzt, begrüßte Wöhrmanns Rücktritt: „Die Vorwürfe auf Prospekt- beziehungsweise Kapitalanlagebetrug wiegen schwer und zeigen: Greenwashing ist kein Kavaliersdelikt.“

Noch ein Verdacht

Wöhrmann steht nicht nur wegen des Vorwurfs der Grünfärberei unter Beschuss. Hinzu kamen Kontakte zu einem Geschäftsmann, bei denen der Verdacht im Raum steht, Wöhrmann könnte private und geschäftliche Belange auf fragwürdige Weise vermischt haben.

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